Sand im Getriebe - Vom Brexit, Nordkorea bis zum US-Handel

Tags: Handel Importzölle Brexit Grossbritannien Analyse Meinung Politik Wirtschaft US-Dollar Euro USA Nordkorea Solvecon GmbH Forex-Report 25.05.2018 Folker Hellmeyer

von Folker Hellmeyer

Das Ziel Sinn stiftender Politik ist laut Textbuch, das Leben der Menschen zu verbessern und friedfertig miteinander umzugehen. Dieses Postulat ist bezüglich so vieler Partikularinteressen innerhalb der internationalen Gesellschaft ein hehres, aber nicht einfach zu erreichendes Ziel. Es muss hinsichtlich der aktuellen Situation im politischen Umfeld diagnostiziert werden, dass große Teile des global agierenden politischen Umfelds dieser Forderung nicht angemessen nachkommen.

Die daraus resultierende politische Unsicherheit kreiert Folgen für die Gemütslage in der Wirtschaft und an den Märkten. Das werden wir heute aller Voraussicht nach auch in der weiteren Entwicklung des IFO-Index erleben dürfen.

Die USA stehen bei dem Thema, von wem diese politischen Unsicherheiten ausgehen, weit vorne.

US-Präsident Trump hat das für den 12. Juni in Singapur anberaumte Gipfeltreffen mit Kim abgesagt. Das laute Tönen des US-Präsidenten im Vorwege des Gipfels, die Tatsache, dass er seine Nordkorea-Politik als Sieg über Nordkorea faktisch darstellte, war höflich ausgesprochen undiplomatisch. Das darauf folgende Verhalten Nordkoreas kann man als eine Reaktion, nicht Aktion interpretieren.

Nordkorea ist aber weiter bereit, den Gesprächsfaden wieder aufzunehmen. Das erfreut. Südkorea ist bemüht, Bedingungen für die Wiederaufnahme von Gesprächen zu schaffen. Das macht Mut.

Fazit: am Ende kommen die Beteiligten nicht um Gespräche herum. Das weiß man auch in Washington. Aktuell fährt man eine Umleitung zum anstehenden Gipfel.

Werfen wir den Blick in Richtung London.

Nach einer drei Tage weilenden Gesprächsrunde kam es zu keinen wesentlichen Fortschritten bezüglich des Brexit. Ich mag durchaus Gelassenheit. Der Termindruck, den sich London selbst auferlegt hat, ist jedoch nicht weg zu diskutieren.

Die Briten bemühen sich, Zugang zu vielen EU-Programmen zu erhalten. Das ist absolut verständlich. Es mag auch richtig sein, dass die EU diesbezüglich konziliant ist. Dann gilt es aber auch für London, die damit einhergehenden Spielregeln (Aufsicht durch EU-Gerichte) zu akzeptieren. Genau an dieser Stelle hakt es. Damit mutiert das britische Verhalten zu ausgeprägter Rosinenpickerei. Das ist nicht in zartesten Ansätzen zu tolerieren. Um es auf den Punkt zu bringen:

Sollte die EU hier nachgeben, käme das einer Diskriminierung der übrigen EU-Länder gleich. Auch bleibt die Irland Frage offen.

Fakt ist, dass London die eigenen Hausaufgaben nicht professionell erledigt. Vor diesem Hintergrund nimmt die Wahrscheinlichkeit eines recht unkontrollierten Brexits zu, Meghan und Harry hin oder her (professionelles Management/Marketing klappt doch...).

Damit wenden wir uns den Handelsthemen zu, die uns aus den USA aufoktroyiert werden.

Der Präsident des DIHK Eric Schweitzer bezeichnete die angedrohten US-Importzölle (Autos) hinsichtlich der Begründung mit der nationalen Sicherheit als "fast schon eine Provokation". Diese Begründung sei konstruiert. Dem stimmen wir voll zu. Die Beliebigkeit im Umgang mit dem Begriff der nationalen Sicherheit ist ein Signal aus den USA. Man will Disruption. Man will die Auseinandersetzung mit Europa. 

Hinsichtlich der Tatsache, dass in Kontinentaleuropa Reformpolitik mit erkennbaren Erfolgen (öffentliche Haushalte, Nord-Süd Divergenz bereinigt, Wachstum auf Basis von Einkommen) umgesetzt wurde, dass die Eurozone ökonomisches Powerhouse (Hidden Champions) ist, mag man in den USA bezüglich der eigenen Machtansprüche Kontinentaleuropa als Herausforderung erkannt haben. Machen Sie sich Ihre eigenen Gedanken. 

Fazit: Der Sand im politischen Getriebe nimmt zu, nicht ab. Kontroversen, Eskalation und Unterordnungen werden von einigen gesucht. Vor diesem Hintergrund nehmen die Risiken für die Konjunkturlagen nicht ab!

Werfen wir einen Blick auf die gestern veröffentlichten Wirtschaftsdaten:

Laut der FHFA legten die Hauspreise in den USA im Monatsvergleich um 0,1% nach zuvor 0,8% (revidiert von 0,6%) zu. Im Jahresvergleich stellte sich eine Zunahme um 6,7%nach zuvor 7,2%ein.

Der hohe Anstieg der Wohnimmobilienpreise bei gleichzeitig steigenden Zinsen und nur moderat steigenden Einkommen (Persönliche Einkommen zuletzt +3,6% nominal) wird in absehbarer Zeit ein Dilemma kreieren (Affordability Gap). Es ist nicht die Frage des "ob" sondern des "wann".

Die US-Steuerreform hilft den US-Haushalten aktuell den "Cash-Flow" zu optimieren. Am Ende ist der Verschuldungspool damit aber von den privaten Haushalten an den Staat weitergereicht worden. Sieht so eine Lösung aus? Denn wer ist eigentlich der Staat? Findet sich hier nicht auch die Summe der privaten Haushalte wieder?

Der Absatz zuvor genutzter Wohnimmobilien sank per April in der auf das Jahr hochgerechneten Fassung insignifikant von 5,60 auf 5,46 Millionen Objekte. Die Prognose war bei 5,57 Millionen Immobilien angesiedelt.

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Aktuell ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem Euro favorisiert. Erst ein Überwinden des Widerstandsniveaus bei 1.1850 - 80 neutralisiert den positiven Bias des USD.

Viel Erfolg!

© Folker Hellmeyer 
Chefanalyst der Solvecon Invest GmbH

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