Emotionen des Marktes: Gier, Angst... und Gelassenheit

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vom Smart Investor

2018er Messe-Nachlese – ein guter Jahrgang!

Auch auf der diesjährigen Internationalen Edelmetall- und Rohstoffmesse war Smart Investor mit einem eigenen Stand vertreten. Das war in doppelter Hinsicht ein Heimspiel – sowohl geographisch als auch thematisch. Im mittlerweile 14. Jahr ist die Veranstaltung fest etabliert als die führende Edelmetallmesse in Europa. Den besonderen Reiz macht dabei die Mischung aus Vorträgen und Präsentationen auf der einen Seite und den Informationsständen der Minenunternehmen und Edelmetallanbieter und -dienstleister auf der anderen Seite aus. In der Regel haben Anleger nicht die Möglichkeit sich von interessanten Unternehmen aus aller Welt quasi vor der eigenen Haustür ein Bild zu machen. Gefühlt stieg in diesem Jahr sogar das Besucherinteresse gegenüber dem Vorjahr wieder an. Bevor man daraus allerdings vorschnell einen eigenen Indikator bastelt, sei erwähnt, dass die Veranstaltung wieder um einen Wochentag nach hinten auf die Tageskombination Freitag/Samstag verschoben wurde. Das kam insbesondere Berufstätigen entgegen, die auch reichlich von der Möglichkeit Gebrauch machten, die Messe zu besuchen, ohne dafür einen Urlaubstag zu opfern.

 

 

Zunehmend stärkere Hände?

Inhaltlich fällt das Fazit ebenfalls differenziert aus: Von Euphorie war angesichts der Kursentwicklung – Gold und Silber rutschten in den letzten Tagen erneut ab – verständlicherweise nichts zu spüren. Allerdings war nach Jahren eines quälenden Abwärtsgangs auch keinerlei Panik zu vermelden. „Zwischen Gier und Angst“, so der Titel eines Vortrages, herrscht vor allem eine zunehmende Gelassenheit gegenüber den täglichen Kursschwankungen. Die Edelmetallanleger des Jahres 2018 sind durch die Nackenschläge der vergangenen Jahre einigermaßen abgehärtet und wissen um die langfristigen Vorteile dieser Anlagen – zumal in Zeiten wieder aufbrechender Geldsystemkrisen (Euro/Italien, etc.). Daher kreisen die Gedanken eher um taktische Fragen, etwa ob Gold und Silber noch einen weiteren, finalen Tiefpunkt im Kursverlauf benötigen, um auch markttechnisch endgültig bereinigt zu sein? In Euro sehen die Kurse ohnehin besser aus als in dem hier dargestellten, auf US-Dollar basierten Chart. So kauft man ein bisschen zu und wartet in dem Bewusstsein ab, dass man vielleicht noch öfter zu vergleichsweise günstigen Kursen zum Zuge kommen wird. Einige Notenbanken verhalten sich ganz ähnlich, und die gelten gemeinhin ja als die stärksten Hände am Markt überhaupt. Bei den Käufern physischer Ware ist es also auch nicht das berüchtigte „Pfeifen im Walde“ nach einer Schieflage, sondern eher eine kontinuierliche Verabschiedung aus dem Papiergeld. Dennoch: Kurzfristig wird der Kurs der Edelmetalle weiter an den Terminbörsen gemacht und da ist grundsätzlich alles möglich. Ein massives Anziehen der Goldpreise, gar neue Allzeithochs wünschten sich übrigens auch die meisten Besucher nicht. Dann nämlich hätten wir ganz andere Probleme.

 

Ein Stück vom gelben Kuchen

Und da es sich nicht um eine reine Edelmetall- sondern auch um eine Rohstoffmesse handelte, ergab sich zudem eine gute Möglichkeit, etwas über den Tellerrand hinauszublicken: En vogue ist derzeit beispielsweise das Thema Kobalt. Dem Batterie-Metall wird aufgrund des Booms von E-Mobilität und E-Wirtschaft eine rosige Zukunft vorhergesagt. Auch bei Uran, das vielen in Deutschland als „No Go“-Anlage gilt, ist im Weltmaßstab mit anziehender Nachfrage zu rechnen. Manche Anleger sind daher nur allzu bereit, sich auch selbst ein Stück vom „gelben Kuchen“ zu sichern (die im Verarbeitungsprozess gewonnenen Uran-Verbindungen werden auch als „yellow cake“ bezeichnet). Krypto-Assets, die im vergangenen Jahr gleich in mehreren Präsentationen behandelt wurden, spielten auf den beiden Bühnen in diesmal praktisch keine Rolle mehr. Dennoch erkundigten sich etliche Leser an unserem Stand nach den weiteren Aussichten. Die aber sind in diesem Bereich weiterhin besonders schwer zu beurteilen. Allerdings wird auf die aktuelle relative Ruhe sicher auch wieder ein Kurssturm folgen und der könnte die Krypto-Preise einmal mehr nach oben treiben.

 

Über „Ausschüttler“ und Buffett 2.0

In einem sind sich die besten Experten einig: Auch sie besitzen keine Glaskugel. Auf einer gemeinsamen Veranstaltung der Fondsverwalter DJE Kapital, Acatis und Shareholder Value Management versuchten sich Dr. Jens Ehrhard, Dr. Hendrik Leber und Frank Fischer dennoch darin, die aktuelle Situation an den Börsen einzuordnen. Trotz bisweilen unterschiedlicher Ansätze dominiert derzeit bei allen die Vorsicht. Für Frank Fischer, der u.a. den Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen managt, ist es derzeit vor allem die Markttechnik, die kurzfristig den Takt vorgibt. Trotz des deutlichen Rückgangs im Oktober konnte er bislang noch keinen richtigen „Ausschüttler“ beobachten. Dieser wäre zu einer wirklichen Marktbereinigung jedoch notwendig. Gut möglich, dass die Märkte auch ohne einen Ausverkauf nach oben drehen, in der Zwischenzeit ist Vorsicht jedoch kein Fehler. Positiv stimmt ihn dagegen z.B. der Ausverkauf bei der Apple-Aktie. Dies signalisiere, dass die Anleger sich auch aus den am besten gelaufenen Aktien verabschieden und es offensichtlich derzeit mit der Angst zu tun haben. Dies könnte bereits den Nährboden für eine neuerliche Rally darstellen. Mittelfristig gibt es für Fischer positive sowie negative Faktoren: So ist ein weiterer Zinsanstieg bereits die allgemeine Marktmeinung. Kommt dieser nicht so schnell, wie erwartet, dürfte dies einen positiven Schub geben. Lediglich wenige Marktteilnehmer rechnen dagegen 2019 mit einer Rezession – hier könnte der eine oder andere auf dem falschen Fuß erwischt werden.

Wie Fischer seinen Fonds angesichts dieser Szenarien positioniert, lesen Sie in unserem Interview mit ihm, dass im nächsten Smart Investor erscheint. Statt kurzfristiger Schwankungen interessiert sich Dr. Hendrik Leber dagegen vor allem für die massiven technologischen Umbrüche, die uns in den nächsten Jahrzehnten erwarten. Der Acatis-Chef ist überzeugt, dass Warren Buffett – wäre er heute 50 Jahre jünger – einen anderen Zugang zu diesen Themen finden würde. Zwar bleibt er dessen Philosophie prinzipiell treu, orientiert sich jedoch deutlich mehr an Buffetts kongenialem Kompagnon Charlie Munger und dessen Vorliebe für Qualitätsaktien. In der heutigen Zeit bedeutet dies vor allem, frühzeitig zu erkennen, wo sich sogenannte Lollapalooza-Effekte ergeben. Mit diese Wortschöpfung bezeichnet Munger das Zusammenkommen verschiedener Faktoren oder Technologien, die für sich alleine nichts oder nur wenig bewirken würden, in Kombination jedoch eine enorme Sprengkraft entwickeln. Solche Effekte beobachtet Leber derzeit bei selbstfahrenden Autos, Speichertechnologien, der Robotik oder der Biotechnologie. In exakt diesen Bereichen versucht Leber die besten Unternehmen auf der Welt zu identifizieren. Denn statt disrumpiert zu werden, sollten Anleger nach Möglichkeit auf die Disruptoren setzen. Die Möglichkeiten, die sich dabei bieten, wiegen möglicherweise viele Risiken auf, die sich derzeit an der politischen oder konjunkturellen Front auftun.

 

Neues aus der Schreibstube

Ansonsten fassen wir uns in diesem SIW vergleichsweise kurz, denn wir sind schon wieder mittendrin in der Erstellung des neuen Smart Investor, Ausgabe 12/2018. Dort finden Sie ein Interview mit Dietrich Denkhaus. Wie, Sie wissen nicht, wer das ist? Dann empfehlen wir Ihnen noch einmal die April-Ausgabe des Smart Investor zur Hand zu nehmen. Dort machte sich Denkhaus Gedanken zum weiteren Kursverlauf des DAX im Jahr 2018 auf Basis der sogenannten Elliott-Wellen-Theorie. Und was sollen wir sagen, er traf den Nagel auf den Kopf, wo viele der in den Medien wesentlich bekannteren Analysten lediglich ins Holz gedroschen haben. Grund genug also, sich ganz genau anzuschauen, was Denkhaus für die nächsten anderthalb Jahre erwartet. Ein weiteres Highlight wird ein Gastbeitrag unserer regelmäßigen Kolumnisten im Bereich „Quantitative Analyse“, Werner Krieger und Dr. Werner Koch, sein: Unter der Überschrift „Momentum meets Value“ werden sich die beiden mit dem Zusammenspiel von zwei der bekanntesten Börsenansätze beschäftigen, von denen bereits jeder für sich einen Mehrwert liefert. Aber Smart Investor steht nicht nur für Börse und Wirtschaft, sondern auch für das, was sonst noch so im Umfeld der Wirtschaft passiert – beispielsweise in der Politik: Aktuell befinden wir uns auf der Zielgerade zur Verabschiedung des sogenannten Globalen Paktes für Migration am 10./11. Dezember in Marrakesch. Inzwischen machen allerdings immer mehr jener Länder die Rolle rückwärts, die von der Gesamtheit der UN-Mitglieder als Zielländer der globalen Migration ausersehen wurden, zuletzt Tschechien. In Deutschland wird dieser Lernprozess, der in vielen Ländern in vollem Gang ist, nach aller Erfahrung aber wohl erst nach der Unterzeichnung Früchte tragen. Grund genug, sich schon einmal davor mit einem angeblich vollkommen unverbindlichen Abkommen zu beschäftigen, das von der deutschen Politik dennoch mit Zähnen und Klauen verteidigt wird. Bis aber das neue Heft am letzten November-Wochenende erscheint, nehmen Sie gerne noch einmal die aktuelle Ausgabe zur Hand.

 

Katastrophe voraus!

Wer Smart Investor schon des Längeren verfolgt, weiß um unsere düstere Sicht auf das Währungssystem. Sowohl das weltweite Fiat-Money-System als auch der Euro im Speziellen werden über kurz oder lang massive Probleme bekommen. Und wenn es in die heiße Phase geht, wird auch der Staat Begehrlichkeiten wecken. In unserer aktuellen Ausgabe 11/2018 beschäftigen wir uns mit dem Thema Kapitalschutz in der „finanzpolitischen Endzeit“.  Sichern Sie sich diese Ausgabe, solange wir sie noch vorrätig haben – z.B. im Rahmen eines kostenlosen Probeabonnements unter: Hier klicken

 

Fazit

Die Edelmetalle scheinen das Einzige zu sein, was bei der „Bubble in everything“ beharrlich ignoriert wird. Der harte Kern der physischen Metallkäufer lässt sich davon nicht verunsichern. Dazu gehören auch einige Notenbanken.

© Christoph Karl, Ralph Malisch – Homepage vom Smart Investor

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