Meinungsverschiedenheiten in der EZB treten offen zu Tage

Tags: Folker Hellmeyer Christian Buntrock Forex-report 11.04.2018 Solvecon Invest GmbH

Forex-Report

EZB distanziert sich von Nowotny Aussagen zur Zinspolitik. Das österreichische Mitglied des EZB-Rats hatte sich in einem Interview Reuters gegenüber für eine Erhöhung des Einlagensatzes vor einer Erhöhung der Leitzinsen ausgesprochen. Als ersten Schritt habe er keine Probleme mit einer Erhöhung von -0,4 % auf -0,2 %. In einer schriftlichen Stellungnahme beschrieb ein EZB Sprecher die Gedanken Nowotnys als seine „eigenen“. „Sie“ beschreiben nicht die Sichtweise des EZB-Rates.

Auch wenn der EZB-Rat seine Entscheidungen fast immer einstimmig trifft, ist diese Einstimmigkeit mehr der Außenwirkung, denn der Einigkeit im EZB-Rat geschuldet. Am Montag war aus dem EZB Direktorium, das die Sitzungen des EZB- Rates vorbereitet, zu hören, dass die Rücknahme des Liquiditätsstimulus vorsichtig erfolgen sollte. Dass die EZB den Stimulus zurücknehmen wird steht fest. Auf Grund der Machtverhältnisse steht ebenso fest, dass hierbei lieber zu vorsichtig als zu forsch vorgegangen wird. Vor dem Hintergrund der politischen Großwetterlage sich jetzt schon auf einen Weg festzulegen, würde die EZB in ihrer Handlungsgewalt einschränken, wenn Risiken schlagend werden. Der Markt wird erst recht nervös, wenn die EZB einen vorgeplanten Weg verlassen muss. Insofern ist das öffentliche Zurückpfeifen Nowotnys verständlich.

Die Abwertung des russischen Rubels um über 11 % in dieser Woche (Stand Mittwoch 09:00) scheint sich fortzusetzen. Doch mit welchen Auswirkungen ist für die russische Wirtschaft durch die Sanktionen insgesamt zu rechnen? Gemäß Berechnungen von Bloomberg würden die Sanktionen, die sich gegen den weltweit zweitgrößten Aluminiumproduzenten Rusal richten, im schlimmsten Fall 0,3 % des russischen BIP kosten. Damit wäre das größte Einzelteil der Sanktionen berücksichtigt. Bei einer angenommenen BIP-Wachstumsrate von 1,8 - 2 % sind Auswirkungen vorhanden, aber nicht bedrohlich für die russische Wirtschaft.

Unangenehmer könnte die erhöhte Unsicherheit sein, die mit der Abwertung des Rubels und einem potentiellen Konflikt zwischen den USA und Russland in Syrien einhergeht. Das Ausbleiben und Verschieben von Direktinvestitionen führt die russische Wirtschaft auf einen niedrigeren Wachstumspfad.

Die russische Zentralbank hat es in den letzten Jahren geschafft, die Inflationsrate signifikant zu senken. Bedingt durch den Krimkonflikt und der einhergehenden Währungsabwertung des Rubels lag diese in 2015 bei 15,5 %, in 2017 erreichte sie einen Wert von 3,7 %. Dementsprechend konnte die Zentralbank auch die Leitzinsen von über 15 % auf 7,25 % senken. Sollte die Währungsabwertung anhalten, ist wieder mit einem Anstieg der Inflation zu rechnen. Bisher prognostizieren wir, dass die russische Zentralbank die Leitzinsen in 2018 weiter senken wird. Diese Prognose besteht weiter, muss aber ggf. angepasst werden. Die folgende Grafik zeigt Ihnen den Verlauf der Inflationsrate und des

Leitzinses der russischen Zentralbank.

Aktuell ergibt sich ein Szenario, das eine neutrale Haltung in der Währungsrelation EUR/USD favorisiert. Erst ein Ausbruch aus der Bandbreite 1,2230   1.2560 eröffnet neue Opportunitäten.


© Christian Buntrock

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