Wasserstoff, Gold & Bitcoin

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vom Smart Investor

„Betteln um Krieg“? In eine ohnehin schon aufgeheizte Stimmung ließ Nordkoreas Diktator Kim Jong-un am vergangenen Sonntag die nächste Bombe platzen. Nach Angaben Pjöngjangs soll es sich beim jüngsten Atomwaffentest um eine Wasserstoffbombe gehandelt haben...

Zuletzt behauptete man im Jahr 2016 eine solche Waffe erfolgreich getestet zu haben. Allerdings meldeten seinerzeit Experten – aus naheliegenden Gründen nur solche außerhalb des Landes – starke Zweifel an dieser Aussage an. Man traute dem Land schlicht nicht zu, in der Waffenentwicklung bereits so weit vorangekommen zu sein.

Dieses Mal fielen die Zweifel verhaltener aus. Die registrierte Stärke der Explosion wäre wohl mit einer Wasserstoffbombe kompatibel – auch in dieser Hinsicht also eine neue Qualität der Eskalation. Das Regime folgt der Logik der nuklearen Abschreckung und hat dabei die USA im Auge. Und da die USA eben kein direktes Nachbarland sind, werden dort die nordkoreanischen Fortschritte bei der Entwicklung nuklearer Sprengköpfe mit ebenso großem Argwohn beobachtet wie die Entwicklung der Trägertechnologien für diese Sprengköpfe in Form von (Interkontinental-)Raketen.

Entsprechend scharf reagierte die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, als sie nach dem jüngsten Atomwaffentest davon sprach, dass Kim Jong-un förmlich um Krieg bettle („begging for war“). Den freilich will niemand. Am allerwenigsten Südkorea, dessen Hauptstadt Seoul nur eine lächerlich geringe Distanz von rund 60 km von der nordkoreanischen Grenze entfernt liegt.

Der reiche Süden hat dem hochgerüsteten Norden militärisch kaum etwas entgegenzusetzen. Wie wahrscheinlich ein Krieg ist, kann man vor allem daran erkennen, welche Kampfverbände die USA in der Region zusammenziehen. Aus den Irak-Kriegen wissen wir, dass auf eine Provokation nicht unmittelbar ein Gegenschlag erfolgt, es sei denn es ist ein eher symbolischer Akt wie in Syrien. Zwischen Provokation und Reaktion kann von daher eine Zeit der trügerischen Ruhe liegen.

„Trügerisch“, weil die Entscheidung für eine Intervention zu diesem Zeitpunkt bereits gefallen aber nicht unmittelbar sichtbar ist. Der Konflikt enthält nun also zwei Beschleuniger: Zum einen den an dieser Stelle bereits beschriebenen Wettlauf um die nukleare Abschreckung – je näher Nordkorea diesem Ziel kommt, umso mehr Gegenwind wird aus den USA wird das erzeugen. Neu ist die Beschleunigung aufgrund einer möglichen konventionellen Auseinandersetzung auf der Halbinsel. Je klarer wird, dass die USA Truppen für einen möglichen Vergeltungsschlag zusammenziehen, desto „logischer“ wird eine frühe militärische Aktion des Nordens, die letztlich den eigenen Niedergang beschleunigt. Es bleibt ein Spiel mit dem Feuer.

Politik „satt“ – oder vom Recht in Ruhe gelassen zu werden – Schwarz-rotes „Duett“

Dagegen mutet die deutsche Innenpolitik fast harmlos an. Selbst die „heiße“ Phase des Wahlkampfs bleibt im Wesentlichen langweilig. Das Fernsehduell zwischen Angela Merkel und Martin Schulz, spöttisch „Duett“ genannt, war so unerträglich harmonisch, dass man sich an zwei Exponenten einer Einheitspartei erinnert fühlte. Gabor Steingart, Herausgeber des Handelsblatts, kommentierte auf der Website www.achgut.com spöttisch: „Martin Schulz will Büroleiter von Angela Merkel werden“. Das sei kein Duell, sondern ein „Bewerbungsgespräch“ gewesen.

Ohnehin werden wichtige Themen im Wahlkampf fast völlig weggedrückt. Die Massenmigration steht weiter wie der sprichwörtliche Elefant in der Mitte des Raumes und die Mainstreammedien arbeiten sich an den Bildern ab, die für uns an den Wänden des Raumes aufgehängt wurden. Den Gipfel der Wählerverachtung zeigte dabei einmal mehr die Kanzlerin, die die Menschen wissen ließ, dass sie(!) über den Familiennachzug – alleine bei der Gruppe der Syrer wird von bis zu zwei Millionen weiteren Menschen gesprochen – erst nach der Wahl entscheiden wolle. Die CDU stellt also ganz offiziell eine „Katze im Sack“ zur Wahl. Natürlich erahnt man, in welche Richtung es gehen wird, wenn vor der Abstimmung kein reiner Wein eingeschenkt wird. Horst Seehofer (CSU) übte sich jedenfalls vorsichtshalber schon einmal in seiner Lieblingsrolle als „Verbalopposition“.

Kalkulierter Eklat?

Etwas lebendiger sind die Diskussionen bei den kleinen Parteien. Und hier kommt es gelegentlich sogar zum Eklat. So verließ die Spitzenkandidatin der AfD, Alice Weidel, das ZDF-Studio. Ob Weidel nur die Steilvorlage durch die tendenziös und damit unprofessionell wirkende Moderation nutzte, oder ob ihr der Kragen tatsächlich platzte, ist schwer zu sagen.

Wenn man den Twitter-Reaktionen folgt, dann konnte Weidel mit dieser Einlage punkten. Da solidarisieren sich plötzlich Menschen öffentlich mit der Kandidatin, die vorher nicht im Traum daran gedacht hätten, sich mit ihr oder ihrer Partei näher zu befassen. Die Menschen haben offenbar ein ziemlich gutes Gespür dafür, ob in einem Format Fairness und Chancengleichheit regieren oder ob Medienmacht oberlehrerhaft missbraucht wird. Regelrechte „Hinrichtungsformate“ vom Zuschnitt Fünf gegen Eins werden vom Publikum offensichtlich gar nicht mehr goutiert. Die Sache ging diesmal jedenfalls schief. Nicht der verbale Schlägertrupp heimste die Sympathiepunkte ein, sondern der Underdog.

Wider die Politisierung

Für viele Börsianer ist die Politisierung des Alltags und der Wirtschaft ohnehin ein zunehmendes Ärgernis. Sie würden einfach nur gerne ihren Geschäften nachgehen und fordern für sich das urlibertäre Recht, in Ruhe gelassen zu werden. So einfach ist es aber leider nicht. Denn man mag sich für Politik kein bisschen interessieren, zum Betroffenen wird man dennoch. Also besteht die Aufgabe darin, die Folgen der oft sprunghaften Entwicklungen und Entscheidungen irgendwie vorauszuahnen bzw. sein Depot dagegen wetterfest zu machen. Das betrifft derzeit(!) weniger auf die Bundespolitik als auf die eingangs geschilderte Zuspitzung auf der koreanischen Halbinsel zu. Die bundespolitischen Grausamkeiten für die Wählerinnen und Wähler kommen traditionell erst nach dem Wahltag.

Erstaunlich positiv

Man kann die Reaktion der Märkte auf politische Ereignisse auch als Indikator ansehen. Zum einen sind Märkte relativ abgebrüht, zum anderen passen sie sich zügig an neue Verhältnisse an. Lamentieren mag zwar eine Spezialität einzelner Marktteilnehmer sein, die Märkte selbst halten sich damit aber nicht auf und steuern zügig jenes Kursniveau an, das zur momentanen Wahrnehmung der Gesamtsituation passt. Im Zeitablauf verändern sich sowohl die Situation als auch die Wahrnehmung – und das keineswegs synchron. Um beim Nordkorea-Thema zu bleiben: Würde das Land jede Woche eine Test-Rakete abfeuern, gingen die Märkte rasch zur Tagesordnung über, weil das Überraschungsmoment fehlt. Die Reaktion auf den Atomwaffentest vom Sonntag fiel bereits äußerst moderat aus – ein Zeichen der Stärke. 

Betrachten wir den DAX (vgl. Abb. 1, schwarze Linie), dann verhielt sich dieser nicht nur erstaunlich stabil. Mit dem heutigen Handelstag nimmt er sogar einen kräftigen Schluck aus der Pulle. Auch das ist klar positiv. Dass sich am anderen Ende der Welt gerade ein möglicher militärischer Großkonflikt aufbaut, ist dem Kursverlauf aktuell in keiner Weise anzusehen. In diese Abbildung haben wir noch einen weiteren Chart eingebunden. Der österreichische ATX (vgl. Abb. 1, rote Linie) hat sich in den letzten Monaten zu einer Art „Stillem Star“ entwickelt. Es lohnt sich also durchaus nicht nur gebannt auf die Schlagzeilen zu starren, sondern auch einmal ganz bewusst dort zu suchen, wo die Pfade noch nicht völlig ausgetreten sind. Das passt sogar ganz gut zur Saison: Denn wer jetzt wieder „in die Pilze geht“, wird auch regelmäßig dort fündig, wo er als Erster auftaucht.

Alternativen fürs Depot?

Während österreichische Dividendentitel kaum als Hedge gegen Konflikte in Asien gekauft werden, dürfte das bei Gold sehr wohl der Fall sein. Das gelbe Metall gilt als klassische Fluchtburg wenn sich Unsicherheit breit macht und konnte seinem Ruf mit dem Sprung über die Marke von 1.300 USD einmal mehr gerecht werden (vgl. Abb. 2). 

Warum der Gold-Chart (orange) hier allerdings nicht sonderlich eindrucksvoll aussieht, liegt am Vergleich. Denn der eigentliche Hype der letzten Wochen spielte sich rund um das Thema Bitcoin ab. Für den Kurs (Abb. 2, blaue Linie) – ebenfalls in USD – gab es kein Halten mehr. Seit gestern macht sich nun aber etwas Ernüchterung breit, wie auch an den Kursverläufen jener Aktien zu sehen ist, die mit dem Thema zu tun haben, oder auch nur damit in Verbindung gebracht werden. Von der Entstehungsgeschichte ist der Bitcoin tatsächlich auch eine Art (virtuelle) Fluchtwährung. Das Licht der Welt erblickte er nämlich im Jahre 2009 – inmitten der Finanzkrise. Das Thema ist allerdings zu vielschichtig und zu komplex, als das man es hier in ein paar Zeilen abhandeln könnte. Wir werden uns daher in einer der nächsten Ausgaben noch einmal etwas intensiver mit Kryptogeldern und neuen Technologien wie der Blockchain beschäftigen.

Fazit

Mit dem heutigen Tag versuchen die Märkte eine Art kleinen Befreiungsschlag aus der Tristesse von Schaukelbörse und Politik. Wie lange die Aktien ihr eigenes Ding machen können – freilich mit freundlicher Unterstützung der EZB – bleibt dahingestellt. Schon morgen kann die Welt wieder völlig anders aussehen. Und da wundert man sich ernsthaft über Politik(er)verdrossenheit?

© Ralph Malisch, Christoph Karl – Homepage vom Smart Investor

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