Goldcrash oder DAX-Gewitter?

Tags: Andreas Hoose Antizyklischer Börsenbrief Gold DAX Charts Analyse Meinung

von Andreas Hoose

Unsere Welt gerät in Aufruhr. Das zeigt sich nicht nur auf der politischen Bühne. Auch die Kapitalmärkte haben einiges zu bieten. Beim Gold etwa scheint die Sache "glasklar". Wie üblich dürfte es anders kommen als erwartet...

Die Zeiten sind spannend wie selten - und so verwirrend, dass manch einem bereits gehörig der Schädel brummen dürfte. Der allgemeine Aufruhr, der sich sehr treffend mit dem Begriff griechischen Begriff der „Apokalypse“ (Entschleierung) umschreiben lässt, zeigt sich nicht nur auf der politischen Bühne. Auch die Kalitalmärkte haben einiges zu bieten:

Der Goldpreis etwa scheint gerade wieder zu taumeln - und schon verrennen sich viele Analysten in vollkommen utopische Goldpreisprognosen. Von 800 US-Dollar je Unze und weniger ist da vereinzelt schon wieder die Rede.

Hintergrund ist die zuletzt zweifellos recht schwache Vorstellung des Goldpreises – und wie an der Börse üblich wird diese Entwicklung jetzt munter in die Zukunft fortgeschrieben. Dazu die folgende Abbildung:

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Die Sache scheint glasklar – und auch aus diesem Grund dürften sich viele Trendfolger demnächst wieder eine blutige Nase holen, denn mit großer Wahrscheinlichkeit hat der Goldpreis in der ersten Juli-Woche 2018 bei 1.238 US-Dollar je Feinunze sein Jahrestief gesehen.

Dazu zunächst eine fundamentale Betrachtung:

Die folgende Grafik zeigt am Beispiel der beiden Branchenriesen Barrick Gold (ABX) und Newmont Mining (NEM), warum der Goldpreis langfristig nicht unter 1.200 US-Dollar je Feinunze sinken kann.

Das liegt schlicht daran, dass nicht nur bei den beiden Flaggschiffen aus dem Goldsektor, sondern auch im Branchendurchschnitt ziemlich genau 1.200 US-Dollar aufgewendet werden müssen, um eine Unze des Edelmetalls aus dem Boden zu holen. Achten Sie auf die orangefarbenen Balken und die roten Markierungen in der folgenden Grafik.

Interessant ist die Beobachtung, dass der Goldpreis selbst dann nicht unter die Produktionskosten fällt, wenn eine ausgewachsene Verkaufspanik auch die Edelmetall-Märkte erfasst, wie etwa auf dem bisherigen Höhepunkt der Finanzkrise im Jahr 2008. Die hellblaue Markierung in der folgenden Abbildung zeigt das …

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Aus ökonomischer Sicht ist das nur folgerichtig, denn fällt der Preis unter die Produktionskosten, dann stellen die Goldproduzenten ihre Förderung eben ein, weil sie beim Verkauf des Edelmetalls Verluste erleiden. Folglich würde das Angebot bei einem Goldpreis von 1.200 US-Dollar je Feinunze stark zurückgehen – und die Preise würden wieder steigen.

Weil dieser Zusammenhang auch an anderer Stelle gilt, bilden die Produktionskosten bei jedem Rohstoff eine untere Preisbarriere. Und beim Goldpreis sind das derzeit nun einmal 1.200 US-Dollar je Feinunze. Das heißt, was wir hier zuletzt gesehen haben, war mit hoher Wahrscheinlichkeit ein wichtiges Tief und keinesfalls der Auftakt zu einem massiven Kurseinbruch.

Für diese Annahme sprechen auch einige weitere Aspekte:

Die folgende Abbildung fasst die Stimmungslage der professionellen Vermögensverwalter mit Blick auf wichtige Anlagevehikel wie den US-amerikanischen Gold-ETF mit dem Kürzel GLD zusammen. Fazit hier: Die Stimmung der Anlageprofis nähert sich ihrem absoluten Tiefpunkt, der zuletzt nur Ende 2015 und in den Jahren der Finanzkrise 2008 und 2009 erreicht wurde.

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Da fügt es sich doch, dass die wichtigsten Minenaktien den jüngsten Einbruch beim Goldpreis nicht mehr mit Kursverlusten bestätigt haben. Sichtbar wird das etwa dann, wenn man den Minenindex GDX zum Goldpreis in Relation setzt. Die folgende Abbildung zeigt sehr deutlich die relative Stärke, die sich bei den Minenwerten zuletzt gebildet hat.

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Nach aller Erfahrung ist man an wichtigen Tiefpunkten gut beraten, besonders auf die Minenaktien zu achten und nicht so sehr auf den Goldpreis selbst, weil die Minenwerte dem Edelmetall bei einer Trendwende vorauslaufen – und genau das tun sie jetzt.

Wie sich das Gold aus saisonaler Sicht verhält, das können die beiden folgenden Grafiken verdeutlichen: Sowohl der Gold-ETF mit dem Kürzel GLD (oben) als auch der Goldpreis selbst (darunter) markieren im Zeitraum Juni-Juli in der Regel ihr Jahrestief.

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Mit Blick auf saisonale Verlaufsmuster könnte es sich auch lohnen, jetzt ganz besonders auf den DAX zu achten.

Denn wenn man schon in „normalen“ Jahren während der Sommerpause an der Börse in der Regel nichts verpasst, dann gilt das ganz besonders in einem Zwischenwahljahr des US-amerikanischen Präsidentschaftszyklus. Die folgende Abbildung zeigt, wie sich der DAX statistisch gesehen in einer solchen Periode entwickelt. Achten Sie besonders auf die jetzt anstehende Zeit, die in der Grafik mit einem roten Rechteck markiert wurde.

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Unsere Prognose, dass es ab dem ersten Quartal 2018 an den Börsen ruppig werden würde, hat sich bislang bestätigt. Und das „Beste“ dürfte erst noch kommen…

Mit Blick auf die kommenden Wochen können wir uns daher jetzt ganz entspannt in die Sommerpause verabschieden.

Wenn Sie mögen, dann lesen wir uns an dieser Stelle wieder im August…

© Andreas Hoose – Antizyklischer Börsenbrief

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