Heraeus Edelmetall Prognose 2019: Ausblick auf 2019 - Unsichere Zeiten

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Vor dem Hintergrund, dass Marktteilnehmer vorerst keine weiteren Zinsschritte der US-Notenbank Fed erwarten, dreht sich die Stimmung der Anleger kurzfristig zugunsten des Euro. Dennoch sind die Beschäftigungszahlen in den USA weiterhin gut, sodass zumindest eine weitere Zinsanhebung nicht vollständig ausgeschlossen werden kann, wovon der Dollar profitieren würde. Hinzu kommt, dass die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in Europa stärker als in den USA ausgeprägt ist – was den Dollar im Jahresverlauf weiter stützen dürfte, zumal die EZB höchstwahrscheinlich ihren ersten Zinsschritt hinauszögern wird.

Dank der Nachfrage nach einem sicheren Hafen dürften die Edelmetalle in diesem Jahr – einem starken Dollar zum Trotz – profitieren. Sowohl die politische als auch die wirtschaftliche Unsicherheit wächst, und der Aktienmarkt schwankt deutlich mehr, was die Nachfrage nach Gold und Silber stützen wird. Die Performance von Silber könnte hierbei Gold überflügeln: Das Gold-Silber-Ratio ist derzeit sehr hoch, was historisch betrachtet nie von Dauer war.

Für die Preise der Platingruppenmetalle (PGM) erwarten wir mit Ausnahme von Platin einen weiteren Anstieg. Die Möglichkeit von Streiks in Südafrika wächst, was die PGM-Förderung und damit die Preise im weiteren Jahresverlauf beeinflussen könnte. Der Platinmarkt weist erneut einen deutlichen Marktüberschuss auf, und der Preis dürfte, wenn überhaupt, nur marginal zulegen. Palladium verfügt über eine breitere Angebotsbasis als die kleinen PGM. Die Versorgungssituation ist allerdings angespannt und bleibt daher anfällig bei Produktionsunterbrechungen. Da mehr als 70 Prozent der weltweiten Förderung der kleinen PGMs auf südafrikanische Minen entfallen, könnte die Preisentwicklung in diesem Jahr deutlich volatiler ausfallen.

Für den Euro könnte es dieses Jahr gegenüber dem Dollar schwierig werden. Im Jahr 2017 übertraf die wirtschaftliche Entwicklung der Eurozone die Erwartungen deutlich, was den Euro stärkte. Das Gegenteil geschah im darauffolgenden Jahr 2018, als Steuersenkungen und eine lockere Fiskalpolitik das Wirtschaftswachstum der USA beschleunigten und damit den Dollar stärkten. Der Euro startete mit 1,20 $/€ ins Jahr 2018 und konnte im Januar einen Anstieg auf 1,25 $/€ verzeichnen. Bis in den späten April hinein konnte er sich über der Marke von 1,22 $/€ halten, fiel dann jedoch sehr schnell. Im zweiten Quartal 2018 entfaltete der fiskalische Anreiz in den USA seine Wirkung, und das Quartalswachstum des BIP erreichte mit 4,2 Prozent den höchsten Wert seit 2014. Im November erreichte der Euro mit 1,12 $/€ einen Tiefstand, von dem er sich bis zum Jahresende nur geringfügig auf 1,14 $/€ erholte.

Die relative Wirtschaftsleistung wird wieder eine Rolle spielen. Dieses Jahr wird aber das Kräfteverhältnis zwischen Euro und Dollar voraussichtlich dadurch bestimmt, welche Wirtschaftszone den geringeren Rückgang zeigen wird. Abgesehen von den Arbeitsmarktzahlen haben enttäuschende Wirtschaftsdaten in den USA den Futures-Markt dazu veranlasst, die Chancen für weitere Zinserhöhungen der Fed auf Null zu senken. Dies wäre ein „bearisches“ Signal für den Dollar. Die Fed selbst prognostizierte noch im Dezember zwei Zinsanhebungen. Die Eurozone war auch nicht immun gegen eine Verlangsamung des Wachstums. Gegen Ende 2018 kam es zu einer konjunkturellen Abschwächung. Sollte die EZB das Anheben des Leitzinses weiter hinauszögern, könnte dies den Euro schwächen.

Die politischen Verwerfungen wirken sich negativ auf die Wirtschaft aus. Die USA leiden unter der verfahrenen Situation zwischen Kongress und Präsident hinsichtlich des Budgets. Dieser Konflikt führte zu einer teilweisen Stilllegung der US-Regierung und Verwaltung („Shutdown“), die mehr als einen Monat andauerte. Um die betroffenen Behörden wieder zu öffnen und Gehälter auszahlen zu können, wurden – allerdings nur temporär – Mittel freigegeben. Sollte bis zum 15. Februar keine dauerhafte Übereinkunft erzielt werden, könnte es zu einem zweiten Shut-down kommen. Derweil beschäftigt der Brexit weiterhin Europa: Trotz eines verlangsamten Wirtschaftswachstums wurde bisher noch kein Abkommen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich geschlossen. Sollten die Briten die EU ohne einen Austrittsvertrag verlassen, könnten das Wirtschaftswachstum wie auch der Handel noch stärker getroffen werden.

Die Verhandlungen über die Handelsbeziehungen könnten ebenfalls den Wechselkurs beeinflussen. Die USA verfolgen das Ziel einer ausgeglichenen Handelsbilanz mit China. Im Falle eines Scheiterns der Verhandlungen sind aber auch zusätzliche Zölle möglich. Auch mit der EU sind im späteren Jahresverlauf Verhandlungen geplant, bei denen der Import europäischer Fahrzeuge in die USA auf die Agenda kommen dürfte. Ohne ein Abkommen werden sehr wahrscheinlich die Eurozone und der Euro stärkere negative Auswirkungen erfahren als die USA und der Dollar.

Per Saldo profitiert von dieser Situation der Dollar. Der Wechselkurs wird zwischen 1,18 $/€ und 1,05 $/€ erwartet. Wenn schädliche Handelsbarrieren durch die Verhandlungen vermieden werden können und das Wachstum der Eurozone sich stabilisiert, könnte sich der Euro im Jahresverlauf erholen. Die EZB würde dann auf den Pfad der Zinserhöhung zurückkehren, sodass der Euro trotz eines höheren US-Leitzinses gestärkt würde – denn die Fed ist wahrscheinlich näher am Ende ihres Zinsanhebungszyklus.

Weltweit ging das Jahr 2018 mit Turbulenzen an den Aktienmärkten zu Ende. Auch wenn es im neuen Jahr bereits zu einer teilweisen Erholung kam, dürfte Gold von der volatilen Marktlage und dem daraus resultierenden Wunsch der Anleger nach Diversifikation und weniger Volatilität profitieren. Die Zentralbanken der Industrienationen verfolgen seit Jahren eine unkonventionelle Geldpolitik, und die US-Notenbank Fed wies mit ihrem Rückzug aus den bisherigen Maßnahmen den Weg. Seitdem steigen nicht nur die Zinsen, sondern auch das Risiko für unvorhergesehene Probleme. Gold kann hier sowohl als eine Absicherung gegen eine verfehlte Geldpolitik als auch als Schutz gegen Wechselkursschwankungen dienen.

Sowohl die politische als auch die ökonomische Unsicherheit steigen, was die Nachfrage nach einem sicheren Hafen und damit nach Gold ankurbeln könnte. Nicht nur in Europa wird die politische Lage angespannter – der Brexit ist ungeklärt und in Frankreich kommt es weiterhin zu Demonstrationen. In den USA wiederum stellen in Repräsentantenhaus und Senat jeweils unterschiedliche Parteien die Mehrheit, was im Budgetstreit einen teilweisen Regierungsshutdown zur Folge hatte. Das gesamtwirtschaftliche Wachstum verlangsamt sich derweil, und während die USA sich hinsichtlich Handel und Zöllen derzeit auf China konzentrieren, könnte die dort verwendete Herangehensweise auch auf andere Regionen ausgeweitet werden.

Die Goldkäufe der Zentralbanken werden die Gesamtnachfrage nach Gold stützen. Im vergangenen Jahr stockten einige Zentralbanken ihre Goldreserven auf, unter anderem die Zentralbanken Russlands und Chinas. So wurde im Jahr 2018 so viel Gold von Zentralbanken gekauft wie seit 1971 nicht mehr, als der Goldstandard aufgehoben wurde. Da Gold kein Kontrahentenrisiko birgt und es zudem eine nützliche Diversifikation im Portfolio darstellt, ist davon auszugehen, dass die Zentralbanken ihre Goldkäufe in diesem Jahr fortsetzen.

Der Goldpreis wird 2019 durch einen positiven Realzins und eine sich verlangsamende Inflation Gegenwind erfahren. Steigende Renditen insbesondere bei US-Staatsanleihen liefern Anlegern eine ertragsreichere Alternative zu Gold. Die Inflationserwartungen sind zuletzt stark gesunken, da die Inflation eingedämmt ist. Dies verschiebt den Realzins in den positiven Bereich, was für die Entwicklung des Goldpreises ungünstig ist. Allerdings bleiben der Leitzins und die Anleiherenditen in Japan und der Eurozone sehr niedrig.

Aufgrund der eingetrübten Wachstumsprognose und einer „tauben-hafteren“ Fed hat sich die Stimmung gegen weitere Zinsschritte und für einen daraus resultierenden schwächeren Dollar gewandt. Derzeit erwartet der Markt 2019 keine weitere Zinserhöhung seitens der Fed. Selbst wenn die Reaktion des Marktes übertrieben sein mag – sowohl der negative Blick auf die USA als auch der positive Blick auf Europa – ist kurzfristig eine Schwächung des Dollar möglich.

Äußerungen des Fed-Präsidenten legen nahe, dass der derzeitige Leitzins nahe an einem ausgewogenen Niveau sei. Dies deutet darauf hin, dass die Fed in diesem Jahr einen eher vorsichtigen Weg bei der Zinsanhebung verfolgt. Jedoch scheint zumindest ein weiterer Zinsschritt möglich. Die US-Arbeitsmarktzahlen sind positiv, und das Lohnwachstum zieht an. Obwohl die Inflation generell eingedämmt ist, könnte dies die Fed nicht davon abhalten, eine weitere Zinserhöhung vorzunehmen. Die EZB hat ihre Anleihekäufe beendet, aber aufgrund des abflauenden Wirtschaftswachstums in der Eurozone sieht sie hinsichtlich einer Anhebung des Zinses keine Eile. Sollte die Fed im späteren Jahresverlauf den Leitzins weiter anheben, würde das die Entwicklung des Goldpreises ausbremsen.

Im Zuge saisonal bedingt starker Nachfrage wird der Goldpreis kurzfristig Unterstützung erfahren. Weitere Marktturbulenzen und eine konfrontative Politik könnten Gold weiter im Sichtfeld der Anleger halten. Gold wird den Erwartungen zufolge in einer Spanne von $1.225/oz und $1.450/oz gehandelt. Allgemein besteht ein positiver Ausblick. Zweifellos wird es auf dem Weg dorthin jedoch zu Rückschlägen kommen.

Den unsicheren Zeiten geschuldet könnte Silber in diesem Jahr neben Gold von einer Verlagerung der Investorennachfrage in sichere Häfen profitieren. Als das Metall mit dem höheren Beta-Faktor könnte seine Entwicklung die von Gold sogar leicht übertreffen. Die steigende politische und ökonomische Unsicherheit sowie eine hohe Volatilität an den Aktienmärkten könnte Investoren wieder Interesse an Edelmetallen als Wertaufbewahrungsmittel zeigen lassen. Das sollte den Silberpreis unterstützen, der in diesem Jahr voraussichtlich zwischen $14,50/oz und $20,00/oz handeln wird.

Die Ende 2018 aufgetretene Preisstärke hat das charttechnische Bild für Silber etwas aufgehellt und das Gold-Silber-Ratio verringert. An historischen Standards gemessen bleibt es dennoch außerordentlich hoch. Da es typischerweise nicht lange auf einem so hohen Niveau verharrt, könnte Silber in diesem Jahr wieder etwas Boden gegenüber Gold gewinnen. Dafür muss jedoch die Investmentnachfrage anziehen. Im Jahr 2018 war die physische Investmentnachfrage eingetrübt: Die ETF-Bestände fielen um 9 Mio. Unzen (1,7 Prozent) und die Nachfrage nach Münzen und Barren war schwach – insbesondere in den USA brach der Absatz von Münzen um 10 Prozent (-2,4 Mio. Unzen) gegenüber 2017 ein.

Das Gesamtangebot von Silber wird Prognosen zufolge 2019 leicht über dem Vorjahresniveau liegen. Die von Minen geförderte Menge ist 2018 schätzungsweise etwas geringer ausgefallen, sollte jedoch in diesem Jahr wieder anziehen. Das Primärangebot aus reinen Silberminen wird wahrscheinlich stabil bleiben, während durch ein erwartetes Wachstum der Zinkförderung die Menge von Silber als Beiprodukt steigen dürfte. Das Silberangebot aus Schrotten könnte ebenfalls leicht anziehen, wenn der Silberpreis den Erwartungen entsprechend weiter ansteigt.

Die weltweite Silbernachfrage dürfte sich 2019 erholen, nachdem eine schwache Nachfrage nach Barren und Münzen sowie eine gesunkene Nachfrage der chinesischen Photovoltaikindustrie 2018 den Gesamtverbrauch belastet hatten. Auch wenn für mehrere der weltgrößten Volkswirtschaften mit geringerem Wachstum gerechnet wird, ist der Nachfrageausblick für einige der wichtigsten Endanwendungen in diesem Jahr positiver.

Der Silberbedarf für Photovoltaikanwendungen kehrt nach einem Nachfragerückgang 2018 in diesem Jahr wieder auf den Wachstumspfad zurück. China hatte im vergangenen Jahr Subventionen gestrichen und die Einspeisevergütungen reduziert, nachdem das Volumen der Neuinstallationen die Zielvorgabe des aktuellen Fünf-Jahres-Plans überstieg. Dies setzte der Silbernachfrage zu. Trotz anhaltender Bemühungen, den Silberbedarf in Solarmodulen zu reduzieren, ist dank eines zu erwartenden Ausbaus der Solarkapazitäten in vielen Ländern der Ausblick positiver als 2018. Der Silberbedarf für elektrische und elektronische Komponenten sollte ebenfalls steigen, da der in Kabeln und Schaltern verwendete Silberbedarf steigt und deren Nachfrage für eine Reihe von Endanwendungen zunimmt.

Die fundamentalen Indikatoren des Platinmarkts sind schwach. Das verfügbare Angebot wird in diesem Jahr etwas stärker als die Bruttonachfrage wachsen, was zu einem großen Marktüberschuss von mehr als 700.000 Unzen (21,77 t) führen wird. Sowohl das Primär- als auch das Sekundärangebot nimmt den Erwartungen zufolge zu. Während der ohnehin schwachen Schmucknachfrage allerdings ein Rückgang droht und auch die Platinnachfrage für Abgaskatalysatoren zurückgeht, dürfte der Platinbedarf für industrielle Anwendungen zum wichtigsten Treiber für das diesjährige Nachfragewachstums werden.

Die Nachfrage der Automobilindustrie nach Platin geht Schätzungen zufolge in diesem Jahr nur noch leicht zurück. Nach einem starken Rückgang des Marktanteils von Dieselfahrzeugen in Westeuropa im vergangenen Jahr wird nun eine Abschwächung des Rückgangs erwartet. Da der gesamte Automobilabsatz nur um ca. 1 Prozent wachsen dürfte, wird davon ausgegangen, dass der Absatz von Dieselfahrzeugen nur einen weiteren leichten Rückgang verzeichnen wird. Hinzu kommt, dass die Autonachfrage in Japan in diesem Jahr voraussichtlich sinken und die Nachfrage nach Schwerlast-Dieselfahrzeugen aus China sich nach zwei starken Jahren abkühlen wird. Für den Autoabsatz in Indien und anderen Schwellenländern wird hingegen eine Zunahme prognostiziert.

Die weltweite Nachfrage nach Platinschmuck wird im Jahr 2019 bestenfalls stagnieren. Die Nachfrage in China, dem weltgrößten Markt für Platinschmuck, bleibt herausfordernd. Die Vorlieben der Verbraucher verschieben sich eher zu modischerem Markenschmuck, der in der Regel leichter ist als herkömmlicher Schmuck, was insgesamt die Nachfrage nach Platin reduziert. Für die Schmuckindustrie in den USA und Europa unterstützt der niedrigere Platinpreis die Nachfrage. Für diese Regionen wird in diesem Jahr daher ein leichter Zuwachs erwartet. Der indische Markt wird wahrscheinlich von einem niedrigen Niveau ausgehend weiter wachsen.

Die industrielle Platinnachfrage wird aller Voraussicht steigen, was vor allem dem gestiegenen Bedarf der Chemie- und der Ölindustrie geschuldet ist. Der Bedarf in der Glasindustrie und sonstigen industriellen Anwendungen dürfte leicht sinken. Die Raffineriekapazitäten für Erdöl sollten in China, Nordamerika und dem Rest der Welt wachsen und Kapazitätserweiterungen in der chemischen Produktion in China und USA sollten die Nachfrage ebenfalls stützen.

Das weltweite Platinangebot wird 2019 infolge von Minenerweiterungen in den USA und Südafrika schätzungsweise um 1 Prozent ansteigen. Für Südafrika wird eine Zunahme von ca. 1 Prozent prognostiziert, während sie in Nordamerika um 12 Prozent wachsen dürfte. Zum Teil wird diese Zunahme jedoch durch sinkende Fördermengen in Russland kompensiert. Während sich in Russland die Reserven zum Teil erschöpfen, sollte die Produktion in anderen Regionen stabil bleiben. Für das Recycling wird ein mäßiges Wachstum prognostiziert. Die steigenden Volumen aus verbrauchten Abgaskatalysatoren wachsen stärker als die auf Grund des Preisrückgangs sinkenden Recyclingmengen aus Schmuck.

Signifikante Kürzungen der südafrikanischen Fördermengen sind dieses Jahr nicht zu erwarten. Der Zusammenschluss von Sibanye und Lonmin könnte letztlich zu einigen Kürzungen führen. An dem von Impala angekündigten Rationalisierungsprozess zur Reduzierung der besonders kostenintensiven Förderung wird weiter festgehalten. Spürbare Auswirkungen auf die Produktionsmengen sind 2019 daraus noch nicht zu erwarten. Hinzu kommt, dass der niedrige Platinpreis durch die hohen Preise der anderen Platingruppenmetalle ausgeglichen wird – der Ertrag über alle Metalle hinweg ist nun mehr als kostendeckend.

Streiks könnten sich negativ auf die diesjährige PGM-Fördermenge in Südafrika auswirken. Die AMCU Gewerkschaftsmitglieder, die in den Platinminen von Sibanye beschäftigt sind, streikten für einen Tag aus Solidarität mit den Arbeitern der Goldminen von Sibanye. Die Gewerkschaft könnte versuchen, diesen Streik zu erweitern. Zusätzlich stehen in den drei größten Platinminen Anglo American Platinum, Impala und Lonmin Mitte diesen Jahres Lohnverhandlungen an. Nachfragerisiken bestehen in einer Verlangsamung des bereits angeschlagenen Automobilabsatzes in Europa, einem weiteren Einbruch der chinesischen Schmucknachfrage sowie einer Verlangsamung des gesamtwirtschaftlichen Wachstums.

Da das Wachstum des Platinangebots in diesem Jahr das Wachstum der Nachfrage übersteigt, wird der Platinpreis vermutlich niedrig bleiben. Eine positive Entwicklung des Goldpreises könnte allerdings dem Platinpreis zu einem Anstieg verhelfen. In Folge des Überangebots dürften sich Streikunterbrechungen nur moderat auf einen steigenden Platinpreis auswirken. Diesem Szenario zufolge wird für Platin eine Bandbreite von $700/oz bis $950/oz erwartet.

Starke Fundamentaldaten lassen ein erhebliches Marktdefizit erwarten, was den Preis weiter steigen lassen dürfte. Das Palladiumangebot wird in diesem Jahr stärker als die Bruttonachfrage wachsen. Folglich wird das Marktdefizit nicht ganz so groß wie im vergangenen Jahr sein, jedoch noch immer bei mehr als 600.000 Unzen (18,66 t) liegen. Die angespannte Situation hielt über das ganze Jahr 2018 an und setzte sich zu Beginn 2019 weiter fort, was in der Folge zu Beginn diesen Jahres zu neuen Preishöchstständen führte.

Während der vergangenen Jahre kam es zu Abflüssen aus den Palladium-ETF in Höhe von etwa 2,2 Mio. Unzen (68,43 t), die damit halfen, das Defizit teilweise auszugleichen. Weltweit werden derzeit noch 720.000 Unzen (22,4 t) Palladium in ETFs gehalten, die – zumindest theoretisch – auf dem Markt angeboten werden könnten. Auch wenn weitere Bestände außerhalb von ETFs vorhanden sind, auf die man zugreifen könnte, könnte ein Einbruch der ETF-Bestände auf ein noch niedriges Niveau für weiteren Aufwärtsdruck sorgen.

Eine Reihe von weiteren Faktoren könnten in diesem Jahr zu einer deutlichen Zunahme der Preisvolatilität führen. Die Leiheraten für kurzfristige Ausleihungen überschritten die Marke von 30 Prozent, und der Terminmarkt für Barren bleibt in Backwardation. Während primäre Produzenten zumeist Schwamm für industrielle Anwendungen bereitstellen bzw. liefern, produzieren Scheideanstalten vermehrt Barren, um der Knappheit zu begegnen. Derzeit ist nicht absehbar, wie lange die Knappheit noch anhalten wird und wie weit als Folge dessen die Preisrally noch anhalten wird. Der Ausblick könnte sich durch eine Verlangsamung des wirtschaftlichen Wachstums ändern. Der chinesische Automobilabsatz ist 2018 erstmals seit mehr als 20 Jahren zurückgegangen. Risiken von Streiks in den Minen Südafrikas könnten, wenn diese länger anhalten sollten, dem Preis einen weiteren Aufwärtsimpuls verschaffen. Folglich wird erwartet, dass sich der Preis in einer Spanne zwischen $1.130/oz und $1.650/oz bewegen wird.

Der größte Teil der Palladiumnachfrage entfällt auf die Automobilindustrie. Voraussichtlich wird dieser Anteil 2019 noch leicht ansteigen. Während der PKW-Absatz in den USA vermutlich leicht zurückgehen wird, wird für China, Europa und andere Regionen ein Anstieg erwartet. In China wird im Vorfeld einer strengeren Emissionsgesetzgebung, die im nächsten Jahr in Kraft treten wird, ein höherer Palladiumbedarf erwartet.

Die Nachfrage unterliegt in Anbetracht eines verlangsamten Wirtschaftswachstums in Europa, China und den USA in diesem Jahr einigen Abwärtsrisiken. Die Gespräche über die Handelsbeziehungen zwischen den USA und China dauern an, und weiterhin besteht immer noch die Möglichkeit, dass die USA Importzölle auf europäische Fahrzeuge erheben. Die sonstige industrielle Nachfrage verbleibt auf einem Abwärtstrend. Der hohe Preis führt zur Substitution von Palladium bei elektronischen Anwendungen und in der Zahnmedizin.

Die primäre Palladiumproduktion dürfte in diesem Jahr leicht ansteigen, da für Nordamerika, Südafrika und Russland jeweils eine höhere Förderung erwartet wird sowie das Angebot aus Recycling wächst. Der Anteil des Palladiumrecyclings aus Abgaskatalysatoren steigt weiter, da eine zunehmende Anzahl von Fahrzeugen das Ende ihrer Lebensdauer erreicht und der hohe Preis zusätzlich einen Anreiz für das Recycling stiftet.

Streiks in den südafrikanischen Minen sind nicht auszuschließen. Im Verlauf des Jahres stehen Lohnverhandlungen bei den drei größten südafrikanischen Produzenten an. Die Minengewerkschaft AMCU hat in den Sibanye-Platinminen bereits aus Solidarität zu einem eintägigen Streik aufgerufen, um damit die Lohnverhandlungen der im Goldabbau Sibanye-Beschäftigten zu unterstützen.

Die Palladiumförderung ist aus geographischer Sicht breiter diversifiziert, als die für Platin oder die „kleinen“ PGMs, deren Vorkommen stark in Südafrika konzentriert ist. Jedoch könnte in dem angespannten Markt jede Angebotskürzung den Preis weiter in die Höhe treiben.

 

Der Rhodiummarkt wird 2019 angespannt bleiben. Die Marktverhältnisse sind nahezu ausgeglichen. Sowohl Angebot als auch Bruttonachfrage dürften in diesem Jahr leicht ansteigen. 2018 haben Anleger im Zuge von Gewinnmitnahmen ihre Bestände 1.0 in Rhodium-ETFs um mehr als 50 Prozent auf 37.000 Unzen reduziert, was die sichtbaren Bestände weiter hat schrumpfen lassen. Die Leiheraten bleiben auf einem hohen Niveau, was ein 0.8 Indikator für die physische Knappheit ist und festere Preise unterstützt. Es wird geschätzt, dass Rhodium in einer Bandbreite von $2.000/oz bis $3.250/oz gehandelt wird.

Für 2019 wird ein Anstieg der weltweiten Nachfrage in Höhe von 2 Prozent erwartet, da sowohl die Nachfrage der Industrie als auch die für Abgaskatalysatoren weiter steigen wird. Der auf Abgaskatalysatoren entfallende Anteil der Nachfrage beträgt etwa 80 Prozent und repräsentiert den am stärksten steigenden Bereich der Gesamtnachfrage. Die Automobilnachfrage in den Schwellenländern nimmt zu, und der dortige PKW-Absatz wächst. In den Industrienationen hingegen stagniert die Nachfrage. Der Fahrzeugabsatz verzeichnet ein nur schwaches Wachstum, allerdings erhöhten sich die Katalysatorbeladungen, um die NOx-Emissionen zu senken. Die Abhängigkeit der Rhodiumnachfrage vom Automobilsektor stellt allerdings auch ein Risiko dar: Sollte das Wachstum des PKW-Absatzes hinter die Erwartungenzurückfallen, führt das zu Druck auf den Rhodiumpreis.

Die Förderung von Rhodium wird von den Minen Südafrikas do- miniert, die etwa 80 Prozent der primären Produktion liefern. Die weltweite Förderung dürfte Erwartungen zufolge 2019 marginal über dem Vorjahreswert liegen. Die südafrikanische Fördermenge wird leicht ansteigen, diejenige Russlands und Nordamerikas voraussichtlich konstant bleiben. Die sekundäre Rhodiumproduktion aus der Aufarbeitung von Autokatalysatoren dürfte weiter ansteigen. Mehr Fahrzeuge erreichen das Ende des Lebenszyklus und werden verschrottet. Die hoehen Preise für Rhodium und Palladium bieten insbesondere in Nordamerika einen zusätzlichen Anreiz zum Recycling.

Durch die in diesem Jahr anstehenden Lohnverhandlungen in den südafrikanischen Minen bestehen Streikrisiken. Streiks würden die Rhodiumausbringung – verglichen mit Platin oder Palladium – überproportional belasten und die Markknappheit weiter verstärken. Dem Preis würde hierdurch erneutes Aufwärtsmomentum beschert.

In den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres stieg der Preis für Ruthenium stark (von $200/oz auf $250/oz bzw. +25 Prozent), während in der zweiten Jahreshälfte nur noch mäßige Steigerungen verzeichnet wurden. Im September wurde mit $285/oz ein 10-Jahres-Hoch erreicht. Im vierten Quartal blieb der Preis nahezu unverändert und schloss das Jahr mit $280/oz ab.

Hard-Disk-Drive-Festplatten (HDDs) enthalten weiterhin Ruthenium. Verschiedene Technologien ringen um Marktanteile; die neueste Entwicklung des großen Festplattenherstellers Western Digital, die Mikrowellen-unterstützte magnetische Aufzeichnung (MAMR), bedient sich jedoch weiterhin rutheniumhaltiger Bestandteile, wie sie auch in aktuellen Festplatten verbaut werden. Die Freigabe zur Bemusterung erfolgte Ende 2018. Für 2019 wird der Beginn der Serienfertigung erwartet. Es wird erwartet, dass dieser Entwicklungsschritt die Wettbewerbsfähigkeit der HDD gegenüber Solid-State-Laufwerken (SSD), insbesondere im wachsenden Markt für Cloudspeicher, aufrechterhalten wird.

Die Nachfrage nach Ruthenium in Katalysatoren für chemische Anwendungen war 2018 stabil, bedingt vor allem durch die Fertigung von Nylon-Ausgangsstoffen in China. Der Ausbau der Kapazitäten hält an, da eine Reihe von Branchen für eine steigende inländische Nachfrage nach Nylon sorgt.

Positive Nachfragetrends stützen den Preis, der in einer Spanne zwischen $200/oz und $350/oz erwartet wird. Die südafrikanischen Minen produzieren etwa 90 Prozent des globalen Rutheniumangebots – sollte es in diesem Jahr also zu einem Streik kommen, würde das geringere Angebot eine starke Aufwärtsbewegung zur Folge haben.

Der Iridiumpreis konnte von April bis Juni im vergangenen Jahr Iridiumpreis einen steilen Anstieg verzeichnen (von $1.040/oz auf $1.425/oz $/oz bzw. +37 Prozent). Der Jahresschlusskurs lag bei $1.470/oz, nahe dem Allzeithoch von $1.480/oz.

Die Verwendung von Lithiumtantalat-Kristallen in Akustischen-Öberflachenwellen-Filtern (AOW) unterstützt die Nachfrage nach Iridiumtiegeln. AOW finden als Bestandteil einer Reihe von elektronischen Komponenten Verwendung, die wiederum hauptsächlich in Smartphones verbaut werden. Kurzfristig hat sich die Nachfrage nach neuen Tiegeln abgeschwächt, da der Absatz von Lithiumtantalat-Kristallen hinter den Erwartungen zurückblieb, nachdem die Produktionskapazitäten erweitert wurden. Während sich Berichte über ein verlangsamtes Absatzwachstum von Smartphones verbreiteten, befindet sich der Anteil der Kristall-Komponenten auf einem Wachstumspfad: Im Zuge der zunehmenden Verbreitung der anspruchsvolleren 5G-Technologie gewinnt die Nachfrage langfristig an Unterstützung. Die Produzenten der Kristalle optimieren weiterhin zur Kostenreduktion ihren Produktionsprozess. Die Iridiumtiegel werden jedoch weiterhin Bestandteil des Produktionsprozesses bleiben.

Es besteht weiterhin eine starke Nachfrage der chloralkali- und mineralverarbeitenden Industrie nach Elektrodenbeschichtungen aus Iridium und Ruthenium. Die steigenden Preise belasten jedoch die Anwendungen. Iridium-Kugeln für Zündkerzen in Benzinfahrzeugen verleihen den Zündkerzen eine längere Lebensdauer und steigern die Effizienz der Kraftstoffverbrennung, insbesondere der neuesten, abgaseffizienteren Motoren. Die Nachfrage nach benzingetriebenen Neuwagen (vor allem Hybridfahrzeugen) wird voraussichtlich noch für einige weitere Jahre steigen, da der Marktanteil von Dieselfahrzeugen in Westeuropa weiter sinkt und batteriebetriebene Elektrofahrzeuge für viele Käufer unattraktiv bleiben – gute Voraussetzungen für eine fortgesetzte gute Iridiumnachfrage in diesem kleineren Segment.

Iridium ist ein geringerer Bestandteil in Legierungen für Platinschmuck, dessen Nachfrage aber zurückgegangen ist. Die derzeitige Schwäche im Platin-Schmuckmarkt lässt einen weiteren Rückgang für diese Anwendung erwarten.

Die Iridiumproduktion in Südafrika wird in Verbindung mit einer leicht wachsenden Platinförderung 2019 gegenüber dem Vorjahr moderat wachsen. Bei nur geringen Änderungen in der Gesamtnachfrage und einem bereits sehr hohen Preis dürfte Iridium kein allzu hohes Aufwärtspotenzial mehr haben. Allerdings gilt, wie auch bei Rhodium, dass etwa 80 Prozent des globalen Iridium-Angebotes aus Südafrika stammen. Sollte es also zu einem Streik kommen, kann dies für eine Verknappung sorgen und den Preis weiter ansteigen lassen. Wir erwarten, dass Iridium in einer Spanne zwischen $1.150/oz und $1.750/oz handeln wird.

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