Erste Jahreshälfte 2018 - Iridium herausragend, Palladium enttäuschend

Tags: Meinung Analyse Charts Iridium Ruthenium Rhodium Palladium Platin Silber Gold Marktreport vom 09.07.2018 Heraeus Edelmetall Bulletin

Heraeus Edelmetall Bulletin

Die kleinen PGMs waren die Outperformer: In der ersten Jahreshälfte stiegen die Preise von Rhodium, Ruthenium und Iridium um 31 %, 35 % bzw. 45 %. Die Nachfrage nach Iridium und Ruthenium aus der Elektrochemie hat angezogen. Der Rutheniumbedarf in der Elektronikindustrie und die chinesische Rhodiumnachfrage für Autokatalysatoren blieben stabil...

Gold und Silber gaben in der ersten Jahreshälfte um 5 % bzw. 6 % nach. Aufgrund der eskalierenden Handelszölle und der politischen Spannungen wirkten sich die Zufluchtskäufe in den sogenannten „sicheren Hafen“ weniger stark aus als der stabile US-Dollar und die steigenden US-Zinsen. Auch wenn die Inflation steigt, werden es Gold und Silber bei weiterhin starkem Dollar in nächster Zeit nicht einfach haben.

Der Platinpreis gab im ersten Halbjahr um 10 % nach, da die Nachfrageerwartung der beiden größten Abnahmesegmente (chinesische Schmuckindustrie und westeuropäische Autobranche) zurückgegangen ist. Nicht nur Future-Händler haben eine Netto-Short-Position aufgebaut, sondern auch ETF-Anleger verkauften ihre Bestände. Wenn gleich die Stimmung im Keller ist, gilt Platin als überverkauft, sodass es kurzfristig zu einer Erholung des Preises kommen könnte. Längerfristig scheint Platin der mit Abstand schwächste Markt zu sein.

Überraschenderweise ist Palladium dieses Jahr der Verlierer, denn durch die Gewinnmitnahmen nach dem Januar-Hoch musste es einen Preisrückgang von 17 % verzeichnen. Die US-Automobilverkäufe scheinen dieses Jahr abermals nachzugeben, wenngleich der Umsatz in China stabil blieb. Allerdings bleibt die Lage am Markt weiter angespannt, und es braucht lediglich ein wenig mehr Kaufinteresse, damit der Preis seine Aufwärtstendenz wieder fortsetzt.

In Südafrika ist mit Produktionskürzungen zu rechnen. Die Abwertung des Rand gegenüber dem US-Dollar ließ die PGM-Umsätze der Minenbetreiber in der Landeswährung zwar steigen, jedoch erwirtschaften die Minen mit den höchsten Kosten immer noch Verluste, sodass es im späteren Jahresverlauf zu weiteren Kürzungen kommen könnte. Dadurch ist zwar eine Stabilisierung des Platinmarkts möglich, es sinken aber auch die Produktionsmengen der anderen Platingruppenmetalle, wodurch sich das Angebot in den bereits engen Märkten verringert und Palladium einen Schub erhalten wird. Unterdessen können Rhodium, Ruthenium und Iridium die anderen, besser bekannten Edelmetalle weiter übertreffen.

GOLD

Anleger scheinen sich über ihre Beurteilung von Gold nicht sicher zu sein, weil das Edelmetall während der letzten Monate als Reaktion auf diverse Nachrichten nicht von seiner Stellung als sicherer Hafen profitierte. Der Goldpreis erholte sich in der letzten Woche, nachdem er mit 1.238 $/oz einen neuen Tiefstand für das Jahr 2018 erreicht hatte. Dieser Tiefstand war lediglich 2 $/oz von dem im Dezember 2017 erreichten Kurs entfernt. Es bleibt abzuwarten, ob es sich hierbei um den Beginn einer Erholung des Kurses handelt oder schlichtweg eine kurze Pause ist, bevor dieses Unterstützungsniveau nach unten durchbrochen wird. Dem voraus gingen drei aufeinanderfolgende Wochen mit Verlusten, in denen Gold um 3,6 % von 1.299 $/oz auf 1.253 $/oz nachgab, bevor es am Dienstag seinen Tiefstand erreichte. Einen ähnlichen Kurssturz von knapp über 50 $/oz war bei Gold auch im April zu sehen, bevor es sich anschließend innerhalb etwa eines Monates auf rund 1.300 $/oz stabilisieren konnte. Silber erreichte mit 15,77 $/oz ebenfalls einen neuen Tiefstand für 2018. Ausgehend von seinem Preishoch von 17,32 $/oz drei Wochen zuvor ist dies ein Verlust von 9 %. Gold-ETF-Bestände sind seit ihrem Hoch Mitte Mai ebenfalls um 3,3 % (2,4 moz) rückläufig. Solange der US-Dollar stark bleibt, wird der Goldpreis Schwierigkeiten haben, da der starke Dollar nicht nur Gold unter Druck setzt, sondern auch stärkere Zufluchtskäufe auf sich zieht.

Nach drei rückläufigen Jahren in Folge meldete Luk Fook, der zweitgrößte chinesische Juwelier, in seinem Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 2018 (das am 31. März 2018 endete) ein Umsatzwachstum von 13 %. Laut World Gold Council macht die chinesische Schmucknachfrage bereits über ein Sechstel der globalen Goldnachfrage aus. Der erwartete wachsende Reichtum des Landes in den nächsten 5 bis 10 Jahre dürfte die Luxusausgaben steigern und so zu einer höheren Goldschmucknachfrage führen. Luk Fook, Chow Tai Fook und Chow Sang Sang sind die drei größten, in Hongkong notierten Juweliere, die nun alle ein Wachstum des Markts gemeldet haben. Luk Fook zufolge, ist Goldschmuck zwar das Produkt erster Wahl, doch haben auch mit Edelsteinen besetzte Schmuckstücke herausragend abgeschnitten und gegenüber dem Vorjahr um 17,4 % zugelegt, im Vergleich zu einer Wachstumsrate in Höhe von 10,2 % bei den Gold- und Platinprodukten, die 45 % der Einnahmen ausmachte. Luk Fook meldet auch in den ersten Monaten des Geschäftsjahres 2019 eine anhaltend starke Nachfrage. Langfristig ist das Unternehmen aufgrund des Wachstums der Mittelschicht ebenfalls optimistisch. Es weist jedoch auch auf die kurzfristigen Unsicherheiten hin, die aufgrund der geopolitischen Lage und des Handelskriegs zwischen den USA und China entstehen können.

SILBER

Die Umsätze von Silber- und Goldmünzen der US Mint waren in der ersten Jahreshälfte 2018 schwach. Die Verkäufe von Silbermünzen im Juni beliefen sich lediglich auf 435 koz, ein Rückgang um 56 % gegenüber dem Vorjahr. Im bisherigen Jahresverlauf ergeben sich dadurch Verkäufe von 6,8 moz, eine Verringerung um 44 % zum Vorjahr und die schlechteste Performance eines ersten Halbjahrs seit 2007. Gold hingegen erging es ein wenig besser, dennoch gaben die Verkäufe im ersten Halbjahr 2018 um 40 % zum Vorjahr auf 116 koz nach, was ebenfalls der niedrigste Umsatz seit 2007 ist.

Die weltweiten Umsätze mit Halbleitern verzeichneten im Mai die rekordträchtig höchste Monatssumme, so die Semiconductor Industry Association. Der Umsatz belief sich auf 38,7 Mrd. $, was einem Zuwachs von 21 % im Jahresvergleich entspricht und so dem 14. Monat in Folge ein Umsatzwachstum über 20 % beschert. Im Vergleich zu Mai 2016 entspricht dies sogar einem Anstieg um 49 %. Neben der direkten Nachfrage ist der Anstieg der Halbleiterverkäufe auch ein Indikator der Silbernachfrage für Lötlegierungen und Lötzinn, die in der Elektronikindustrie zum Einsatz kommen. Laut den World Semiconductor Trade Statistics, in denen alle Umsatzdaten zusammengetragen werden, wird damit gerechnet, dass die Halbleiterverkäufe 2018 um 12,4 % zunehmen und in allen Marktsektoren und allen Regionen Expansionen stattfinden werden.

PLATIN

Die Gesamtnachfrage nach Platin aus dem chinesischen Automobilsektor könnte 2021 um 300 koz steigen, da China nun seine neuen China-VI-Emissionsstandards einführen wird. Geht man davon aus, dass die Gesetze strikt durch- und zeitnah umgesetzt werden, werden nach Juli 2021 alle neuen Lastkraftwagen mit einem Dieselpartikel lter (DPF) ausgestattet sein. Die großen Nutzfahrzeuge machen derzeit schon mehr als 20 % der Platinnachfrage aus der Automobilindustrie aus; zudem wird aufgrund der Anforderungen der durchschnittliche Platingehalt pro Fahrzeug zunehmen. Mit über zwei Fünfteln des globalen Gesamtabsatzes weist China den höchsten Jahresumsatz für große Nutzfahrzeuge auf.

PALLADIUM

Die US-Automobilverkäufe wuchsen im Juni 5,2 % gegenüber Juni 2017 und die Verkäufe im ersten Halbjahr 2018 sind um 1,9 % gestiegen. Alle bedeutenden Automobilhersteller erlebten im Monatsvergleich ein Wachstum, wobei leichte Nutzfahrzeuge eine Outperformance gegenüber PKWs aufwiesen und sogar die rückläufigen PKW-Umsätze ausglichen. Die Beliebtheit dieses Fahrzeugtyps lässt sich noch immer primär auf die starke US-Wirtschaft und die niedrige Arbeitslosigkeit zurückführen. In der zweiten Jahreshälfte gibt es für den Absatz aber viele unterschiedliche Hemmnisse. Erstens könnten die Zölle auf Aluminium und Stahl zu höheren Fahrzeugpreisen führen. Zweitens könnten auch höhere Benzinpreise negative Auswirkungen haben, sofern sie länger andauern. Sie könnten gegen Neuwagenkäufe, insbesondere von LKWs, sprechen und dadurch zu einer niedrigeren Palladiumnachfrage führen. Drittens wird die Fahrzeugfinanzierung durch steigende Zinsen wieder teurer, was einige Verbraucher aus dem Markt drängen könnte. Abschließend könnten auch die möglichen Zölle auf europäische Fahrzeugimporte Auswirkungen auf die Verkäufe haben. Es ist möglich, dass die Absatzzahlen so stark zurückgehen, dass es zu einem Rückgang der Jahreswerte kommt, was dann zu einer weiteren Schwäche des Palladiumpreises führen könnte.

RHODIUM, RUTHENIUM, IRIDIUM

Die Preise für Iridium und Ruthenium sind am Montag letzter Woche um 10 $/oz bzw. 5 $/oz gefallen – das erste Mal seit nun mehr als neun Monaten, dass ein Preisrückgang verzeichnet wurde. Während dieses Zeitraums kam es bei Iridium und Ruthenium zu 24 bzw. 27 Kursanstiegen. Angesichts des Risikos, in eine kleine Preisbewegung zu viel hineinzuinterpretieren, darf nicht übersehen werden, dass in früheren Fällen, in denen die Kurse nach einem Höchstwert wieder gesunken sind, ein Zeichen für eine Trendwende waren.

Der Spitzenwert für Ruthenium lag im Mai 2010 bei 270 $/oz und ging dann bis zum Oktober desselben Jahres um 33 % auf 180 $/oz, wobei in dieser Zeit lediglich ein einziger Anstieg um 5 $/oz festzustellen war. Im Vergleich dazu erreichte Iridium im Februar 2011 ein Hoch von 1.200 $/oz, woraufhin der Kurs sich dann jedoch eineinhalb Jahre lang seitwärts zwischen diesem Preis und 1.075 $/oz bewegte. Von August 2012 bis Dezember 2013 gab Iridium dann ohne Unterbrechungen um 58 % auf 450 $/oz nach.

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