Scheingefecht Fixing-Manipulation

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von Markus Blaschzok

Kläger hatten im vergangenen Jahr der Deutschen Bank vorgeworfen zusammen mit der Bank of Nova Scotia, Barclays, UBS, HSBC und der Societe Generale die Preise für das Londoner Gold- und Silber Fixing manipuliert zu haben. Über Jahrzehnte wurden die täglichen Referenzpreise für diese beiden Edelmetalle von den genannten Banken in Telefonkonferenzen festgelegt. Da dieses Verfahren illegale Absprachen geradezu herausfordert hatte, war eine gewisse Vorteilnahme dieser Banken eine nur allzu logische Konsequenz und ein offenes Geheimnis. 

Der Ersatz des Parketthandels durch den elektronischen Handel machte das geheime Fixing zu einem überflüssigen Relikt, für dessen Fortbestehen keine logisch nachvollziehbaren Gründe mehr existierten. Konkurrenz aus Asien sowie die Vorwürfe der Manipulation von großen Händlern sorgten letztlich dafür, dass das alte intransparente Verfahren durch ein elektronisches System ersetzt wurde.

Nun hat die Deutsche Bank in dem Prozess um die Gold- und Silberpreis-Manipulation in New York einen Vergleich mit den Klägern ausgehandelt. Dabei gab das Institut offen zu über Jahre hinweg die Edelmetallpreise im Fixing zum eigenen Vorteil manipuliert zu haben. Kurioserweise richtete sich die Deutsche Bank gegen ihre ehemaligen Komplizen und liefert im Rahmen des Vergleichs Kommunikationsmitschnitte, womit die Klagen gegen die anderen Banken substantiell unterstützten werden. Die Bank of Nova Scotia, Societe Generale und UBS lehnten am Donnerstag Stellungnahmen ab. Weitere Klagen sind vor einem Bundesgericht in Manhattan anhängig, die den Banken die Manipulation von Preisen in den Finanz- und Rohstoffmärkten vorwerfen.

 

Manipulation des LBMA-Fixing nur ein Scheingefecht

All dies hat jedoch nichts mit der langfristigen Preisdrückung der Edelmetalle zu tun, die von vielen Goldenthusiasten beklagt wird. Bei der nun offiziell belegten Manipulationen des Londoner Preisfixing haben sich die Banken lediglich selbst die besten Preise gestellt und so ihren Gewinn auf Kosten anderer Händler maximiert. Eine nachhaltige Drückung der Edelmetallpreise war so jedoch nicht möglich.

Die wahre Manipulation von Gold und Silber fand zwar auch über den physischen Markt in London statt, doch floss dabei das Gold direkt aus den Tresoren der westlichen Notenbanken auf die Märkte, wofür primär die Zentralbanken die Verantwortung tragen. Aber auch staatliche Einrichtungen wie der "Exchange Stabilization Fund" (ESF) haben von der US-Regierung den expliziten Auftrag am Goldmarkt zu intervenieren. Die Manipulation des Goldpreises konnten wir vor einigen Jahren bereits statistisch belegen und bis in das Jahr 1977 zurückverfolgen.

Der zweite Teil der Manipulation erfolgt über den Terminmarkt der COMEX in den USA. Da diese Eingriffe in der Regel nur in steigende Preise erfolgen und nicht etwa wie landläufig angenommen in fallende Preise, konnte die US-Terminmarktaufsicht (CFTC) hier auch nie einen kausalen Zusammenhang zwischen fallenden Preisen und Verkäufen durch Banken wie JP Morgan herstellen, da diese in Preisrückgängen immer zu den Käufern zählten.

Somit müssen wir zumindest die US-Terminmarktaufsicht von einer Konspiration freisprechen, da die oftmals falschen Annahmen und Anschuldigungen über die Vorgänge der Manipulationen und Drückungen in fallende Preise hinein so auch nicht existieren. Ebenso die deutsche Finanzaufsicht BaFin hatte die Goldpreise auf mögliche Eingriffe hin erfolglos überprüft, wie der zuständige Bankenaufseher Raimund Röseler zu Jahresbeginn dem "Handelsblatt" mitteilte. "Wir haben keine Anzeichen für Manipulationen gefunden."

Uns gelang es jedoch vor einigen Jahren ebenfalls die Manipulation an den Terminmärkten statistisch nachzuweisen. Kurioserweise liefern die komplexen Daten der US-Terminmarktaufsicht CFTC zu den sogenannten "Commitment of Traders" selbst den Beweis für die immer wieder stattfindenden Manipulationen und man muss nur wissen was und wo man suchen muss, um es zu finden. Leider sind die Daten sehr umfangreich und schwer zu verstehen, weshalb nur sehr wenige Experten die Wirkungsweise und Zusammenhänge vollends erfassen und so immer wieder unrichtige Annahmen getroffen werden, die dann auch leicht widerlegt werden können. 

Wir verwenden diese Manipulationsdaten sogar für den Handel und werden immer dann, wenn gerade die Preise stark ausgebremst werden, hellhörig und richten uns auf einen Preisrückgang ein, den wir sehr oft mit guten Gewinnen ausnutzen konnten.

Die Manipulation an den Edelmetallmärkten hat mit dem Ende des geheimen Goldfixings also noch nicht ihr Ende gefunden und wird sicherlich auf höherem Preisniveaus unvermindert fortgesetzt werden. Auch wenn man Anstiege, wie die des ersten Quartals, nun zulassen wird, bleibt der Preis gemanagt und für den Fall, dass dies irgendwann nicht mehr so sein wird, sollte man unbedingt physisches Gold und Silber besitzen, denn die dann dramatischen Preisanstiege werden auch Implikationen auf andere Märkten haben, die eine Papierposition womöglich zu einer nicht mehr einbringbaren Forderung verkommen lassen wird. 

Gold und Silber, und somit Geld, besitzt man nur wirklich, wenn man jederzeit den alleinigen physischen Zugriff darauf hat!

Aktienmarkt vor der Entscheidung

Der amerikanische Aktienmarkt S&P 500 kämpft seit Tagen mit der Abwärtstrendlinie bei 2.075 Punkten, wo dieser aktuell auch notiert. Viele Marktteilnehmer gehen davon aus, dass der Markt hier wieder nach unten drehen und einen neuen Abverkauf in einem Bärenmarkt starten wird, was Sentimentdaten belegen. Immer dann, wenn die vorherrschende Meinung extrem einseitig ist, kommt es jedoch anders und womöglich auch diesmal.

Ein Anstieg über den Abwärtstrend würde ein Kaufsignal mit einem gewaltigen Short-Squeeze auslösen, der einen deutlichen Anstieg zur Folge hätte. Sollte der Aktienmarkt jedoch fallen, wie viele Marktteilnehmer glauben, so würden weitere Fondsmanager die Flucht ins Gold antreten, was weitere physische Nachfrage auslösen und den Preis für Gold nachhaltig ansteigen lassen könnte.

Auf der anderen Seite bleibt in den USA die Kerninflationsrate nahe dem Zielbereich stabil, sowie die Löhne, der Arbeitsmarkt und die weltweiten Wirtschaftsaussichten scheinen sich zu verbessern, was eine weitere Zinsanhebung ermöglichen würde. Wie auch immer - eine Entscheidung am Aktienmarkt wird Impulse für die Edelmetalle nach sich ziehen, weshalb auch die Goldbugs aktuelle ein Auge auf dem Aktienmarkt haben sollten.

 

Technische Analyse zu Platin

Die wöchentlich von der US-Börsenaufsicht "CFTC" veröffentlichten Terminmarktdaten für Platin zeigten in der vergangenen zwei Wochen eine relative Stärke, die auf eine gestiegene physische Nachfrage hindeutet. Mit einem CoT-Index von 62 Punkten sind die Daten auf Sicht von drei Jahren noch neutral, womit ein Sprung über den Widerstand bei 1.000 $ je Feinunze gut möglich und nicht ausgeschlossen wäre. Im Zuge der Intermarketanalyse und auf kurzfristige Sicht von unter zwei Jahren dürfte der Index jedoch im Bereich von 25 Punkten liegen, was das Potenzial kurzfristig einschränken würde.

Positionierung der spekulativen Anleger (Commitment of Traders)

Der Preisanstieg im Platin wurde durch Spekulanten getrieben, doch nun kommt physische Nachfrage auf und es ist relative Stärke zu sehen.

 

Platin in US-Dollar

Von seinem Tief bei 820$ zum Jahresbeginn konnte sich der Platinpreis um 180 $ auf 1.000$ je Feinunze erholen. Der Preis hat sich eingekeilt zwischen der 200-Tagelinie, die überwunden werden konnte, und dem Widerstand bei 1.000 $. Wird eine der beiden Marken überschritten, so folgt höchstwahrscheinlich ein Impuls von noch einmal 60 $ in die eine oder andere Richtung. Bei einem Überschreiten der 1.000 $ Marke läge der nächste Widerstand sogar bei 1.100 $, der schnell angelaufen werden könnte. Der Abwärtstrend ist definitiv beendet und lediglich ein Pull Back wäre noch vorstellbar, bevor der Aufwärtstrend mit neuen Hochs weiterlaufen könnte.

Platin in US-Dollar konsolidiert aktuell über der 200-Tagelinie

 

Platin in Euro

Auf Eurobasis bildet der Platinpreis gerade eine Art Schulter-Kopf-Schulter Formation aus, die ein charttechnisches Umkehrmuster darstellt. Da Preise in Euro gut durch die billige Geldpolitik in Euroland untermauert sind, wäre ein Anstieg über die sogenannte Nackenlinie bei 920 € je Feinunze zumindest möglich. Dies würde ein charttechnisches Anstiegspotenzial bis 1.060 € je Feinunze freigeben, wo auch ein weiterer Widerstand verläuft. Man sollte die Widerstände bei 920 € in Euro und 1.000 € in US-Dollar jetzt gut beobachten, denn ein Sprung darüber wäre kurzfristig sehr bullisch. Auf der anderen Seite darf man die Intermarketanalyse nicht vergessen, die für die Ausbildung eines doppelten Bodens spricht.

Platin in Euro bildet aktuell eine Umkehrformation aus - ein Anstieg über 920 € würde ein starkes Kaufsignal auslösen.

 

 

Platin / Silber Ratio

Langfristig hat der Platinpreis das nominale Tief des Jahres 2008 getestet und real deutlich unterschritten. Auch die aktuellen Preise bieten langfristig extrem gute Chancen, da wir überzeugt sind, dass die alten Hochs zwischen 1.900 $ und 2.000 $ wieder erreicht werden in den nächsten Monaten und Jahren.

Ein Anstiegspotenzial von 100% bei einem sehr guten Chance/Risiko-Verhältnis ist somit eine Kaufchance nach jedem Rücksetzer. Silber ist bekanntlich unterbewertet zu Gold und das Platin ist noch einmal darüber hinaus unterbewertet zu Silber, was das langfristige Potenzial noch einmal hervorhebt. Platin hat das Potenzial sich besser als der Gold- und Silberpreis zu entwickeln, weshalb eine Beimischung von 5% bis 10% zu einem guten Edelmetalldepot sinnvoll ist.

© Markus Blaschzok
Dipl. Betriebswirt (FH), CFTe
Chefanalyst GoldSilberShop.de / VSP AG
BlaschzokResearch
GoldSilberShop.de

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