Die gefährlichsten sieben Worte

Tags: Aktienmarkt Christoph Karl Ralf Flierl Smart Investor Weekly 07.11.2018 Smart Investor

vom Smart Investor

Howard Marks gilt als einer der Vordenker der Value-Szene. Ein Intellektueller der Wall Street, der mit seinen regelmäßigen Memos die Öffentlichkeit an seinen aktuellen Gedankengängen teilnehmen lässt. In seiner jüngsten Veröffentlichung beschäftigt er sich mit den nach seiner Ansicht nach gefährlichsten Worten, die es an der Börse gibt: „too much money chasing too few deals.”. Zu Deutsch: „Zu viel Geld, das zu wenigen Deals hinterherläuft.“... Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Zu viel billiges Geld der Notenbanken habe sichere Anlagen völlig unattraktiv gemacht. Die überschüssige Liquidität suche daher in rentableren – aber eben auch deutlich riskanteren – Nischen nach besseren Erträgen. Gleichzeitig sind die Erinnerungen vieler Marktteilnehmer an die Finanzkrise 2008 verblasst. Ganz in Anlehnung an sein jüngst veröffentlichtes Buch („Mastering the Market Cycle“) erläutert Marks daher, dass er sich niemals zutrauen würde Märkte zu prognostizieren, aber ein Gefühl dafür entwickeln kann, wo in einem Zyklus die Märkte stehen. Um dies zu beurteilen, zieht Marks diverse Faktoren heran. So sieht er aktuell zwar keine zwingende Überbewertung an den Aktienmärkten, verschiedene andere Entwicklungen stimmen ihn jedoch skeptisch. Die deutlich steigende Verschuldung der Unternehmen zu immer sorgloseren Kreditbedingungen, die Tatsache, dass die Zinsen in den Emerging Markets unterhalb der Sätze in den USA liegen, die hohen Bewertungen vieler Technologieaktien, die auf weit in der Zukunft liegenden Erträgen basieren sowie die Tatsache, dass Softbank einen 100 Mrd. USD Fonds für Venture Capital-Investments auflegen konnte.

It’s the credit market, stupid!

Daraus lässt sich enormer Optimismus, eine hohe Risikobereitschaft und großes Vertrauen in die nähere Zukunft herauslesen. Alles Dinge, die nicht gerade dafür sorgen, ein „gesundes“ Klima für zukünftige Erträge und niedrige Risiken zu schaffen. Interessant an den Aussagen von Marks ist vor allem, dass er die Blase eben nicht an den Aktienmärkten, sondern an den Anleihe- und Kreditmärkten vermutet. Da Marks Unternehmen Oaktree Capital exakt auf diese Märkte spezialisiert ist, darf man ihm hier eine gewisse Expertise zutrauen. Nach Jahren des Booms glaubt er hier wieder Exzesse zu erkennen, die an 2006 und 2007 erinnern. Wir bewegen uns daher aller Voraussicht nach in einem späteren Stadium des aktuellen Zyklus. Doch was soll man als Anleger nun aus diesen Informationen machen? Für Marks ist eines völlig klar: Timing hat er nie beherrscht und wird er nie beherrschen. Endgültig das Handtuch werfen und sich aus den Märkten zu verabschieden ist daher die falsche Herangehensweise. Stattdessen ist es an der Zeit, sich einfach etwas vorsichtiger aufzustellen. Wer in der Endphase eines Zyklus nur mit angezogener Handbremse fährt, hat eine deutlich größere Chance, nicht aus der Kurve zu fliegen, wenn es kracht. Gleichzeitig hat man dann die Möglichkeiten zuzukaufen, wenn die Kurse korrigiert haben. Man darf vermuten, dass auch Warren Buffett das jüngste Memo aus dem Hause Oaktree gelesen hat. Schließlich hatte er in der Vergangenheit geäußert, dass er stets alles andere stehen und liegen lässt, wenn Marks einen neuen Text veröffentlicht hat.

Über Rückkäufe und wahre Werte

Angesichts der jüngsten Meldungen von Berkshire Hathaway* darf man sogar vermuten, dass Buffett die Ideen von Marks nicht nur teilt, sondern sogar danach handelt. Schließlich sitzt Berkshire Hathaway bei einer Marktkapitalisierung von etwas mehr als 500 Mrd. USD auf mehr als 100 Mrd. USD Cash. Zuletzt scheint das „Orakel von Omaha“ zudem kaum neue Investitionsmöglichkeiten zu finden. Paradoxerweise wird seine Aktie unterdessen vom Markt alles andere als überbewertet. Einen interessanten Ansatz, um Berkshire Hathaway (IK) zu bewerten, hatten wir in unserem letzten Smart Investor Weekly vorgestellt. Seit dem Wochenende ist nun klar, dass Buffett sein Glück daher vor allem im Rückkauf seiner eigenen Aktie sucht (siehe Aktien-Update vom Montag). Die Botschaft ist daher ein  zweischneidiges Schwert: Zum einen ist die Aktie einer der besten Beteiligungsgesellschaften der Welt derzeit alles andere als teuer. Schließlich würde ein Warren Buffett niemals auf die Idee kommen, seine Aktie zurückzukaufen, sollte er den inneren Wert tatsächlich nur wenige Prozente über dem aktuellen Kurs verorten. Andererseits scheint Buffett kaum mehr andere Unternehmen zu finden, die ihm ähnlich attraktiv erscheinen.

Ein etwas anders gelagerter Fall ist dagegen die Aktie der Beteiligungsgesellschaft Aurelius (akt.: 41,10 EUR) – im Durchschnitt hatten wir diese Aktie im letzten Jahr zu rund 53 EUR aus dem Musterdepot verkauft. Auch hierbei handelt es sich um eine gut geführte Beteiligungsgesellschaft aus Deutschland mit einem exzellenten Track Record und einer auf den ersten Blick sehr günstigen fundamentalen Bewertung. Auch Aurelius hat zuletzt die eigenen Aktionäre mit Rückkäufen beglückt. Allerdings dürften diese zu einem größeren Teil zu Preisen über dem aktuellen Kurs erworben worden sein. Mit heutigem Stand wurde daher für die verbleibenden Aktionäre kein Mehrwert geschaffen. Bereits im Frühjahr des letzten Jahres haben wir die Überlegung angestellt, dass die Aktie erst bei einem deutlichen Abstand zum ausgewiesenen NAV fair bewertet ist. Damals haben wir ein Kursziel von 33 EUR ausgegeben. Dabei bleiben wir auch heute. Befinden wir uns tatsächlich – wie Howard Marks vermutet – am Ende eines Zyklus, wäre bei einer Holding für Sanierungsfälle ein Abschlag von dann rund 25% zum inneren Wert durchaus gerechtfertigt. Mehr zu Aurelius werden sie im nächsten Smart Investor lesen, in dem wir uns intensiv mit den Nebenwerten beschäftigen.

Bewertungen im Zeitablauf

Eine sehr aufschlussreiche und vor allem  recht anschauliche Präsentation über die Entwicklung der internationalen Börsenbewertungen während der vergangenen zehn Jahr zeigt der Anaylst Norbert Keimling vom Vermögensverwalter, welche als Video hinterlegt ist.

Um es zu sehen, folgen Sie bitte einfach nachfolgendem Link: https://youtu.be/uTiKguZlIxI?t=405

Dabei wird sehr schön klar, wo derzeit die Über- bzw. die Unterbewertungen herrschen. Dass dies nicht unbedingt als eine Prognose für die mittel- oder gar kurzfristige Börsenbewegung gesehen werden darf, versteht sich von selbst. Und das betont ja auch Norbert Keimling ausdrücklich. Aber dennoch lassen sich daraus einige Rückschlüsse ziehen, von welchen Börsen man eher die Finger lassen bzw. wo man sich einen Einstieg vielleicht einmal überlegen sollte.

Internationale Edelmetall- und Rohstoffmesse

Eine weitere Messe wirft ihre Schatten voraus. Bereits am 9. und 10. November findet die Internationale Edelmetall- & Rohstoffmesse im Münchner MVG Museum (Ständlerstraße 20 in 81549 München) statt. Die Messe, die in diesem Jahr zum 14. Mal stattfindet, hat sich als der Anlaufpunkt für Edelmetallanleger im deutschsprachigen Raum etabliert. Neben zahlreichen Ausstellern aus den Bereichen Minen, Handel und Dienstleistung werden die Vorträge wieder besondere Highlights sein. Mit dabei sind bekannte Namen wie Folker Hellmeyer, Markus Koch, Martin Siegel oder Philipp Vorndran, um nur einige zu nennen. Das vollständige Programm finden Sie auf der Messe-Website. Natürlich wird auch Smart Investor wieder mit einem eigenen Stand vor Ort vertreten sein. Das Team unter der Leitung von Chefredakteur Ralf Flierl freut sich darauf, Sie dort zu treffen und mit Ihnen über Märkte, Wirtschaft und Politik zu diskutieren. Unser Stand befindet sich kurz nach dem Eingang zur Messe.

Fazit

Zwar erinnert die Bewertung der Aktienmärkte noch nicht an eine breite Blasenentwicklung. Die Gefahr für die Aktienmärkte könnte allerdings von den Kreditmärkten kommen. Wir bleiben daher bei unserer bearishen Sicht.

 © Ralf Flierl, Christoph Karl – Homepage vom Smart Investor

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