Andreas Hoose: Ist die Finanzkrise zurück?

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Die Fed springt den Banken mit dreistelligen Milliardenbeträgen zur Seite. Der Vorgang weckt Erinnerungen an den Beginn der Mega-Baisse vor zehn Jahren. In dieser Woche hat die US-Notenbank dem Finanzmarkt binnen zwei Tagen 150 Milliarden US-Dollar (das sind 150.000 Millionen!) an kurzfristigen Liquiditätshilfen angeboten. Am Dienstag wurden rund 53 Milliarden US-Dollar von den Banken angenommen...

Mein Kollege Oliver Baron hat die Ereignisse dankenswerterweise hier zusammengefasst. Der Vorgang erinnert an den Ausbruch der Finanzkrise vor gut zehn Jahren. Seinerzeit hatte ein ganz ähnliches Ereignis die erst ein Jahr später tobende Mega-Baisse angekündigt. Ist es jetzt wieder soweit?

Frappierend ist: Damals wie heute scheint sich für den Vorgang hier zu Lande kaum jemand zu interessieren. In den Medien landauf, landab herrscht dröhnendes Schweigen. Ein Beispiel von vielen: Im folgenden Beitrag von ARD Online mit Stand vom 18. September, 06:45 Uhr zur anstehenden Zinsentscheidung der US-Notenbank, wird die dramatische Entwicklung mit keinem Wort erwähnt.

Mit keinem Wort!

Anders in den USA. Dort wird das Thema etwa von der Financial Times beleuchtet…

Der folgende englischsprachige Beitrag von www.zerohedge.com resumiert, dass angesichts der Entwicklungen in den USA das nächste "QE" vor der Tür stehen könnte.

Doch Deutschland scheint zu schlafen. Hier wird allenfalls die Frage thematisiert, warum Donald Trump die Fed „angreift“. Etwa bei den Dauerempörten vom Spiegel. Politisch lässt sich dieses Thema freilich sehr viel besser ausschlachten, als die wirklich wichtigen Vorgänge.

Regiert hier zu Lande womöglich das Pfeifen im Walde, und will man um Gottes Willen keine schlafenden Hunde wecken? Hat es den Journalisten die Sprache verschlagen, sind sie zu schockiert, um über die offensichtliche Eskalation hinter den Kulissen der Finanzbranche zu berichten? Oder wird das Thema schlicht ignoriert, weil man die Dramatik nicht erkennt? Letzteres wäre immerhin möglich:

Vor zehn Jahren jedenfalls stellte sich erst sehr viel später heraus, wie falsch die Experten die Lage von Beginn an eingeschätzt hatten:

Der 9. August 2007 gilt heute als Beginn der Finanzkrise von 2008. An jenem Tag stiegen die Zinsen für Interbankfinanzkredite sprunghaft an – ähnlich wie heute. Wenig später wurden einige Hedgefonds liquidiert. Mehrere Hypothekenfinanzierer mussten Gläubigerschutz anmelden. Schließlich kollabierte Lehman Brothers…

Doch noch im Sommer 2007 hatte ein gewisser Ben Bernanke bestens gelaunt verkündet, dass die gerade hochkochende Krise überschaubar bleiben und sich nicht weiter ausbreiten werde. Man habe alles im Griff...

Diese grandiose Fehleinschätzung der Lage wurde damals übrigens von einer gewissen Angela Merkel ausdrücklich geteilt…

Anleger, insbesondere jene aus der Kontra-Fraktion, sollten daher jetzt besonders hellhörig werden, denn wenn die Medien ein derart brisantes Thema offensichtlich „nicht sehen“, dann kann das die verschiedensten Gründe haben.

Doch was immer hier eine Rolle spielen mag, von einer Erkenntnis kann man getrost ausgehen: Die wirklich wichtigen Ereignisse werden von der Masse notorisch unterschätzt und fehlinterpretiert. Das gilt nicht nur an den Finanzmärkten…

Gut möglich außerdem, dass sich unser „Grabstein“ vom vergangenen Wochenende rückblickend als Volltreffer erweist…

© Andreas Hoose – Antizyklischer Börsenbrief

Der Artikel erschien zuerst auf godmode-trader.de

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