Die Meinung der Anderen: Reversals der Reversals von Gold und Silber

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von Przemyslaw Radomski, CFA

Zuletzt haben wir diskutiert, wie bedeutungsvoll der Rückgang bei Gold und Silber im vorbörslichen Handel war, wenn man bedenkt, dass die Bewegung im USD-Index relativ gering ausfiel. Die Auswirkungen waren für den Edelmetall(EM)-Markt ziemlich bearish, insbesondere, da wir gerade das Ziel für die Goldaktien erreicht hatten und sich die Minenaktien zum ersten Mal seit Wochen gegenüber dem Goldpreis unterdurchschnittlich gezeigt haben... Noch bevor der Tag vorbei war, hatten der USD, Gold und Silber alle ihre täglichen Bewegungen umgekehrt und das meiste davon aufgegeben. Macht es den Ausblick jetzt wieder bullisch? Wird Gold in Kürze noch $ 1.300 erreichen können?

Nein. Tatsächlich hat der USD-Index seinen Kurs umgekehrt, aber die erste Reaktion der Edelmetalle zeigt, wie anfällig sie in Bezug auf die Rallyes im USD-Index sind. Das ist nicht die Art von Reaktion, die man sehen möchte, wenn man eine Kaufposition hält. Das wird bevorzugt, wenn man eine Verkaufsposition hält.
 
Werfen wir einen Blick auf die Charts für die Details. Dieses Mal beginnen wir mit dem USD-Index (Charts mit freundlicher Genehmigung von http://stockcharts.com).
 
(Zur Vergrößerung bitte auf die Charts klicken, sie öffnen dann groß in einem neuen Fenster)

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Während eines realen, beträchtlichen Aufschwungs reagiert Gold gewöhnlich in profundester Weise auf die Schwäche des USD im ersten Teil der Rallye und die Stärke der Reaktion nimmt ab, während sich die Gold-Rally fortsetzt. Eine sehr schwache Reaktion auf die bullischen Signale des USD ist ein Zeichen, dass die Rallye fast zu Ende ist. Sollte der Goldpreis tatsächlich über $ 1.300 steigen wollen, sollte er sich im ersten Teil der Rallye auf $ 1.280 erhöht haben, als Reaktion auf den Rückgang des USD-Index.
 
So etwas ist nicht passiert.
 
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Stattdessen sahen wir einen Bruch unter die mittelfristige Unterstützungslinie, die auf großen Böden beruhte (Preisextreme Ende 2015 und Ende 2016). Der Goldpreis durfte sich aufgrund mehrerer Faktoren erholen - und das tat er -, aber anstatt den Zusammenbruch aufzuheben und sich auf $ 1.300 zu stürzen (was angesichts der überverkauften Situation in Bezug auf den RSI-Indikator ziemlich realistisch schien), bewegte sich Gold gerade mal wieder zurück zur steigenden Unterstützungslinie und verifizierte diese als Widerstand.
 
Mit anderen Worten, wir hatten viele Anzeichen, die eine bullische Prognose für Gold bestätigten, aber vielleicht ist bereits geschehen, was darauf beruhte. Wir sahen eine Rallye, aber Gold war nicht stark genug um den Bruch zuvor zu annullieren, ganz zu schweigen von der Rückkehr zu den Hochs im Juni.
 
Kurzfristig sehen wir, dass der Rückgang [des Goldpreises] bei einem [Handels]Volumen stattfand, das höher war als beim Anstieg am Montag, was ein baerishes Zeichen ist. Das ist einer der Gründe, die bestätigen, dass es eine gute Idee war, Gewinne vom Tisch zu nehmen und unsere frühere kurzfristige Long-Position auf dem Edelmetallmarkt zu schließen.
 
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Nach dem Rückgang über Nacht stieg der Silberpreis wieder, schloss aber die Sitzung unter dem Schlusskurs des Vortages. Was wirklich wichtig ist, ist, dass Silber den Tag unter dem vorherigen, niedrigsten Jahresschluss schloss ($ 16,13). Dies bedeutet, dass - analog zu Gold - Silber unter ein wichtiges Unterstützungsniveau (frühere Tiefs von 2018) brach und die jüngste Rallye nur eine Verifizierung des Bruchs war.
 
Im Allgemeinen ist es eine der besten Handelstechniken (hier: für Short-Positionen), wenn ein Markt vor einem Zusammenbruch steht und diesen dann bestätigt, indem man zur vorherigen Unterstützung zurückkehrt und sie als Widerstand prüft. Das ist gerade in Gold passiert und das ist in Silber passiert.
 
Beide Edelmetalle hatten gute technische Gründe, sich über die erwähnten Unterstützungs- / Widerstandsniveaus zu erholen - aber sie schafften es nicht. Dies deutet darauf hin, dass die kurzfristigen Aussichten nicht länger als bullisch bezeichnet werden können.
 
Die wichtigste Bestätigung ergibt sich jedoch aus der Analyse der Goldaktien und deren Verhältnis zu Gold.
 
Goldaktien und ihr Ratio zu Gold

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Der HUI-Index bewegte sich nur auf sein Hoch im Juni und - wichtiger - auf seine steigende, mittelfristige Widerstandslinie, unter die er vor einigen Wochen fiel. Aus technischer Sicht wurde der Bruch einfach verifiziert - die obige Grafik (allein) hat keine bullischen Auswirkungen. Es hat bärische.
 
Nach dem Zusammenbruch wurde die steigende Linie zu einem natürlichen Kursziel für eine kurzfristige Rallye und wurde gerade erreicht. Kombiniert mit der zuvor erwähnten Underperformance in den Minen gegenüber Gold erscheint es ziemlich „toppy".

Aber da ist noch mehr.
 
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Erinnern Sie sich noch an den Rückgang, den wir Anfang des Jahres gesehen haben? Das Goldaktien-Gold-Verhältnis unterschritt die langfristige Unterstützung, die durch das Tief von Ende 2016 geschaffen wurde. Dies war ein sehr wichtiges Anzeichen für einen mittelfristigen Rückgang des Edelmetallmarktes.
 
Dieser Rückgang wurde soeben verifiziert, als das Ratio gerade auf das Tief von 2016 zurückging, versuchte, sich darüber zu bewegen, und scheiterte. Die langfristigen Signale, Unterstützungslinien, Rückgänge usw. sind wichtiger als die kurzfristigen, daher ist das Obige ein wichtiges Thema.
 
Die Auswirkungen sind für den gesamten Edelmetallsektor bearish. Das oben Erwähnte deutet darauf hin, dass die Outperformance der Goldaktien zu Gold vorbei ist und wir eine generelle Trendwende im EM-Markt beobachten konnten.
 
Die Kombination all dieser drei Faktoren, die auf Minenaktien basieren, führt allein schon zu einem ziemlich stark bärischen Fall für die EMs, und dies sind nicht die einzigen bärischen Faktoren, die derzeit im Spiel sind, ganz zu schweigen von den zahlreichen, mittelfristigen Faktoren, die auf niedrigere EM-Preise hinweisen.
 
 
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Es gibt auch ein subtiles baerishes Zeichen vom japanischen Yen.
 
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Der Goldpreis bewegt sich ziemlich oft im Einklang mit der japanischen Währung. Letztere hat gerade mehrere Unterstützungslinien unterschritten, was sich in Zukunft sehr baerish auswirken wird. Auf Basis der Schlusskurse gab es keinen Rückgang unter die steigende, mittelfristige Unterstützungslinie, aber es gab einen Bruch unter das rot markierte Dreieck. Daher verschlechterten sich die Aussichten und damit die Implikationen für die EMs etwas.
 
Natürlich wäre ein Bruch unter die mittelfristige Linie ein noch tiefgreifenderes Zeichen gewesen, aber angesichts der heutigen vorbörslichen Abwärtsbewegung im Yen scheint es, dass wir es in Kürze sowieso sehen werden. Die Implikationen für den Edelmetallmarkt sind bereits rückläufig und es scheint, dass sie in Kürze viel baerisher werden könnten.
 
Zusammenfassung
 
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Aussichten für den Edelmetallmarkt aufgrund mehrerer Entwicklungen kurzfristig nicht mehr bullisch, sondern bearish sind. Die Underperformance der Minenaktien am Montag, dass der HUI sein Ziel erreichte, das HUI-Gold-Ratio an einem kritischen Widerstand, die relative Stärke von Gold gegenüber dem USD, der teilweise Bruch im japanischen Yen, all das deutet auf niedrigere Edelmetallpreise hin.

Vielen Dank.

Przemyslaw Radomski, CFA

Founder, Editor-in-chief, Gold & Silver Fund Manager

Sunshine Profits - Gold & Silver Investment

Der Artikel erschien im engl. Original am 11. Juli 2018 auf goldseek.com und wurde von der Metallwoche exklusiv und ohne Gewähr übersetzt.

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