Hard Asset- Makro- 19/18: Defla XS - Russen verkaufen EUR und das jetzt?

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von Mag. Christian Vartian

US Inflation kam mit CPI 0,1% vs. Erwartung 0,2% sportlich nur halb so hoch herein. Das bezieht sich auf die Erwartung der Statistiker und fast der gesamten Finanzpresse, nicht auf unsere, denn warum glauben Sie steht da seit 4 Monaten auf jeder HAM- Überschrift "Defla X"? Na weil es deflationiert, welch Wunder auch bei einer FED, die genau das will...

Nachdem dadurch eine perverse Situation geschaffen ist, reagieren Märkte erleichtert, wenn die Inflation schwächer hereinkommt, weil sie weniger Angst vor der deflatorischen Knute der Zentralbank haben, welche ja die "Inflationsbekämpfung" (einer nicht vorhandenen Inflation) als Begründung vorschiebt, um insbesondere Lohnwachstum und Massenwohlstand zu verhindern.

Daher heißt dieser HAM "Defla XS" wie die Kleidergröße also sehr small, inflationiert hat es trotzdem nicht, es hat bloß de-deflationiert in den Märkten, weil die Inflation nicht kommt.

Der größte Treiber für Inflation ist ohnehin der Ölpreis und nicht die Löhne. Es war verschwiegenermassen der Ölpreis, der anstieg insbesondere in der 2. Jahreshälfte 2017

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welchen die US-Zentralbank bekämpft, auch weil er z.B. der Russischen Föderation mehr Einkommen verschafft, wenn er steigt.

Über den persistent niedrigsten Produktivitätssteigerungsgrad in den USA aber nicht nur dort, brauchen wir uns nicht unterhalten, das Gerede von "mangelnden strukturellen Reformen" kennen wir zur Genüge aus der EU und es lag immer an zu geringer Inflation und nicht an anderen, ideologisch vorgeschobenen Faktoren aus der irren Monetaristenküche. Der EUR ist mit zu wenig Inflation unterwegs, für die BRD aber zu schwach, womit diese genug Inflation hatte, um Produktivität voranzutreiben, Punkt und andere eben nicht.

Wenn keine Arbeitskräfte zu bekommen sind und diese noch dazu teuer sind, investiert man in neue Anlagen, sonst nicht, so binär ist es und der Zustand des Arbeitskräftemangels ist eine Folge von Inflation um 4% und das über Jahre und wer die nicht herstellt, wird den Produktivitätszuwachs kaum bekommen.

Es ist wirklich schon bedenklich, wie der nach Menger zweitbeste Ökonom Keynes mit allem, was er richtig herausfand (bzw. von Ceasare Goldman und Hjalmar Schacht auch übernahm und dann wissenschaftlich kodifizierte) von Komplettversagertheorien der Neokonservativen ersetzt wurde, mit fatalen Folgen.

Libertär dynamisch (Menger) und ökonometrisch dynamisch (Keynes) funktionieren wenigstens, auch wenn sie Gegner sind und ersterer an sich zu bevorzugen, aber was da - unter "konservativem Mäntelchen" - an Drittunsinn befolgt wird, ist wirklich schwer erträglich noch viel schlechter als die ärgsten Keynesianischen 1970-iger Jahre.

Auch der Umweltschutz ist ein Opfer viel zu niedriger Inflation und damit zu niedriger Ölpreise, denn ein Ölpreis von 150 $ überzeugt von neuer Technologie ganz alleine, da braucht es dann für Elektroautos keine Förderung mehr, das macht dann der Markt, schnell, effizient und ideologielos. Ein damit einhergehender Goldpreis von 3500$ würde überlastete US-Sanktionsbeamten entlasten im Sinne des Lean Government, die dann nicht mehr rund um den Globus USD- Verwendung verbieten und sanktionieren müssten, das macht dann der Markt von ganz alleine.

Verhinderung geeignet gemäßigter Inflationsraten von 4-6% ist daher - wen wundert es - Verhinderung von Marktwirtschaft und sonst nichts.

Am obigen Ölpreischart sehen Sie aber ein großes, bärisches Gartley, das nicht gleich in der Auswirkung beginnen muß, dies aber bald tun wird.

Dies spricht zumindest nicht für einen sich verschärfenden Konflikt zwischen dem Iran und Israel bzw. Iran und USA, welcher bis zur Sperrung des Iranischen Seeraumes (Hormuz) gehen könnte und es spricht auch nicht für den Entfall der Iranischen Ölexportmenge auf dem Weltmarkt. (Der Iran ist ein sehr sehr bedeutender Förderer, ein nicht kleiner Eigenkonsument (Unterschied z.B. zu Saudi Arabien) und damit "nur" ein bedeuender Exporteur).

Überhaupt ist der nicht UN-sanktionierte Rückzug der USA von der Handelsnormalisierung mit dem Iran eine potenzielle Atombombe, aber nicht militärisch, sondern handelspolitisch.

Erstens kommt dies auf US-Aktionen zu Zöllen voran gegen China oben drauf, zweitens kommt dies zu US-Sanktionen gegen Russische Privatunternehmen oben drauf und drittens ist jetzt ohne Gesichtsverlust Schachmatt für den Welthandel, denn:

1) Der Iran braucht ein Handelstor zur Welt, die EU plus China plus Russland plus Indien reichten völlig, er braucht keinen Handel mit den USA;

2) China wird dem Akt der USA nicht folgen, Russland auch nicht;

3) Die BRD und Frankreich haben beide bekundet, das Abkommen mit dem Iran einhalten zu wollen, das hat nun aber gravierende Folgen:

- Die EU wird liefern, was der Iran braucht und sie hat alles, was der Iran braucht,

- Die EU wird Iranisches Öl und Geld annehmen,

- und damit werden die USA umgangen und dann gegen die EU losschlagen, das geht dann gar nicht anders, Flugzeuge, die Boeing nicht mehr liefern darf, liefert eben Airbus. Das US- Finanzministerium hat Airbus übrigens die Handelslizenz für den Iran bereits entzogen, nur gilt das nicht, weil Airbus kein US-Unternehmen ist, wird Airbus also bestellte Flugzeuge liefern, was es nach Französischem Recht nämlich muß?

- Die USA haben einfach nichts, was man nicht woanders kaufen kann.

Oder knicken Merkel und Macron wie Lachnummern ein?

Diesmal sieht es nicht danach aus. Knickten sie aber nicht gegen die USA ein, dann werden die USA zur Lachnummer, sich selbst um eigenen Export beraubt und voll blamiert. Das ist nun eine nicht mehr änderbare Mechanik.

Und bei tieferem Nachdenken sieht das auch nach dem wahren Ziel der Aktion aus, denn das seit über 40 Jahre nuklearfähige Israel wird sich mit dem ebenfalls seit 40 Jahren schon in der Schah Zeit nuklearfähigen Iran wohl kein Gefecht liefern noch umgekehrt, weil das in beiden Fällen Selbstmord wäre noch dazu zwischen Staaten, die gegeneinander nicht einmal Gebietsstreitigkeiten behaupten. Hier trifft in Technologie Hirn auf Hirn, das gewinnt keiner, der Iran ist nicht auf Irakischem Niveau sondern meilenweit drüber, auch eine Antike Nation, eigentlich nicht anders als Israel vom Technologiepotenzial her.

Womit dann, wenn weder Trump noch Merkel und Macron einen kapitalen Gesichtsverlust hinnähmen, der Handelsstreit EU vs. USA nahezu perfekt verzahnt auf der Schiene stünde, Ausgang ungewiß.

Dass beim EUR im Kurs etwas Seltsames vorgeht, vermuten wir schon länger. Es ist zwar angesichts des nun verstärken Zinsunterschiedes zum USD zu Gunsten des USD an sich ein Sinken normal und es stimmt auch, dass Spekulanten, die EUR long waren, einen heftigen Short- Squeeze erlitten und USD nachkaufen mußten und es ist der Wechselkurs selber ja nicht von der Höhe her aus der Welt, sondern die zuletzt erlebte SINKGESCHWINDIGKEIT

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die alleine mit diesen Faktoren nicht erklärbar ist.

Nun kam es heraus: Die Zentralbank der Russischen Föderation hat USD-Reserven aufgestockt und EUR abgebaut und bei der Größe dieses Marktakteuers finden wir fehlende Erklärungen.

Sie tat dies in der Zeit massiver Neu-Sanktionierung von Russen und Russland durch die USA, was geopolitisch verwundert und auch Ideen des Präsidenten der Russischen Föderation widerspricht.

Ein Abverkauf des USD durch das Verhalten der USA (inkl. der Sanktionierung unilateral auch der USD Verwendung durch diese) findet also faktisch nicht statt, sondern das Gegenteil.

Der EUR hat unsere Wendemarke erreicht und sollte zumindest nicht gleich weiter sinken.

Entsprechend diesem Treiber (EUR), wobei es bei ihm wenn als Treiber auf die Energie (Geschwindigkeit des Sinkens oder Steigens) ankommt und nicht auf das absolute Kursniveau, wurden wir bei Metallen und Aktien natürlich diese Woche schon wieder alle reicher (und es zählt ja in EUR, weil dem EUR die Preise der Welt folgen)

Hier Gold

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Hier Silber

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Hier Palladium

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Der SPX 500 natürlich auch, wiewohl da kein Chart in EUR zur Hand ist. In USD brach er über die Abwärtstrendlinie aus

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entwickelte dafür danach aber wenig Impulskraft, das wird sich kommende Woche klären. Die Cryptos hatten ab Sonntag ein bisher normales Retracement

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welches auch knapp schon oder knapp noch nicht bereits erledigt sein könnte.

Wie die USA, die BRD und Frankreich, mit letzteren die EU aus einer nun schon fast unausweichlichen Handelskonfrontation herauskommen ohne krassen Gesichtsverlust einer Seite wird spannend. Europäische Unternehmen mit Lieferverpflichtungen an den Iran können ab Montag entweder Verträge brechen und damit gegen nationales Recht verstoßen oder eine an sich für sie nicht gültige neue US-Verordnung brechen.

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© Mag. Christian Vartian

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