Flash-Crash am Währungsmarkt: Die Tücken im liquiditätsarmen Handel...

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Gold- und Silberanleger kennen aus mach bitterer Erfahrung der letzten Jahre, was im Übernacht-Handel so alles möglich ist. Das Handelsaufkommen ist dort über das ganze Jahr in der Regel nicht so liquide, kommen dann noch Feiertage hinzu, wo Großbanken mit wenigen Händlern auskommen müssen, kann schon mal „ein Malheur“ passieren. Andere würden vielleicht an dieser Stelle auch von einer Einladung zur Manipulation sprechen..., aber das Jahr ist noch jung und wir wollen deshalb nicht polemisch werden.

Heute Nacht traf es den USD zum japanischen Yen. Binnen Minuten rauschte das Währungspaar von 109.00 bis auf 104.84 nach unten (was die Halter von Knock-outs auf einen steigenden USDJPY auf den Friedhof der Zertifikateindustrie geschickt haben dürfte). War es eine verkettete Liquidation aus dem Zusammenbruch der Apple-Aktien nach Geschäftsschluss, wie einige durch Reuters befragte Marktteilnehmer vorschlugen, die diesen Flash-Crash verursachte? Man vermutete, dass eine Apple-Kauf-Position mit einem FX (Währungskorb) Carry long Trade abgesichert war, der abgewickelt werden musste und damit mehrere FX-Währungspaare weltweit abstürzen liess. Laut Reuters erzielte der USDJPY mit über 4 „big Figures“ den größten Rückgang seit dem Jahr 2009 und fiel dabei gleichzeitig auf den tiefsten Stand seit über zwei Jahren.

Die nachfolgenden Charts stammen von zerohedge.com

 

Der JPY steigt auf das höchste Niveau gegen den USD seit November 2016...

zusätzlich zum JPY, crashed auch der australische Dollar (AUD)...

Das sendet das Währungspaar AUDJPY auf den tiefsten Stand seit 2009...

Die türkische Lira (TRY) stürzt ebenfalls zum USD ab, als die Abwicklung eines großen Carry-Trades zuschlägt.

Währenddessen in China der Offshore Yuan abstürzte.

Genau wie das britische Pfund Sterling zum USD.

 

"Die Nachrichten von Apple sorgen für Zuflüsse in sichere Häfen, wobei scheinbar ein Flash-Crash in FX ausgelöst wurde", sagte Brad Bechtel, Global Head of FX bei Jefferies, gegenüber Bloomberg.

Zerohedge schreibt dazu: "Reuters meldet dies als die größten Devisenbewegungen seit 2009. Offensichtlich verschärft wurde die Bewegung durch die schlimmste Phase an Devisenliquidität, die jedoch 'wahrscheinlich nur eine kleine Panne‘ ('probably just a little glitch') ist, wie der US-Präsident es nennen würde."

Ray Attrill, Leiter der Devisenstrategie der National Australia Bank Japanese, sagte, dass es keinen klaren Katalysator für diesen Schritt gab, und meinte, dass Privatanleger hinter den starken Währungsschwankungen stecken könnten: "AUD / JPY ist eines der aktiveren Paare, die vom japanischen Einzelhandel gehandelt werden. Ich könnte mir vorstellen, dass wahrscheinlich Algorithmen nach dem ersten Lauf involviert waren."

Zerohedge erinnert daran zu denken, dass Japan für den Rest der Woche geschlossen bleibt, was die Illiquidität des Marktes erhöht. Trotzdem mag es ratsam sein, so Zerohedge, dass die BOJ angesichts dieser scharfen Bewegungen etwas sagt.

Der mehrfache Flash-Crash trat auf, als die Devisenterminkontrakte geschlossen waren, was darauf hindeutet, dass es eher geldmarktorientiert, als marginbedingt durch Devisentermingeschäfte war.

Obwohl sie sich nach Wiedereröffnung schnell wieder erholten ...

Die scharfen Bewegungen zogen ansteckende Käufe in sichere Häfen nach sich.

Der Goldpreis schoss nach oben...

Und die Renditen der US Treasury taumelten.

Soweit die Ausführungen u.a. von Zerohedge.

Folker Hellmeyer schreibt dazu heute in seinem Forex-Report:

"Die letzten 24 Handelsstunden lieferten einen fulminanten Beleg für die negative Markt- und Wirtschaftspsychologie losgelöst von Fakten. Es gibt derzeit offensichtlich förmlich eine Lust am negativen Narrativ.

Sie lieferten auch ein weiteres Indiz, dass die von Computern und Algorithmen geschaffene Liquidität aus den vernetzten Systemen die Funktionalität der Märkte im Sinne der Markteffizienz, die irrtümlich immer noch an Universitäten gelehrt wird, nur bedingt herstellen kann.

Die Liquidität der Computer gibt es in unkritischen Zeiten. Dieses System versagt meistens dann, wenn Liquidität bitter notwendig ist. Offensichtlich ist dieses System prozyklisch und damit systemisch gefährlich.

Die Gedanken schweifen zurück in die 80er und 90er Jahre, als der Finanzsektor noch "Marketmaker" lieferte, die sich verpflichteten auch in Sturmzeiten die notwendige Liquidität darzustellen. Das schaffte eine andere Qualität der Belastbarkeit. Ergo fehlt den heutigen Märkten ein Stück weit der Faktor Mensch!"

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