Löcher in der Matrix - Auf den Rahmen kommt es an

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Von Ralph Malisch

Kennen Sie „Framing“? Nein?! Sollen Sie ja auch gar nicht. Denn Framing ist das, was hinter den Kulissen passiert. Es ist, wenn man so will, die dunkle Seite der Neurowissenschaft; eine Technik, mit der die Menschen, ähnlich wie beim „Nudging“, in eine bestimmte Richtung gedrängt werden sollen – und zwar möglichst so, dass es die Betroffenen selbst nicht einmal merken. Hinter beiden ach so modern klingenden Anglizismen verbirgt sich nichts anderes als die gute alte Manipulation.

Wer da manipuliert werden soll ist klar. Wir. Wer dafür bezahlt ebenfalls. Wir, zwangsweise. Es geht, Sie haben es bereits erraten, um das von der ARD in Auftrag gegebene sogenannte Framing-Manual unter dem Titel „Unser gemeinsamer freier Rundfunk ARD“. Auffallend häufig wird dort das Adjektiv „frei“ in allen möglichen und unmöglichen Kombinationen missbraucht. Und das muss in dieser Auftragsarbeit wohl auch genauso sein, denn Freiheit dürfte nicht unbedingt die erste Assoziation sein, die die Bürger bei „unserem gemeinsamen freien“ Zwangs-PayTV haben. Angesichts der Plumpheit der Rhetorik hat man nicht den Eindruck, dass die ARD ihre, pardon, Kunden sonderlich ernst nehmen würde. So herablassend kommuniziert man ansonsten eigentlich nur mit den Insassen von Kindertagesstätten: „Kontrollierte Demokratie statt jeder wie er will.“ George Orwell hätte seine helle Freude gehabt.

Nun muss man zur Ehrenrettung der Beteiligten sagen, dass die Sache nie für die zahlende Öffentlichkeit bestimmt war – weder die Inhalte, noch die Information über die dafür angefallenen Kosten im sechsstelligen Bereich. So knapp, wie man uns unablässig weismachen möchte, scheint das Geld beim ohnehin teuersten Staatsfunk der Welt also nicht zu sein. Für marktfeindliche Agitation („Fernsehen ohne Profitzensur“) reicht es jedenfalls allemal.

Kaum ertappt, werden die allfälligen Nebelkerzen gezündet: Das Ganze sei, so die Autorin Dr. Elisabeth Wehling, lediglich eine „Arbeits- und Diskussionsunterlage“. Nun sollte man beim herausgebenden „Berkeley International Framing Institute“, das sich ansonsten recht international gibt, schon um die Bedeutung des Wortes „Manual“ wissen. Das nämlich ist, wie bei der Waschmaschine, keine Diskussionsgrundlage, sondern ein schlichtes Handbuch bzw. eine Bedienungs- oder Gebrauchsanleitung. Eine Bedienungsanleitung für den Umgang mit Fakten? Die mit reichlich Moralin garnierte Handreichung erscheint in diesem Zusammenhang als eine klare Missachtung des mündigen Bürgers, der eben nicht wie Kita-Insassen an die Hand genommen werden muss und bei seiner Grundversorung mit Nachrichten schon gar nicht bewusst manipuliert werden will. Grund genug also für eine sachliche Diskussion, was hier mit den Zwangsgebühren der Menschen betrieben wird. Stattdessen aber wurde Kritik am „Manual“ in bewährter Manier sogleich als „rechts“ eingeordnet, wobei dieses argumentum ad hominem selbst wiederum nichts anderes ist als die ebenso bewährte wie hinterfotzige Art des Framings, mit der die Auseinandersetzung in der Sache auch hier verweigert werden soll.

Als die Broschüre der Öffentlichkeit schließlich doch noch zugänglich gemacht wurde, offenbarte insbesondere der Abschnitt „Beispielhafte linguistische Umsetzungen der moralischen Framings 1-4 in kurzen Sätzen und Slogans“ (ab S. 85) jene unlustige Oberlehrerhaftigkeit, die in den Amtsstuben der ARD offenbar durchaus Gefallen gefunden hat. Einer internationalen Eliteuniversität mochte man einen solch schweren Fall von Framing-Diarrhoe allerdings kaum zutrauen. Tatsächlich haben die Salonkolumnisten dem „Berkeley International Framing Institute“ in einem sehr lesenswerten Beitrag etwas auf den Zahn gefühlt und förderten Erstaunliches zutage: Die Anzahl der Mitarbeiter des „Instituts“ ist ebenso unbekannt wie dessen genauer Standort: „Mit der kalifornischen Universität Berkeley hat Wehlings „Berkeley International Framing Institute“ so viel zu tun, wie die San Francisco Bay mit der Uckermark.“  Das klingt fast so, als habe sich die Dame höchstselbst in einen Rahmen “hineingeframed”, der im Vergleich zur Wirklichkeit ein paar Nummern zu groß ist. Beim damals federführenden MDR ging man übrigens sogar noch diese Woche davon aus, seinerzeit mit einem wissenschaftlichen Institut in Kalifornien zusammengearbeitet zu haben. Dass das „Manual“ zudem Anfang 2017, also rechtzeitig vor der Bundestagswahl im Herbst beauftragt wurde, kann da auch nicht mehr verwundern. Ein bisschen weniger politische Liebedienerei und ein bisschen mehr journalistisches Handwerk würde auch unseren haltungsgeplagten Staatsfunkern gut anstehen.

Nachlesen kann man das Framing-Manual übrigens bei netzpolitik.org. Allerdings sollte man, wie schon beim Programm der ARD, die alte Kaufmannsregel beherzigen und dem schlechten Geld der Zwangsgebühren nicht allzu viel seiner guten Zeit hinterherwerfen.

© Ralph Malisch – Homepage vom Smart Investor

Photo by Markus Spiske 

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