Markus Blaschzok: Geldpolitik bereitet Kampf gegen Rezession vor

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Trumps neuer Kandidat für das FED-Direktorium, Stephen Moore, empfahl der FED vergangene Woche den Leitzins unverzüglich um 50 Basispunkte zu senken. Sollte er es in das Direktorium schaffen, so hätte seine Stimme für lockere Geldpolitik jedoch kaum Gewicht bei Abstimmungen. Dennoch erholten sich die Aktienmärkte seither weiter, während der Dollar seine Aufwärtsbewegung erst einmal stoppte. Die beiden EZB-Politiker Draghi und Praet wiederholten und bekräftigten letzte Woche ihre langfristige Ausrichtung der Geldpolitik mit neuen Bankkrediten (TLTRO-III) und potenziellen Negativzinsen in der Zukunft. Der Euro war bis zum Ende der Woche wieder bis an die Unterstützung bei 1,12$ gefallen. Der Gemeinschaftswährung droht ein Wertverlust in den kommenden Monaten, weshalb der Euro bis auf die Parität zum US-Dollar fallen könnte. Dies würde einen gigantischen Vermögensverlust für europäische Sparer von 10% bedeuten.

Der Goldpreis litt in der vergangenen Woche unter Abgaben, wobei die Unterstützung bei 1.280$ wieder erneut angelaufen wurde. Auf Sicht der nächsten Wochen dürfte der Preis weiter konsolidieren, bevor dann im Herbst ein erneuter Angriff auf den Widerstand bei 1.350$ starten kann. Sobald dies gelingt, wäre ein langfristiges Kaufsignal perfekt. In Euro könnten Kaufsignale früher entstehen, da der Euro unter der aktuell erneut lockeren Geldpolitik weiter an Kaufkraft verlieren wird. Weltweit nehmen die Risiken für die Volkswirtschaften zu und Investoren fliehen zunehmend in den sicheren Hafen des Goldes, was auch hier zu verstärkten Preisauftrieb bei Gold führen wird.

 

Der Goldpreis korrigiert weiter, nachdem der langfristige Widerstand bei 1.350$ nicht überwunden werden konnte

 

Die chinesische Regierung hatte Anfang März den heimischen Banken befohlen, die Kreditvergabe an private Unternehmen um 30% zum Vorjahr auszuweiten. Das Eigenkapital für diese Kreditvergabe erhalten die Banken, indem die PBoC Anleihen mit unbegrenzter Laufzeit von den Banken kauft. Diese absurde Strategie wird die Konjunktur in China noch etwas aufrecht halten, doch wird sie scheitern, wie in vielen anderen Ländern davor auch. Die chinesische Währung wird bei dieser Geld- und Wirtschaftspolitik natürlich weiter abwerten und der Goldpreis in chinesischen Yuan zwangsläufig ansteigen.

 

Der Goldpreis in chinesischen YUAN erreichte kürzlich ein Mehrjahreshoch

 

Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht Gewitterwolken in der Eurozone aufziehen und Notenbankchef Mario Draghi warnte vor einer anhaltenden Verschlechterung der Nachfrage außerhalb des europäischen Währungsraums. Die Nachfrage innerhalb des Währungsraumes sei aber vermeintlich weiterhin robust. Gleichzeitig versuchte er zu beruhigen und wies darauf hin, dass die EZB-Geldpolitik die Wirtschaft unterstütze, indem sie ihren Zinsausblick anpasse: "Wir sind nicht knapp an Instrumenten, um unser Mandat zu erfüllen." Diese Aussage ist falsch, denn Draghi hat bereits alle Trümpfe ausgespielt und bei Problemen im Kreditsektor bleibt keine andere Wahl mehr, als wieder neues Geld zu drucken, um scheiternde Banken zu rekapitalisieren. Die EZB hatte wegen der jüngsten Konjunktureintrübung die Zinswende abgesagt. Ihre Leitzinsen will sie jetzt noch bis mindestens zum Jahresende nicht antasten, was wir bereits erwartet hatten.

Bauchschmerzen bereitet Investoren erneut die Entwicklung am Anleihemarkt. Dort werfen dreimonatige US-Bonds weiterhin mehr ab als Zehnjährige. Viele Marktteilnehmer sehen darin ein Signal einer nahenden Rezession. Nach Einschätzung von Manager Paul O'Connor vom Vermögensverwalter Janus Henderson sind die Ängste vor dieser sogenannten inversen Zinskurve überzogen. "Ich glaube nicht, dass der Anleihemarkt mehr über die Weltwirtschaft weiß als der Rest", sagt er. Doch auch Donald Trump fürchtet sich und so forderte er von der OPEC via Twitter eine Ausweitung der Ölproduktion. „Die Weltmärkte sind fragil, Ölpreis wird zu hoch.“ Rohöl erreichte mittlerweile in dieser Woche 62$ je Fass, was unsere Preisziel war, nachdem wir Mitte Januar bei 52$ ein Kaufsignal ausgerufen hatten. 

Die Automobilnachfrage nahm bereits deutlich ab, was ebenso ein Anzeichen einer beginnenden Rezession sein könnte. Nach China (-20%) brechen auch die Verkäufe in den USA ein. (Zum Vorquartal: GM -7%, Fiat Chrysler -7,3%, Toyota -3,5%, Nissan -11,6%, Ford -2%, Honda +4%) Immerhin handelt es sich bei dem aktuellen Konjunkturaufschwung um den zweitlängsten Boom in der Geschichte und statistisch wäre eine gesundende Rezession längst überfällig.

Palladium als reines Industriemetall reagiert sehr konjunktursensitiv und brach auf schlechte Wirtschaftsdaten hin vergangene Woche stark ein. Insgesamt verlor Palladium 300$ und der Tagesrückgang von 100$ war der stärkste Tagesverlust seit 19 Jahren. Wir hatten vor einem Bruch des Aufwärtstrends bereits vor zwei Wochen gewarnt und eine stärkere Preiskorrektur in den Raum gestellt, sobald sich aufgrund einer Rezession das bisher herrschende Defizit in ein Überangebot wandeln würde.

 

Palladium erlitt vergangene Woche den größten Tagesverlust seit 19 Jahren

 

Nach Meldungen hat die Industrie damit begonnen das teure Palladium durch das aktuell historisch günstige Platin zu ersetzen. Platin war zur Jahrtausendwende zwar günstiger zu haben, doch berücksichtigt man die Inflation der US-Geldmenge, so ist der Preis heute günstiger als damals. Platin bietet aktuell mehr für weniger Geld und die Nachfrage seitens Investoren als auch der Industrie scheint wieder zuzunehmen und das bisher herrschende Überangebot langsam auszugleichen.


Bei 800$ liegt aktuell eine langfristige Unterstützung im Platin, an der Investoren kaufen

 

Bei 800$ je Feinunze befindet sich eine langfristige Unterstützung im Preis. Hier kaufen Industrie und Investoren vermehrt und es scheint gut möglich, dass von diesem Niveau aus der Preis langsam wieder steigen wird. Dass Platin bessere Chancen als Palladium hat, zeigt auch das Platin/Palladium-Ratio. Bei einer Rezession wird gerade das aktuell historisch teure Palladium stark einbrechen, während das ohnehin günstige Platin womöglich sein aktuell günstiges Preisniveau verteidigen kann. Statistisch legt das Ratio nah langfristig eher in Platin zu investieren. Die Chancen für starke Preisanstiege sind weitaus höher und die Risiken für Verluste statistisch gesehen deutlich geringer, als bei einem Investment in Palladium. Manch einer erwartet bereits einen Angebotsschock im Palladium und einen weiter fallenden Preis. Langfristig orientierte Investoren mit einem Investmenthorizont von bis zu zehn Jahren finden beim Platin aktuell sehr günstige Preise mit hohen Gewinnchancen!

 

Platin zu Palladium ist aktuell historisch günstig

 

TECHNISCHE ANALYSE

Terminmarkt deutet weiter auf fundamentales Überangebot

Positionierung der spekulativen Anleger (Commitment of Traders)

Der Preis stieg zur Vorwoche um 7$ und die Spekulanten gingen mit 5,3 Tsd. Kontrakten long, was eine Schwäche zur Vorwoche zeigt. Zum Vormonat zeigt sich nun auch wieder deutliche Schwäche. Der CoT-Index fiel auf 45 Punkte und ist eher im neutralen bis bärischen Bereich. Langfristig dürfte das physische Überangebot, das wir in den letzten anderthalb Jahren sahen, weiterhin Bestand haben und sich weiterhin Schwäche in den CoT-Daten zeigen. Analysen gehen von einem Überangebot in Höhe von einer halben Millionen Unzen aus. Vergangene Woche reagierten Platin und Palladium sehr schwach auf die schlechten Wirtschaftsdaten, was eine logische Reaktion ist. 

Der Terminmarkt zeigte sich zum 26. März kurzfristig neutral bis bärisch

 
Die einfache Darstellung zeigt, dass sich die Spekulation wieder im roten bärischen Bereich befindet

Weitere CoT-Charts zu insgesamt 37 Futures finden Sie wöchentlich aktualisiert auf http://www.blaschzokresearch.de/research/cot-daten/

 

Platin in USD: Widerstand bei 880$ bereits dreimal getestet

Vergangene Woche reagierten Platin und Palladium sehr schwach auf die schlechten Wirtschaftsdaten, was wir bereits vor Wochen auf diesen Markt zukommen sahen. Platin hielt sich im Vergleich zu Palladium relativ stark. Nach Meldungen soll die Industrie begonnen haben Palladium durch Platin zu substituieren, was die Nachfrage nach Platin sukzessive erhöhen wird und eine Erklärung für diese relative Stärke von Platin liefern würde. Zusätzlich gibt es auf dem aktuell sehr niedrigen Preisniveau zunehmende Investmentnachfrage seitens langfristig agierender Spekulanten.

Wir empfahlen einen Short mit einem Bruch des Aufwärtstrends beim Gold Mitte Februar, wobei wir aufgrund kurzzeitiger Stärke über sechs Wochen hinweg davor warnten zu viel Risiko einzugehen. Das CRV für diesen Short war anfangs nicht gut, doch hat es sich mittlerweile etwas mit der erneuten Schwäche in den Daten verbessert. 

Platin könnte in einer Rezession kurzzeitig noch einmal deutlich unter Druck kommen. Ein Test oder das Unterschreiten der Tiefs des letzten Jahres wäre dabei denkbar. Kurzfristig sehen wir bei Platin aktuell eine weniger gute Tradingchance, da das Chance/Risiko auf beiden Seiten nicht optimal ist.

Langfristig bietet sich Investoren auf Sicht von zehn Jahren eine sehr gute antizyklische Kaufgelegenheit, die hohe Gewinnchancen bei gleichzeitig niedrigem Verlustrisiko aufweist. Wer den perfekten Kaufzeitpunkt erwischen will, sollte warten bis die Rezession eingepreist ist. Sollte aufgrund von industrieller Substitution und somit erhöhter Nachfrage doch frühzeitig Stärke aufkommen, so ergäbe sich oberhalb von 885$ ein prozyklisches Kaufsignal beim Platin, dem man vorsichtig in kleinen Schritten folgen könnte. Dadurch geht man auf Nummer sicher, dass der Preis dem Investor nicht davonläuft. Kurzfristig ist jedoch ein Abrutschen unter das letztjährige Tief noch einmal möglich.

 

Platin läuft seit einem dreiviertel Jahr seitwärts

 

Platin in Euro: Neuer Aufwärtstrend?

In Euro gerechnet zeigt sich sogar ein Aufwärtstrend seit letztem Sommer, was bullisch zu werten ist. Sollte dieser Aufwärtstrend brechen, so könnte ein finaler Sell Off einsetzten. Der langfristige Abwärtstrend wurde gebrochen, was mittelfristig bis langfristig ein erstes bullisches charttechnisches Signal und einen Hinweis auf eine nachhaltige Trendwende liefert. Sobald die Rezession eingepreist wurde, dürfte Platin diese Umkehr vollenden und wir sehen eine neue Hausse mit deutlich steigenden Preisen, die spätestens mit neuen QE-Programmen seitens der Notenbanken im kommenden Jahr beginnen sollte.

 

Der Platinpreis in Euro konnte seit den Tiefs des letzten Jahres deutlich ansteigen

© Markus Blaschzok

Dipl. Betriebswirt (FH), CFTe
Chefanalyst GoldSilberShop.de / VSP AG
BlaschzokResearch
GoldSilberShop.de

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