James Rickards: Die Geldapokalypse - Der Kollaps unseres internationalen Geldsystems

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Am 10. Oktober 2014 erscheint der New York Times Bestseller von James Rickards "The Death of Money - The Coming Collapse of the International Monetary System" nun auch in der deutschen Übersetzung im FBV. Christian Wind, Freier Journalist und Gastkommentator der Metallwoche hat das neue Werk von James Rickards gelesen und eine Buchrezension dazu verfasst (offener Beitrag)...

Im Mai 2014 führten wir ein Interview auf der Metallwoche mit James Rickards zu seinem neuen Buch. Das Originalinterview mit deutschen Untertiteln (bitte dazu im Video Untertitel aktivieren) kann hier abgerufen werden.

James Rickards: Die Geldapokalypse - Der Kollaps unseres internationalen Geldsystem

Die nun folgende Buchrezension erfolgte durch Christian Wind und wird vorgetragen von Frank Meyer.  Hören oder Lesen - ganz wie Sie möchten.

Noch ein Tipp: Sollte Ihnen dieser Beitrag gefallen, finden gerade historisch Interessierte viele weitere, hochinteressante und spannend geschriebene Beiträge von Christian Wind auf der Metallwoche. Auch diese wurden zusätzlich von Frank Meyer vertont. Zur Übersicht: Hier klicken!

Und nun viel Spaß!

 

James Rickards: The Death of Money. The Coming Collapse of the International Monetary System

Bestseller schreiben wirkt offensichtlich ansteckend. Mit Currency Wars landete James Rickards Ende 2011 einen der größten Erfolge der letzten Jahre auf dem Feld der Finanzmarktliteratur, und zwar weltweit. Knapp zweieinhalb Jahre später erschien nun im April sein zweites Werk, The Death of Money. The Coming Collapse of the International Monetary System. Nach nur einem Monat fand es sich bereits auf den Bestseller-Listen der New York Times und des Wall Street Journals und kletterte bei Amazon auf Platz Eins in der Kategorie „Geld“. Da das Buch, wie bereits der Vorgänger, momentan in zahlreiche Sprachen übersetzt wird, kann man davon ausgehen, dass es gleichermaßen den Diskurs über das Schicksal unserer internationalen Währungsordnung in näherer Zukunft beeinflussen, wenn nicht gar bestimmen wird. Es ist also durchaus sinnvoll, sich mit Rickards monetärer Todesanzeige näher zu beschäftigen.

Warum sind die Bücher von Rickards so erfolgreich? Das Ende von Epochen auszurufen, auf Zeitenwenden hinzuweisen, ist sicherlich nicht erst seit Francis Fukuyama ein erfolgversprechendes Rezept, was die Verkaufszahlen anbetrifft. Das Ableben des Dollars, wenn nicht gar des Fiatgeldes insgesamt, vorauszusagen – mit all den wirtschaftlichen und politischen Eruptionen, die damit verbunden sind – wird die einen in ihren schlimmsten Befürchtungen bestätigen, die meisten aber werden dem Kassandra-Ruf mit anfänglicher Skepsis begegnen. Keiner jedoch wird sich der dramatischen Endzeit-Schilderung entziehen können. Die Bedeutung des Vorgangs wird jedem bewusst und man ist automatisch gefordert, Stellung zu beziehen. Denn vermutlich niemals zuvor in der Geschichte ist das Schicksal von Gesellschaften und Individuen so eng mit dem Schicksal des Währungssystems verknüpft gewesen. Dabei ist Rickards in Hinsicht auf das voraussichtliche Ende des jüngsten Papiergeld-Experiments längst nicht der einsame Rufer in der Wüste. Erinnert sei hier nur an die deutschsprachigen Autoren, von denen viele bereits durch die Metallwoche interviewt wurden. Dass etwas faul im Staate „Papiergeld“ ist und dass wir schleunigst nach Alternativen suchen sollten, ob privat oder gesellschaftlich, ist nicht länger bloße Esoterik. Esoterischer wirkt dagegen schon fast das dogmatische Beharren auf dem Ökonomie-Lehrbuchwissen der Effizienzmarkt-Phantasten und monetaristischen Gelddruck-Autokraten der Fed, Bank of Japan und EZB. Doch letztlich ist, wie Rickards darzulegen versteht, auch dies nur ein ostentatives Beharren für die Öffentlichkeit, während im Hintergrund schon längst die Vorbereitungen für den Tag X laufen. Jeder Leser sollte allerdings immer im Hinterkopf behalten, dass Rickards kein systemfremder Bilderstürmer, sondern ein gut informierter und gut vernetzter Insider mit Wurzeln im Wall-Street-Establishment und der US-Nachrichtendienste ist. Bei aller gebotenen Vorsicht, die Szenarien, die er entwirft, dürften deshalb einiges an realpolitischer und an entscheidender Stelle vorgedachter Substanz beinhalten.

Natürlich hat der publizistische Erfolg von Rickards auch andere Gründe als die Brisanz des Themas. Zum ersten ist das Stichwort „promotion“ zu nennen. Wer regelmäßig von der großen Bühne amerikanischer Fernsehsender spricht, dem ist natürlich einiges an Aufmerksamkeit sicher. Auch seine persönliche Vergangenheit als langjähriger Analyst und Berater an der Wall Street mit so prominenten Auftraggebern wie dem Titanic-Hedgefonds LTCM und dem CIA geben Rickards ein werbewirksames Renommee für einen Autor. Mit diesen Vorteilen im Gepäck tourte Rickards auch in den letzten Wochen und Monaten durch die Welt, um seinem Buch zu einem globalen Kickstart zu verhelfen. Erfolgreiche Promotion und Bekanntheitsgrad des Autors sollten aber nie ein wirkliches Argument für Lektüre sein. Und die Stellung als Wall-Street-Akteur dürfte auch Bedenken hinsichtlich seiner kritischen Distanz aufkommen lassen. Dass Rickards aber vor allem durch seine stringente Argumentation und schonungslosen Schlussfolgerungen das Interesse seiner Leser verdient, kann nur eine inhaltliche Rezension erweisen. Dabei sind grundsätzlich zwei potentielle Lesergruppen zu unterscheiden, diejenigen, die zum ersten Mal mit Rickards Gedanken in Kontakt kommen und diejenigen, denen der ideelle Rahmen durch Currency Wars bereits vertraut ist. Die gute Nachricht für beide Gruppen lautet, weder ist die Kenntnis des Vorgängers für das Verständnis des aktuellen Buches notwendig, noch ist das letztere ein bloßer Aufguss. Dafür sorgt allein schon der Ereignisreichtum der letzten zweieinhalb Jahre, der in Death of Money reflektiert wird.

Bei zwei so kurz nach einander veröffentlichten Büchern bietet sich der Vergleich als Beurteilungsmethode zweifellos an. Death of Money ist nicht nur thematisch und geographisch weiter gefasst, es wartet auch mit einer klareren Gliederung auf. Das Buch ist in drei Teile aufgeteilt, in denen Rickards die Konsequenzen der monetären Agonie in den Bereichen Geopolitik, Märkte und Vermögen untersucht. Über allem steht dabei die Grundthese, dass – wenn nichts unternommen wird – der Niedergang des Dollars zum Kollaps des internationalen Geldsystems führen wird, da der Dollar als internationale Reservewährung, wichtigstes Transaktionsmedium und Werteinheit für die meisten Wertpapiere und Märkte das Fundament des ganzen Regimes ist. Während die Schlussworte in Currency Wars noch von der Möglichkeit sprachen, die Prämisse der Folgerung, den Zusammenbruch des Dollars, aufzuhalten, so nimmt Death of Money diese als unvermeidliche Tatsache hin. Was allein noch zu verhindern wäre, ist allein die Konklusion, d.h. der Domino-Effekt und das Ende der internationalen Währungsordnung. Aber auch dafür laufe die Zeit ab. Rickards vertritt also eine wesentlich pessimistischere Position als noch zwei Jahre zuvor; ganz im Gegensatz zu den offiziellen „Erfolgsmeldungen“ der letzten Zeit. Die Behauptung, dass die Finanzkrise überwunden sei, erzeugt bei Rickards nur ein müdes Lächeln und wird als propagandistische Ablenkung abgetan, um ungestörter hinter den Kulissen agieren zu können.

Der Blick des Autors auf die Geopolitik dürfte eine ambivalente Reaktion bei deutschen Lesern auslösen, genauso ambivalent wie Rickards eigene Sichtweise. Es ist nämlich deutlich zwischen einer US-zentrischen und einer globaleren Einschätzung zu unterscheiden. Zu Rickards Gunsten spricht, dass er die amerikanische Perspektive auch anhand seiner eigenen Biographie explizit als solche kennzeichnet. So schildert er, wie er im Zuge von 9/11 in den Dunstkreis der CIA geriet und für den Geheimdienst ein Programm mitentwickelte, das Insiderhandel im Vorfeld von terroristischen Angriffen aufdecken soll. Es basiert auf der empirischen Erkenntnis, dass unmittelbar vor dem 9.September 2001 ein auffällig intensiver Handel mit Put-Optionen stattfand, die auf den Kursabsturz von amerikanischen Luftfahrtgesellschaften setzten, und zwar ohne dass zuvor negative Nachrichten über den Zustand dieser Carrier bekannt wurden. Ausgehend von dieser Beobachtung kann jede Abweichung von einer statistischen Größe „normalen“ Handelsvolumens ohne entsprechende Veränderung des Informationsstandes im Markt als Hinweis für außergewöhnliche, kriminelle Vorabkenntnisse gewertet werden. Dies gilt natürlich nicht nur für denjenigen, der einen terroristischen Anschlag plant, sondern für jede Form des Insider-Wissens. Letztlich ist aber dieses Konzept, das wie so vieles in den USA aus einem übertriebenen patriotischen Reflex des Selbstschutzes stammt, nichts anderes als die Ausdehnung geheimdienstlicher Überwachung auf das gesamte Marktgeschehen. Eine CIA, die sich auch noch zum obersten Wächter des Marktes erklärt, löst zumindest diesseits des Atlantiks ein mulmiges Gefühl aus. Wie Rickards selbst einräumt, das Programm gibt z.B. auch Warnsignale ab, wenn strategische Rivalen Absatzbewegungen vom Dollar unternehmen. Als Chavez versuchte, Venezuelas Dollarreserven in Gold umzutauschen und das eigene Gold aus London zu repatriieren, leuchteten in Langley die roten Lampen. Vielleicht sind auch deshalb die deutschen Rückführungsbemühungen so lächerlich gering in Ausmaß und Tempo, um nicht ins Fadenkreuz amerikanischer Währungskrieger zu geraten. „Financial war is the future of warfare“, behauptet Rickards. Die Intention seiner Worte in Bezug auf die eigenen Landsleute ist schon so etwas wie ein Kriegsbewusstsein und eine innere Aufrüstung zu schaffen. Die Botschaft lautet, die Schlachtfelder haben sich von Boden, Wasser und Luft auf die internationalen Märkte, insbesondere den Finanzmarkt, verlagert. Die USA müssen dementsprechend ihr Verteidigungskonzept grundlegend verändern und auch Angriffe auf den Dollar als Angriffe auf die nationale Sicherheit begreifen.

Diese Ausweitung des amerikanischen Militarismus und der Big-Brother-Mentalität mag man kritisieren, aber sie ist nichtsdestoweniger ein Fakt, mit dem man umgehen muss. Zum Glück für die Qualität des Buches löst sich Rickards selbst von einer einseitig nationalen Betrachtungsweise. Schon in Currency Wars hat er zwar vor den Gefahren äußerer Währungsangriffe auf die USA gewarnt, doch den eigentlichen Auslöser und Anstifter der jüngsten Währungskriege in den Quantitive Easing-Programmen der Federal Reserve nach der Panik von 2008 identifiziert. Diese Überzeugung setzt sich nun in der Aufrichtigkeit fort, mit der er die Fed und das Treasury Department weiterhin als die eigentlichen Feinde des Dollars bezeichnet. Selbst gegenüber dem großen Gegenspieler China bringt er Verständnis auf. Die Politik Pekings, die über drei Billionen an in Dollar-Werten investierten Reserven zu diversifizieren, dem Dollar den Rücken zu kehren und klammheimlich ausreichende Goldreserven aufzubauen, wertet er als die einzig rationale Entscheidung angesichts der Reflationierungspolitik der US-Notenbank. Denn jede zusätzliche QE-Runde sei auch ein Versuch, den Außenwert des Dollars zu drücken und damit ein Raubzug an den von Chinesen durch Arbeit und Leistung erworbenen Vermögensansprüchen. Rickards warnt ausdrücklich davor, die Geduld Chinas nicht übermäßig zu strapazieren. Wenn man den Paradigmenwechsel akzeptiert, dass moderne Kriege nicht mehr militärisch, sondern finanziell ausgefochten werden, dann ist China im Grunde die überlegende Supermacht, die jederzeit die Lunte ihrer US-Staatsanleihen zünden könnte. Und mit jedem mehr erworbenen Goldbarren wird der Schaden für China und damit auch die Hemmschwelle für eine offene Konfrontation reduziert. Rickards gibt sich keinen Illusionen mehr hin, was die Amerikaner angesichts des chinesischen Drohpotentials geopolitisch überhaupt noch gegen Peking durchsetzen können. Nicht das wir dies nicht schon kennen würden. Nixon nannte einst den beginnenden Rückzug der GIs euphemistisch die „Vietnamisierung“ des Krieges. Vielleicht wird bald von der „Taiwanisierung“ oder „Asianisierung“ gesprochen werden. Taiwan, Senkaku-, Spratly- oder Paracel-Inseln. Der Gewinner in diesen Konflikten steht bereits fest. Der Zerfall des Dollars bedeutet zwangsläufig den Zerfall des Hegemonialstatus und des globalen Engagements der USA. Death of Money bringt diese Entwicklung auf den Punkt und sucht dafür dankenswerterweise keinen ausländischen Sündenbock.

Die Auswirkungen der US-Geldpolitik auf die Märkte sind ebenso verheerend. Dies ist für Rickards auch in einem ideologischen Versagen begründet: in der Abkehr vom Prinzip der unsichtbaren Hand und den freiheitlichen Grundlagen des kapitalistischen Systems. Rickards setzt hier vor allem die Kritik des Interventionismus von Mises fort und wendet sie auf den konkreten Fall der Zentralbanken an, deren Eingriffe stets den nächsten und notwendig noch umfassenderen herausfordern. Die ursprünglich freien Märkte seien so zu bloßen Experimentierfeldern für die Allmachtsphantasien von Zentralbankern verkommen, deren Glaube an Planungs- und Steuerungsfähigkeit von Volkswirtschaften dem eines Marxisten an Kraft und Verblendung in nichts nachsteht. Und die Marktteilnehmer schreien nicht etwa auf, sondern laufen wie die Dackel zu den Pressekonferenzen der Notenbanker und  gründen ihre Prognosen auf Rabulistik und Gedankenlesen. Das schlimmste an diesem Zustand sei, dass er sich in einem circulus vitiosus ständig wiederholt und durch den Rückkopplungseffekt sogar noch permanent verschlechtert, weil durch die Aushebelung der normalen Marktmechanismen und der Preisbildung stets weiter die falschen, marktverzerrten Signale ausgesendet und darauf reagiert wird. Die Fed steckt dabei in ihrem ganz eigenen, hausgemachten Dilemma, spätestens seit 2000 dem großen Deflationsgespenst nachzulaufen. Mittlerweile ist der US-Schuldenstand tatsächlich so enorm angewachsen, dass Inflationierung die einzige Chance für Notenbank und Schatzamt ist. Zinsraten werden deshalb auch in Zukunft auf einem gesamtwirtschaftlich absurd niedrigen Niveau verharren, mit all den Verwerfungen für das Spar- und Risikoverhalten von Haushalten und Banken. Preisstabilität mag das festgeschriebene Ziel in den Statuten der Fed sein, das institutionelle Eigenleben bei nun 37 Jahren inflationärer Geld- und Liquiditätspolitik hat dieses Mandat auf den Kopf gestellt. Wer einen solchen Hüter hat, der darf sich nicht wundern, wenn seine Währung einen einkalkulierten Tod auf Raten durchlebt.

Was den Dollar überhaupt so lange hat überleben lassen, ist nach Auffassung Rickards nicht irgendeine noch vorhandene immanente Stärke, sondern die relative Schwäche aller anderen großen Währungen und Volkswirtschaften. Nichts und niemand ist in der Lage, die Funktion des Dollars kurz- oder mittelfristig zu übernehmen. Nicht einmal China kommt in seinen Augen aufgrund der Überschuldung seines Schattenbankensystems und der Provinzregierungen dafür in Frage. Da der Renmimbi an den Dollar gebunden ist, muss China sogar die US-induzierte Inflation nolens volens importieren, was die Überhitzung der chinesischen Wirtschaft entscheidend gefördert hat. China stehe unmittelbar vor dem Platzen einer Blase. Sichtbar in den immer unsinnigeren Infrastrukturprojekten und der Kapitalflucht der Oberschicht. Einen wirklich interessanten Exkurs bietet der Autor in diesem Zusammenhang über die sog. Wealth Management Products (WMP), in denen die Sparer auch in China angesichts der finanziellen Repression niedriger Zinsen getrieben werden. Es handelt sich dabei um die gleichen vielversprechenden Luftnummern, wie sie im Westen unter dem Namen der verbrieften und strukturierten Wertpapiere unter das Volk gebracht wurden. Von den Banken gesponsert, aber nicht in deren Bilanzen auftauchend, locken sie die Anleger mit traumhaften Renditen. Renditen, die der Markt jedoch längst nicht mehr hergibt, so dass neuaufgelegte WMP für die Auszahlungen der alten herhalten müssen. Eine riesige Pyramide von hochriskanten Zahlungsversprechungen hat sich aufgetürmt. Rickards gibt die gigantische Zahl von 20.000 solcher Investmentvehikel an, die allein im Jahr 2012 Anteile in Wert von zwei Billionen Dollar verkauft haben sollen. Wenn diese Pyramide in sich zusammenbricht, wird nicht nur China, sondern die Weltwirtschaft die Auswirkungen spüren.

Selbst Deutschland, der politische und wirtschaftliche Musterschüler von Rickards, wird in näherer Zukunft die Rolle der USA nicht übernehmen können. Der politische Wille wird zwar reichen, um den Euro überleben zu lassen, nicht aber, um ihn jemals als Alternative zum Dollar aufzubauen. Auch wenn sich die EU-Geldpolitik wesentlich zurückhaltender beim Gelddrucken in den letzten Jahren verhalten habe als die Fed oder Bank of Japan und ein plötzlicher Anstieg der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes nicht automatisch in einer galoppierender Inflation wie beim Dollar münden würde. Doch letztlich sei Deutschland und ganz Europa zu eng mit dem Schicksal der USA und des Dollars verbunden, um ein erfolgreiches Eigenleben führen zu können. Diese Einschätzung Rickards scheinen die jüngsten Daten zur Abnahme des Euro als Reservewährung zu bestätigen. Bemerkenswerterweise sind seine Äußerungen über die politische Führung Deutschlands und des Krisenmanagements in der Euro-Krise durchweg positiv. Sieht man einmal von der reißerischen Kapitelüberschrift „The New German Reich“ ab, so begrüßt er die Übernahme des deutschen Modells in Europas Krisenstaaten im Rahmen des Berliner Konsens. Für ihn kontrastiert es vorteilhaft mit dem amerikanischen Modell. Auf Sparen und Handel statt immer auf mehr Verschuldung und Konsum zu setzen, hat offenkundig die ökonomische Vernunft auf seiner Seite. Rickards gehört zweifellos nicht zu den Amerikanern, die den Deutschen ihre positive Handelsbilanz vorwerfen. Der Berliner Konsens mit seinen Leitsätzen Preisstabilität und seriöse Fiskalpolitik ist für ihn insbesondere das Instrument, um eine tiefe Depression mit langfristig hoher Arbeitslosigkeit zu vermeiden, wie sie in den 1930er Jahren herrschte und wie sie seiner Meinung nach latent heute wieder in den USA herrscht, nur notdürftig kaschiert durch das Öffnen der Geldschleusen und das Fälschen der Statistiken. Das Kriterium Kindlebergers aufgreifend, dass sich große Depressionen von kurzfristigen im Wesen nur durch die allgemeine Systemunsicherheit bei den Wirtschaftssubjekten unterscheiden, bescheinigt er Europa, auf dem richtigen Weg zu sein, weil es einen klaren fiskalen und regulatorischen Rahmen für die Zukunft setzt. Dagegen prophezeit er seinen Landsleuten, sich auf dem genau gleichen Irrweg wie Japan seit dem Ende der 1980er Jahre zu befinden. Europa werde die Depression überwinden, seine industrielle Basis sichern und in der nächsten Dekade als ökonomische Supermacht dastehen. Amerika befände sich hingegen mitten im Tal der Tränen, ohne Hoffnung auf Besserung. Eine Randbemerkung: Bei allem Lob und der europäischen Innenansicht, das offizieller Konsens und politische Umsetzung divergieren können, freut man sich dennoch, dass die Wendung „am deutschen Wesen soll die Welt genesen“ nicht zum rhetorischen Repertoire von Rickards gehört.

Der Autor geht auch auf die Frage ein, was der Untergang des Dollars für den Einzelnen bedeutet und wie er sich zu verhalten hat, um den persönlichen Schaden durch den behördlich herbeigeführten Tod des Geldes so gering wie möglich zu halten. Seine Kernbotschaft ist dabei, dass wir uns derzeit in einer Übergangsperiode mit offenem Ende befinden. Die Gewissheit, mit dem Dollar oder einer anderen Papiergeldwährung unsicheres Schwundgeld zu besitzen, sollte aber jeden dazu veranlassen, von Geld- in Sachwerte umzuschichten. Doch Vorsicht sei geboten. Niemand sollte sich auf die falsche Fährte locken lassen. Wer in Immobilien oder Aktien investiert, investiert in eine Blase, die jederzeit platzen kann. Und wer in Gold einsteigt, sollte sicher gehen, dass es sich nicht um bloßes Papiergold handelt oder der Staat unmittelbaren Zugriff auf physische Bestände hat. Wenn schon Staaten nun ihre Goldreserven aus dem Ausland wieder unter eigene Kontrolle bringen, sollten Private diese Vorsichtsmaßnahme umso mehr beherzigen. Mag der Goldmarkt auch momentan noch von den Gegenspielern und ihren Preismanipulationen bestimmt werden, spätestens zu dem Zeitpunkt, an dem sich die Großen mit Gold genügend versorgt glauben, wird das Gold auf seinen wirklichen, intrinsischen Wert zulaufen. Rickards gibt dafür das Jahr 2015 als Termin aus.

Seine Zustandsbeschreibung des Dollars und des Fiatgeldsystems im Allgemeinen dürften wohl auf breite Zustimmung stoßen. Schwieriger als Deskription ist aber immer der Entwurf möglicher Szenarien, die das heutige monetäre Regime ersetzen werden. Beim spekulativen Element gehen die Meinungen naturgemäß weiter auseinander. Auffällig ist dabei, dass Rickards im Vergleich zu Currency Wars nicht mehr von fünf, sondern von vier Alternativen spricht. Die Chance, den Dollar durch eine Vielzahl von anderen Reservewährungen zu ersetzen, ein multipolares Regime mit einer Arbeitsteilung von Dollar, Euro, Yuan, Yen etc. zu schaffen, ist für ihn bereits vertan. Der kritische Zustand unseres Papiergeldsystems lässt eine solche zeitaufwendige Lösung nicht mehr zu. Wenn aber die Welt nicht im wirtschaftlichen und sozialen Chaos enden will, kommen nur zwei konstruktive Alternativen in Betracht. Eine haben die BRICS mit den Sonderziehungsrechten (SZR) als Dollar-Ersatz auf ihrem Gipfel in Durban 2013 offiziell ins Spiel gebracht. Die rasante Ausweitung ihres Volumens nach der Finanzkrise hat Rickards schon zuvor aufmerksam werden lassen. Die bereits 1973 geschaffene Kunstwährung ist seit 2009 aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht und die Systemlogik verheißt ihr Großes. Aufgrund der Taktik der Notenbanken, allen voran der Fed, die Krisen der Vergangenheit mit jedesmal mehr Papierversprechen wegzufluten, ist das Systemrisiko immer größer geworden. So groß, dass heute die nun überforderten Zentralbanken mit ihren gigantischen Verbindlichkeiten, die sich aus dem Ankauf von Staatsanleihen und der Notenausgabe ergeben haben, nicht mehr in der Lage sind, die nächste Krise zu stemmen und eine weltweite Inflationswelle irgendwie einzudämmen. Nur noch der IWF könnte als eine Art Weltzentralbank und bisher bilanziell relativ unbelastete Institution Zahlungsversprechungen in Papierform, sprich SZR, in ausrechender Menge ausgeben. Dies aber würde das endgültige Ende des Dollars als Weltleitwährung bedeutet. Doch ob dieser Versuch angesichts des globalen Vertrauensverlustes in jedes Papiergeld überhaupt gelingen kann, ist mehr als fraglich. Voraussetzung wäre allein schon die Schaffung eines entsprechend riesigen Anleihemarktes in SZR und eine krisenfreie Verschnaufpause, in welcher der IWF die nötige Zeit hätte, einen geregelten Übergang zur neuen Weltwährung einzuleiten. Und selbst wenn es noch einmal gelingen sollte, eines macht Rickards deutlich: Es wäre nur ein weiteres Aufschieben des Unausweichlichen und zudem das letzte mögliche, denn der IWF sei „the last lender of last resort“. Hinter IWF und SZR gibt es keine Zuflucht für das Fiatgeld mehr.

Für den Königsweg aus dem Schlamassel, der zur Begründung eines dauerhaft stabilen neuen Geldsystems führt, hält Rickards die Wiedereinführung des Goldstandards. Es wird viele überraschen, dass er den Goldstandard bereits partiell in Kraft sieht. Aber jeder, dessen Vertrauen in die Vertragstreue des Staates in Bezug auf dessen Geldversprechen durch übermäßige Notenausgabe erschüttert ist, könne sein Papiergeld ja bereits in Gold umtauschen. Dass sich der Wandel allerdings tatsächlich auf evolutionären Weg durch eine Abwendung einer kritischen Masse von Menschen vom Papier vollziehen wird, war in Currency Wars zumindest noch ein mathematisches Gedankenspiel. Ganz so friedlich und ohne Widerstand von oben, das räumt er jetzt ein, wird es keine Rückkehr zum Gold geben. Im Weiteren bleibt Rickards leider recht vage, wie er sich den Übergang zu einem Goldstandard und auch dessen Ausgestaltung vorstellt. Den unilateralen Sprung ins kalte Wasser einer einzelnen Gold-Großmacht, wie etwa den USA, hält er für nicht praktikabel. Nur ein global koordinierter Vorstoß könnte Aussicht auf Erfolg haben. Wie aber in diesem Szenarium, dem zudem ja eine tumultuarische Endzeit des Dollars vorausgeht, das Problem kollektiven Handels gelöst werden sollte, darauf bleibt Rickards eine Antwort schuldig. Es sei denn, man nähme seinen Hinweis auf eine Weltwährungskonferenz und goldgedeckte SZR schon als hinreichenden Lösungsvorschlag. Wer also auf einen genauen Fahrplan und Handlungsschritte hofft, dürfte von Death of Money enttäuscht werden. Zumindest widerlegt Rickards überzeugend das Vorurteil, ein Goldstandard wäre schon deshalb unmöglich, weil nicht genügend Gold für die Abwicklung des internationalen Handels zur Verfügung stehe. Dass dieser Einwand ins Leere läuft, wenn man nur den Gegenwert des Goldes im dann gedeckten Papiergeld entsprechend festlegt, kann leicht demonstriert werden. Dem entspricht auch die historische Erfahrung mit dem klassischen Goldstandard, in dem trotz global wachsenden Handels und Produktion kein Liquiditätsengpass oder langfristig deflationäre Tendenzen auftraten und im übrigen Gold überhaupt nicht das Haupttransaktionsmedium war.

Im September 2012 fand in Bahrain eine Konferenz internationaler Geldexperten statt, die offen über den Zusammenbruch des Dollars und den Ersatz durch regionale Leitwährungen diskutierten. Wer nicht als Vogel Strauß durch die Welt läuft, kann bereits bemerken, wie sich Länder und Finanzwelt auf die post-Dollar-Welt einrichten. Rickards legt klar offen, dass die wesentlichen Akteure im Hintergrund, allen voran China und die seit 2012 als Nettokäufer auftretenden wichtigsten Zentralbanken, schon längst in den Modus der fieberhaften Goldsuche eingetreten sind, um sich auf die kommende Geldordnung vorzubereiten und dass diese angesichts des restlos aufgebrauchten Vertrauens in jede Form des Fiatgeldes auf Gold als (Teil-) Deckung fußen wird. Natürlich wird alles unternommen, um diesen Prozess der Remonetarisierung des Goldes medial und an den Edelmetallmärkten so lange wie möglich zu verbergen, bis jeder systemwichtiger Spieler mit genügend billigem Metall versorgt ist. Ganz bewusst bedient er sich dabei des Ausdrucks „scramble for gold“, der den Übergang der wichtigsten Industriestaaten zum Goldstandard in den und 1870er Jahren kennzeichnet. Ob der zukünftige Währungsstandard tatsächlich dem klassischen Goldstandard gleichen wird, steht in den Sternen, aber es ist zumindest bezeichnend, dass sich immer mehr Fachleute positiv an die rund vierzig Jahre europäischer Geschichte erinnern, in denen Inflation und Wechselkursschwankungen minimal und daher die weltwirtschaftliche Entwicklung stabil und kontinuierlich waren. Es scheint sich auf jeden Fall um mehr als bloße Nostalgie zu handeln. Als Fazit lässt sich über Death of Money Folgendes mit Sicherheit sagen: Für diejenigen, die nicht auf ihr Recht auf Selbstinformation verzichten, nicht Bücher und damit Wissen zerreißen und stattdessen lieber zur Commerzbank gehen wollen, sei dieses Buch empfohlen. Wer hingegen an die Segnungen des Autodafé und die Omniszienz der Zentralbanken glaubt, sollte schnell zum Streichholz greifen. Häretiker wie James Rickards untergraben sonst weiter die Basis unseres Fiatgeld-Systems, das trügerische Vertrauen in die Scheinchen. Insgesamt bietet Death of Money einen überaus detailreichen Blick auf die internationale Finanz- und Geldwirtschaft, der aber den Leser nicht durch die Fülle der Einzelheiten erstickt, weil Rickards eine objektive Synthese dieser Daten gelingt, die schlüssig das bevorstehende Ende des alten und die Umrisse des neuen internationalen Währungssystems darstellt. Letztlich widerspricht oder zumindest relativiert Rickards dabei seinen eigenen Titel, denn das Geld an sich wird nie sterben, solange es den Menschen gibt. Es verändert nur seine Form.

 

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