SIW 29/2019: "Es ist die Deutsche" - EU-Päpstin von Straßburg bestätigt

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Feuerwerk an Versprechen

Ein bisschen erinnert die Wahl der EU-Kommissionschefin an die Papstwahl. Auf den Hinterzimmercharakter des Brüsseler Demokratiemodells hatten wir ja bereits in unserer Ausgabe 27/2019  hingewiesen. Dennoch mühten sich die großen Medien gestern redlich ab, das Ganze als eine Art Wahlkrimi und Sternstunde des EU-Parlamentarismus darzustellen. Eine „flammende“ Rede habe die Kandidatin gehalten, und für die gab es – wenn auch nicht von allen – stehende Ovationen... Kunststück, denn Frau von der Leyen (vdL) warb mit dem, was das Handelsblatt ein „Feuerwerk an Versprechen“ nannte. Politiker und Versprechen?! Da gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder werden diese gebrochen, oder aber es wird teuer. Spannende Redeschlachten, jede Menge Geschenke – und eine frisch „gewählte“ neue Chefin, das ist doch der Stoff, aus dem die Demokratie gemacht wird?! Nun ja, nicht alles ist das, wonach es an den Bildschirmen aussieht. Denn die EU-Bewohner kamen zu ihrer neuen Chefin wie die sprichwörtliche Jungfrau zum Kinde.

Ohne das „Go!“ der Regierungschefs wäre von der Leyen nämlich nicht einmal Kandidatin geworden. Auf den Wähler, der noch im Mai treu zur Urne trottete, kam es dagegen bei dieser Personalie erkennbar nicht mehr an. Die Sache ist für den gemeinen Wähler aber auch wirklich viel zu kompliziert. Denn es geht bei der Besetzung der EU-Spitzenämter nur am Rande um Programme und Personen, um Persönlichkeiten schon gar nicht, sondern alleine um einen fein austarierten Parteien-, Länder- und neuerdings auch Geschlechterproporz, der von überraschend schnell wechselnden Allianzen ausgekungelt wird. Während also über den eigentlichen Wahlkrimi nur wenig nach außen drang, durfte das Publikum immerhin dem Straßburger Abnicken beiwohnen.

 

Ein paar Nummern zu groß

Ohne der neuen EU-Chefin zu nahe treten zu wollen: Es waren mit Sicherheit nicht die Leistungen in ihren bisherigen Ämtern (zuletzt Verteidigungsministerin) – durch die Truppe soll bei der Aussicht auf ihren Rücktritt ein deutliches Aufatmen gegangen sein –, oder eine, nur durch umfangreichste Beratungsleistungen aufrechterhaltene Kompetenzillusion, die sie für Höheres empfahlen. Es war vor allem ihre bedingungslose Treue zur Kanzlerin, die sie für Brüssel qualifizierte. Das Amt ist ohnehin nur der Trostpreis für die Aufgabe des deutschen Anspruchs auf den wesentlich bedeutsameren EZB-Chefsessel. Da die EU alles andere als in der Verfassung ist, sich zusätzlich auch noch selbst zu beschädigen, war es nicht überraschend, dass am Ende doch der berühmte weiße Rauch über Straßburg aufstieg: „Es ist die Deutsche!“, möchte man da in Anlehnung an David Janssen aus dem Filmklassiker „In den Schuhen des Fischers“ rufen, selbst wenn auch diese Schuhe Ursula von der Leyen erneut zu groß sein werden.

 

Badewanne mit Henkel

In der Chartanalyse gibt es ein ziemlich gut etabliertes bullishes Signal, das als „Tasse mit Henkel“ („Cup with handle“) bekannt ist. Dabei handelt es sich um eine Bodenbildung, die mit einem ersten kräftigen Kursschub abgeschlossen wurde – das ist die „Tasse“ – und der nach einem weiteren kleinen Kursrückgang, dann der eigentliche Beginn einer neuen Hausse folgt – das ist der „Henkel“. James Turk, einigen Lesern sicher noch aus der letzten Edelmetallhausse bekannt, hat nun bei Silber ein solches Muster identifiziert. Das allerdings erstreckt sich untypischerweise gleich über mehrere Dekaden (vgl. Abb.), so dass wir hier eigentlich nicht mehr von einer Tasse sprechen können. Es ist eine ganze Badewanne bzw. ein Baggersee. Die Implikation aus dieser Formation wäre ein Erreichen und Übertreffen der alten Hochs im Bereich von 50 USD, die aus dieser Perspektive ja lediglich den Badewannenrand darstellen. Nun gut, die Analyse wurde auf www.kingworldnews.com  gepostet, auf der es praktisch eine Voraussetzung für einen Beitrag ist, dass man dramatisch positive Kursziele für Gold oder Silber entdeckt hat. Aber möglicherweise ist jetzt, nach rund acht Jahren Baisse, die Zeit tatsächlich langsam dafür gereift, dass auch die Daueroptimisten für Edelmetalle nun wieder einmal in größerem Umfang Recht bekommen. Zumindest entwickelte das bislang geradezu sträflich vernachlässigte Silber seit Anfang dieser Woche erstmals wieder ein zartes Eigenleben – auch gegenüber Gold. Vor dem Hintergrund des seit Juni deutlich gestiegenen Goldpreises wäre ein Bruch des mehrjährigen Abwärtstrends im Silber jedenfalls höchst plausibel.

 

Fazit

In Straßburg nichts Neues, beim Silber möglicherweise schon.

© Christoph Karl, Ralph Malisch

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