Löcher in der Matrix - Kinder und Bienen gehen immer

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Von Ralph Malisch

Obwohl etliche politische Leitthemen höchst kontrovers sind, findet die sachliche Auseinandersetzung, der Austausch von Argumenten, immer weniger statt. Stattdessen macht sich eine neue „Kultur“ breit, die nach folgendem Muster zu funktionieren scheint: Die Regierung gibt vor, die Bürger setzen fröhlich um. Und wehe dem, der dabei nicht voller Dankbarkeit für die Weisheit der Mächtigen ist. So konnte es auch geschehen, dass der „Zweifler“, vom „Leugner“ wollen wir erst gar nicht reden, im Alltagssprachgebrauch inzwischen negativ besetzt ist... Das ist umso erstaunlicher, als heute jene Generation an den Schalthebeln der Macht sitzt, die erst dadurch groß wurde, dass sie alles und jedes „hinterfragte“ bzw. „ausdiskutierte“. Wobei, so richtig erstaunlich ist das alles nicht, denn diese Generation weiß wie keine zweite, dass man eine bestehende Ordnung auf diese Weise bis auf die Knochen abnagen kann; dies sogar umso leichter, je dürftiger die Argumente sind, auf die sich eine solche Ordnung stützt.

Wo die Argumente aber derart dünn sind, nutzt man die Emotion: Nehmen wir beispielsweise sogenannte Publikumslieblinge, die vor allem einen emotionalen Zugang zu den Menschen haben. Sie werden verehrt, bewundert oder dienen als Projektionsfläche. Selbstverständlich ist es in keiner Weise zu beanstanden, wenn sich solche Leute für eine „gute Sache“ einsetzen, selbst dann nicht, wenn sie für das gewählte Thema nicht wirklich kompetent sind. Wenn aber eine durchaus umstrittene Organisation wie die Vereinten Nationen Leonardo DiCaprio als „UN-Friedensbotschafter“ vor ihren Karren spannt und ihn die Auftaktrede eines UN-Klimagipfels (2014) halten lässt, dann geht es alleine um die Wirkung, die ein solcher Multiplikator beim Publikum erzielt. Wissenschaftliche, gar fachspezifische Veröffentlichungen wird man unter seinem Namen jedenfalls vergeblich suchen.

Noch mehr ans Herz gehen Kinder. Deren Einsatz als „menschliche Schutzschilde“ jedweder Agenda lässt kritische Argumente zuverlässig verstummen. Eine neue Dimension des Zynismus erreichte die massenmediale Instrumentalisierung der Tragödie um den „Flüchtlingsjungen Aylan/Alan“ im Jahr 2015. Unmittelbar danach brachen die Dämme gegen eine Massenmigration nach Europa vollends. Und auch die „Klimaretter“ bedienen sich der Kinder. So wurde beim Weltwirtschaftsforum in Davos einer 16jährigen schwedischen „Aktivistin“ eine Bühne gegeben. Erstaunlich, dass ein „Schulstreik für das Klima“ spontan solche Wellen geschlagen haben soll. Das Ganze roch nicht nur nach einem „Spin“, es stank förmlich danach. Und natürlich fanden die Schulstreiks unter dem Motto „Fridays for Future“ auch hierzulande Nachahmer; ganz so, als ob die Bildung nicht ohnehin bereits im Argen läge und man nicht auch am Wochenende seinen Klimasorgen Ausdruck verleihen könnte. Im Mainstream hob man „Öko-Pippi“ jedenfalls auf den Schild, wobei bild.de sie bereits auf gutem Wege sah, „DIE Klima-Ikone unserer Zeit zu werden“. Der bekannte Anwalt und Publizist Joachim Nikolaus Steinhöfel sah den Auftritt des Mädchens dagegen weit weniger euphorisch:

Die zahlreichen Likes für Steinhöfels Tweet sind zumindest ein Indiz dafür, dass die „Öko-Pippi“-Kampagne ein Schuss in den CO2-freien Ofen war. Erfahrene Spin-Doktoren wissen eben – so viel Zynismus sei auch uns erlaubt –, warum sie vorzugsweise mit toten Kindern „zusammenarbeiten“ (s.o.).

Auch Tiere dürfen übrigens nicht fehlen, wenn es darum geht, das Publikum mit Emotionen einzuseifen. Neben Elefantenbabys gibt es wenige Geschöpfe, die so hohe Sympathiewerte genießen wie Bienen. Selbst, wenn sie nicht ganz so fleißig sind, wie weiland Majas Freund „Willi“, so sind sie doch freundliche Gesellen. Wer also wollte sich dem Schlachtruf „Rettet die Bienen!“ verschließen, mit dem aktuell für das Artenschutz-Volksbegehren in Bayern geworben wird. Dass es dabei nicht um eine spontane Rettungsaktion für unsere summenden Freunde geht, sondern um eine Vielzahl neuer Vorschriften und Auflagen, wird nicht ganz so deutlich kommuniziert. Es steht also zu vermuten, dass nicht alle, die sich gestern in eine lange Schlange vor dem Münchner Rathaus einreihten, um ihre Unterschrift zu leisten, wirklich genau wussten, was da im Windschatten der medial präsenten Bienchen noch so alles mit auf die Tagesordnung gesetzt werden soll. Während die emotionale Werbekampagne sehr wahrnehmbar war, fristete der an Sachargumenten orientierte Diskurs erneut ein Schattendasein.

Zumindest eines kann man also aus allen drei genannten Beispielen mitnehmen: Wenn uns Politik primär über Emotionen verkauft wird, dann sollten wir sehr, wirklich sehr wachsam sein.

© Ralph Malisch – Homepage vom Smart Investor

Photo by Markus Spiske 

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