Trendlinie gebrochen: Die Ähnlichkeiten zu 1929, 1987 und dem Nikkei 1990 setzen sich fort...

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Von Dimitri Speck

In einem Artikel, der Anfang März veröffentlicht wurde, habe ich die Ähnlichkeiten zwischen dem aktuellen Chartmuster im S&P 500 Index im Vergleich zu den Mustern, die sich vor den Crashs von 1929 und 1987 gebildet haben, sowie den crashartigen Einbruch des Nikkei 225 Index im Jahr 1990 diskutiert. Die folgenden fünf Ähnlichkeiten waren entscheidende Merkmale dieser Crash-Muster:

Anatomie von wasserfallartigen Abstürzen

Nachdem die Trendlinie gebrochen war, begannen die wasserfallartigen Abstürze in den drei Vorläufern von 1929, 1987 und dem Nikkei im Jahr 1990. Anfang März wies ich darauf hin, dass die entscheidende Entwicklung die Unterbrechung der Trendlinie beim zweiten Test war. Was ist seitdem passiert? 

Ein wasserfallartiger Rückgang droht nach dem Trendlinienbruch

Diesmal war die Erholung vom ersten Test eine vergleichsweise langwierige Angelegenheit. Die Preise gaben jedoch zuletzt wieder nach und am vergangenen Freitag, dem 23. März, durchbrach der breite US-Aktienmarkt tatsächlich die Trendlinie. Unten sehen Sie einen aktuellen Drei-Jahres-Chart des S & P 500 Index mit der Trendlinie.

     S&P 500 Index: Am Freitag wurde die Trendlinie gebrochen (sie wurde kurzfristig am Montag zurückerobert, beachten Sie die Abschlussbemerkungen hierzu).

 

Offensichtliche Ähnlichkeiten zu 1929, 1987 und Japan im Jahr 1990

Zur Erinnerung, hier sind Charts der drei Vorgänger zum Vergleich (d.h. DJIA 1986-1987, 1928-1929 und Nikkei 1987-1990).

DJIA mit Trendlinie, 1986 – 1987: nach dem Bruch der Trendlinie gingen die Preise rapide zurück.

DJIA 1928 – 1929: wieder einmal crashte der Markt nachdem ein zweiter Test der Trendlinie scheiterte.

Nikkei 1987-1990: starker Preisrückgang nach dem Trendlinienbruch

Die Ähnlichkeiten sind erstaunlich: Die Preise steigen entlang der Trendlinie, dann beschleunigt sich der Anstieg und toppt, die Trendlinie übersteht einen ersten Test und ein Rebound beginnt. Ein zweiter Test der Trendlinie scheitert und nachdem die Indizes durchgebrochen sind, beginnt ein wasserfallartiger Rückgang [Absturz]. 

Trendlinienbruch etwa 50 Tage nach dem Peak

Mit dem Bruch der Trendlinie am vergangenen Freitag kann auch die Tabelle mit dem zeitlichen Abstand zwischen entscheidenden Wendepunkten aktualisiert werden. Die Tabelle zeigt die Zeit zwischen diesen Punkten in Kalendertagen nach den jeweiligen Marktspitzen.

Die Zeile "initial trend line test" zeigt die Anzahl der Tage an, die zwischen dem oberen und dem ersten Test der Trendlinie vergangen sind. 30 Kalendertage verstrichen z.B. im Jahr 1929, in dem aktuellen Chart-Muster nur 13 Tage (Marktspitze am 26. Januar 2018, erster Test der Trendlinie am 8. Februar).

Die nächste Zeile, "Peak of Rebound", zeigt die Anzahl der Tage, die zwischen der Marktspitze bis zum Ende der Erholung nach dem ersten Trendlinien-Test verstrichen sind. Diesmal gab es zwei Peaks, einen nach 31 Tagen und einen anderen nach 42 Tagen, wobei der zweite Peak etwas höher war als der erste. Die Rebound-Peaks wurden in allen Fällen eng zusammen gruppiert, da sie in 37 - 42 Tagen nach dem Top gesetzt wurden.

Die letzte Zeile zeigt den Tag, an dem die Trendlinie gebrochen wurde. In den vorherigen Fällen passierte es 44 bis 53 Kalendertage nach dem Markthoch. Mit dem Bruch am letzten Freitag schauen wir auf 56 Tage im aktuellen Muster. Wiederum sind die Trendlinienbrüche in allen Fällen eng beieinander gruppiert.

Erstziel für den S&P 500 Index: 1.900 Punkte

Ein weiteres auffälliges Merkmal der drei Vorläufer 1929, 1987 und Nikkei 1990 war auch die Ähnlichkeit im Ausmaß der Rückgänge. In der ersten großen Abwärtswelle fielen die Kurse auf die Ausgangspunkte der jeweiligen Trendlinien. Sollte sich ein vergleichbarer Wasserfall wieder anbahnen, wäre das ursprüngliche Ziel für den S&P 500 Index 1.900 Punkte, was einem Verlust von 34% vom Hoch entspricht.

Danach sind die Preise in den vorherigen Fällen sehr unterschiedlich verlaufen:

- Nach dem Crash von 1929 gingen die Preise in den nächsten 2,8 Jahren um fast 90% zurück

- 1987 hatte der Markt nach einem spektakulären Ein-Tages-Verlust von 22,61% das Schlimmste hinter sich gelassen

- Nach dem rapiden Niedergang von 1990 blieb der japanische Aktienmarkt in einem langen, säkularen Bärenmarkt stecken, der schließlich seinen Tiefpunkt erreichte, nachdem er 82 Prozent verloren hatte - fast 30 Jahre nach dem Hoch. 

Südsee-Blase 

Außerdem wollte ich zeigen, was in der berühmten Südsee-Blase des frühen 18. Jahrhunderts passiert ist. Es unterscheidet sich zwar in vielerlei Hinsicht von den oben diskutierten Beispielen der heutigen Zeit, aber es lassen sich einige interessante Gemeinsamkeiten ausmachen: der Anstieg entlang einer Trendlinie, eine beschleunigte Rallye in den Gipfel, gefolgt von einem Wasserfall nach dem Bruch der Trendlinie.

Britische Aktienpreise 1719 - 1721 (ein Index aus drei großen Aktien): Nach dem Bruch der Trendlinie fielen die Kurse vollständig bis zum Ausgangspunkt des Bullenmarktes zurück. 

Erhöhte Crash-Gefahr

Mit dem jüngsten Trendlinienbruch ähnelt das Muster des US-Aktienmarktes weiterhin dem der drei Crash-Vorbilder. Andere Faktoren sind ebenfalls von entscheidender Bedeutung für den Aktienmarkt, wie seine extreme fundamentale Überbewertung, steigende Zinsen und Spannungen über den Welthandel.

Natürlich ist ein Absturz keineswegs sicher oder vorherbestimmt, besonders die starke Gegenbewegung vom 26. März (mit Rückeroberung der Trendlinie) lässt uns innehalten. Aber da der erste Rebound dieses Mal mit einer Art Double-Top endete, wird es vielleicht auch zwei Trendlinienbrüche in enger Abfolge geben. Insgesamt besteht nun eine deutlich erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass ein Wasserfallrückgang vor uns liegt.

© Dimitri Speck

Internetauftritt von Dimitri Speck

Seasonalcharts

(Querbild: Zerohedge.com)

Der Artikel wurde exklusiv und ohne Gewähr für Metallwoche.de übersetzt. Das engl. Original wurde am 27.03.2018 auf der Website http://www.acting-man.com veröffentlicht.

 

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