Florian Grummes: Silber - Weiter unter Druck!

Tags: Meinung Analyse Charts Silber in Euro Silberminen Silber pro aurum Silberedition 11.09.2018 Florian Grummes Sentiment Terminmarkt Saisonalität COT-Daten

Der Edelmetallsektor bleibt weiterhin unter Druck. Zwar kann sich der Goldpreis bislang klar über dem am 16.August erzielten Tiefpunkt von 1.160 USD halten, wirklich überzeugend ist diese Erholung aber nicht. Vielmehr drängt sich zunehmend der Eindruck auf, dass es sich hier nur um eine Zwischenkonsolidierung auf dem weiteren Weg gen Süden handelt.

Diesen Eindruck bestätigt Silber bereits seit Tagen aufgrund der neuen Tiefs. Obwohl die technische Lage schon seit Wochen extrem überverkauft ist und die  Terminmarkt-Daten eine antizyklische Traumkonstellation liefern, sind noch immer keine nachhaltigen Trendwendesignale auszumachen.

Das zähe und mühsame Kursgeschehen könnte daher wie so oft in der Vergangenheit mit einem weiteren Kursrutsch aufgelöst werden. Dabei sind für Silber zunächst der Tiefpunkt vom Dezember 2015 im Bereich um 13,65 USD als Zielmarke zu nennen. Ein nachhaltiger Anstieg über 14,30 USD eröffnet jedoch die Chance für eine Erholung bis mindestens 15,00 USD.

Gold hingegen könnte einen Doppelboden oder auch ein höheres Tief ausbilden. Unterhalb von 1.185 USD steigt die Wahrscheinlichkeit allerdings an, dass die nächste Zielmarke im Bereich um 1.120 – 1,130 USD angelaufen werden wird. Auf der Oberseite benötigen die Bullen einen Anstieg über 1.210 USD, um die Fortsetzung der Erholung im Richtung 1.240 USD bzw. 1.265 USD zu bestätigen.

Insgesamt ein sehr vielversprechendes antizyklisches Setup. Noch sitzen die Bären aber relativ fest im Sattel.

Lesen Sie jetzt die komplette Silber-Analyse mit den dazugehörigen Charts von Florian Grummes:

1. Silber in USD

Rückblick:

Ausgehend von 14,32 USD konnte sich der Silberpreis in den letzten vier Wochen nur vorübergehend erholen. Denn im Gegensatz zum Goldpreis krabbelte Silber nur mühsam bis auf 15,00 USD. Dort endete die überschaubare Gegenbewegung bereits am 28. August. In der Folge konnten die Bären die Notierungen auf neue Tiefs knapp oberhalb von 14,00 USD drücken.

Bislang hat sich Silber von dieser neuerlichen Attacke nicht erholen können. Vielmehr geriet die psychologische Marke von 14,00 USD gleich zu Wochenauftakt wieder unter Druck. Eine Trendwende war bislang nicht zu erkennen.

Aufgrund des schwachen Silberpreises ist das Gold/Silber-Ratio mittlerweile auf fast 85 Punkte angestiegen und sendete damit erneut deflationäre bzw. warnende Signale.


Silber Monatschart:

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Auf seinem logarithmischen Monatschart war der Silberpreis im August klar unter die langjährige Aufwärtstrendlinie gerutscht. Konsequenterweise sind die Notierungen in den letzten Wochen daher tief in die breite Unterstützungszone oberhalb von 14,00 USD weiter abgetaucht. Das Tief vom Dezember 2015 bei 13,62 USD gerät damit zunehmend in den Fokus der Marktteilnehmer.

Gleichzeitig ist der Monatschart aber laut dem Stochastik Oszillator massiv überverkauft. Zwar ist der Trend des Indikators weiterhin gen Süden gerichtet, viel Platz nach unten gibt es hier aber nicht mehr. Ebenso nähert sich der RSI-Indikator zunehmend der überverkauften Zone. Der MACD-Indikator hingegen hat in den letzten Monaten erst langsam nach unten gedreht und bestätigt den intakten Abwärtstrend.

Insgesamt wiegt der Bruch der Aufwärtstrendlinie weiterhin schwer. Der Monatschart ist zwar zunehmend überverkauft, die Bewertung muss aber trendfolgend mit „bärisch“ ausfallen. Weitere Rücksetzer in Richtung 13,65 USD sind wahrscheinlich.


Silber Wochenchart:

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Auf dem logarithmischen Wochenchart hat sich je nach Interpretation in den letzten zweieinhalb Jahren ein symmetrisches oder ein absteigendes Dreieck entwickelt. Beide Dreiecksarten wurden in jedem Fall nach unten aufgelöst. Der Unterschied liegt in der Ermittlung des theoretischen Kurszieles!

Das symmetrische Dreieck in Rot hat dabei das Problem, dass seine Unterkante erst mit dem Tief vom letzten Dezember wirklich definiert werden konnte. Dadurch ist die von einer konsistenten Welle definierte Höhe relativ niedrig. Trägt man diese Strecke von der Ausbruchsstelle ab, landet man ungefähr bei den aktuellen Kursniveaus um 14,00 USD. Demnach wäre das schlimmste überstanden und Silber mitten in der Bodenfindung.

Legt man hingegen das absteigende Dreieck in Orange zugrunde, war erst das Unterschreiten der Marke um 15,65 USD der Genickbruch und der entscheidende Ausbruch nach unten. Trägt man im nächsten Schritt die eindeutig nachvollziehbare Höhe des absteigenden Dreiecks nach unten ab, sind Kurse um 12,00 USD zu erwarten.

Daraus lässt sich zumindest ableiten, dass Silber die Zone um 13,65 - 14,10 USD halten muss, andernfalls wird das nächste Kursziel im Bereich um 12,00 USD aktiviert.

Negativ und weiterhin äußerst ungünstig präsentiert sich in diesem Zusammenhang der Stochastik Oszillator auf dem Wochenchart. Hier bewegen sich beide Signallinien seit Anfang Juli "bärisch eingebettet" unterhalb von 20 und haben damit den Abwärtstrend festgezurrt. Der RSI Indikator ist ebenso in die überverkaufte Zone abgetaucht. Jedoch deutet der RSI Indikator an, dass die Bären es momentan wohl übertreiben.

In der Summe sorgt die bärisch eingebettete Stochastik für eine "extrem bärische" Bewertung des Wochencharts. Erst wenn sich die Stochastik aus der Umklammerung der Bären befreien kann, wird eine größere Erholung in Richtung von 15,50 USD möglich.


Silber Tageschart:

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Auf dem logarithmischen Tageschart scheiterte die Erholung am Silbermarkt im August an der psychologischen Marke um 15,00 USD. Der Abverkauf führte die Notierungen bis auf knapp 14,00 USD zurück. Seitdem kommt der Silberpreis nicht auf die Beine. Beurteilt man nur dieses äußerst schwache Verhalten der letzten Tage, müssen wir von einer unmittelbaren Fortsetzung der Abwärtswelle ausgehen. 

Dementgegen stehen eigentlich nur die überverkauften Indikatoren. Von einer Trendwende ist aber weder bei der Stochastik noch beim MACD etwas zu sehen. Immerhin entwickelt sich beim RSI eventuell eine positive Divergenz

Zusammengefasst ist der Tageschart kurzfristig "bärisch" einzustufen. Es scheint als wäre eine weitere Abwärtswelle nur eine Frage der Zeit. Wiederholt sich das Muster vom August, dürfte es nach einer mehrtägigen Konsolidierung weiter gen Süden gehen. Nächstes Ziel wäre dann der Tiefpunkt vom Dezember 2015 bei 13.60 USD. Jederzeit mögliche Erholungen dürften hingegen im Bereich um 15,00 USD auf starken Widerstand treffen.


2. CoT-Report:

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Laut dem am letzten Freitag veröffentlichten CoT-Bericht hielten die kommerziellen Händler zum Stichtag 4.September eine Netto-Long-Position in Höhe von 14.613 Kontrakten! Diese Konstellation ist einmalig in den letzten 25 Jahren.

Seit Mitte Juni haben sich die Verhältnisse am Silberterminmarkt dramatisch verschoben. Insbesondere die spekulativen Großanleger (Non-Commercials) sind in dieser Zeit massiv auf die Shortseite gewechselt und halte jetzt eine rekordhohe Shortposition von 104.482 Kontrakten. Das entspricht mehr als der Hälfte der Weltjahresproduktion. Die kommerziellen Händler (Profis) hingegen sind wie immer auf der Gegenseite positioniert und setzen damit mittelfristig auf einen Anstieg am Silbermarkt.

Normalerweise müsste die aktuelle Konstellation zugunsten der Profis und mit deutlich steigenden Silberpreisen aufgelöst werden. Allerdings kann sich die Lage kurzfristig durchaus auch noch weiter verschärfen.

Insgesamt liefert der aktuell vorliegende CoT-Report sowohl für Silber als auch für Gold ein extrem bullisches Kauf-Signal. Derart starke, antizyklische Signale müssen sich aber nicht sofort auf den Preis auswirken. Außerdem waren derartige Konstellation auch häufig während dem 20jährigen Bärenmarkt in den 1980er und 1990er Jahren zu beobachten.


3. Sentiment:

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Die Sentimentdaten für den Edelmetalsektor liefern weiterhin eine sehr pessimistische Einstellung der Marktteilnehmer. Insbesondere beim Silber kann man durchaus von Angst und Panik sprechen. Bezüglich Gold ist die Stimmung aufgrund des etwas konstruktiveren Kursverlaufes nicht ganz so extrem. Aber auch für die Minenaktien und Platin nähern sich die Werte ganz klar einer antizyklischen Kaufchance.

Insgesamt liegt vor allem für Silber ein starkes antizyklisches Kaufsignal vor.


4. Saisonalität:

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Seit Ende Mai hält sich der Silberpreis in diesem Jahr überhaupt nicht mehr an sein über Jahrzehnte etabliertes saisonales Muster. Gemäß der saisonalen Komponente hätte eigentlich spätestens im Juli eine Sommerrally starten sollen. Bislang ist davon nichts zu sehen. Vielmehr ist der Silberpreis seit Anfang Juni massiv unter Druck geraten.

Natürlich ist die Saisonalität nur eine Blaupause und man darf auf gar keinen Fall blind auf die saisonalen Zyklen vertrauen. 

Dennoch scheint etwas Grundsätzliches nicht zu stimmen. Insofern ist die Analyse der Saisonalität aktuell wenig hilfreich, denn der typische Verlauf wäre jetzt ein starker September und im Anschluss eine Korrektur bis Anfang November.

Unabhängig von der krassen Abweichung in diesem Jahr liefert die saisonale Komponente trotzdem und weiterhin ein klares Kaufsignal.

 

5. Silber in EUR

Rückblick:

Seit dem Hoch am 15. Juni bei 15,32 EUR ist der Silberpreis auf Eurobasis in zwei Schwüngen deutlich nach unten gerutscht. Die erste Abwärtswelle drückte die Notierungen bis auf 13,10 EUR, die zweite Welle brachte am vergangenen Freitag einen neuen Tiefpunkt bei 12,09 EUR. Eine wirkliche Gegenbewegung, geschweige denn eine Erholung, war in den letzten drei Monaten bislang nicht zu beobachten.


Euro-Silber Tageschart:

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Seit dem Rutsch unter die Unterstützungszone oberhalb von 13,00 EUR hat der Silberpreis auf Eurobasis bereits knapp 8% eingebüßt. Diese schwache Vorstellung schlägt sich mittlerweile in der bärisch eingebetteten Stochastik wieder. Der Abwärtstrend ist damit bis auf weiteres festgezurrt. Gleichzeitig meldet der RSI aber einen stark überverkauften Zustand. Man kann also sagen, dass der Ball hier tief unters Wasser gedrückt wurde und prinzipiell jeden Moment nach oben zurückschnalzen könnte.

Bislang sind aber überhaupt keine Trendwendesignale erkennbar. Vielmehr notiert Euro-Silber auf dem tiefsten Stand seit dem Dezember 2015. Es scheint, als ob die damaligen Tiefs um 11,56 EUR in den kommenden Tagen bzw. Wochen angelaufen und getestet werden. Im Anschluss sollte es aber aus der breiten Unterstützungszone 11,50 - 12,00 EUR zu einer größeren Erholung kommen.

Zusammengefasst ist der Tageschart aufgrund der eingebetteten Stochastik mit "extrem bärisch" einzustufen. Erst wenn eine der beiden Signallinien der Stochastik über 20 steigen kann, wird eine Erholung in Richtung der 50-Tagelinie (13,11 EUR) möglich.


Handelsempfehlung:

Auch wenn die schwache Preisentwicklung wenig Freude macht, gilt es trotzdem auf die Chancen zu fokussieren. So günstig wie aktuell gab es Silber seit fast drei Jahren nicht mehr. Achtet man zudem auf das Gold/Silber-Ratio, wird schnell klar, dass Silber derzeit stark unterbewertet ist.

Um und unterhalb von 12,00 EUR bietet physisches Silber daher langfristig ein sehr gutes Chancen/Risiko-Verhältnis und sollte mit vernünftigen Positionsmanagement weiter akkumuliert werden.

 

6. Zusammenfassung & Konklusion

Der Edelmetallsektor bleibt weiterhin unter Druck. Zwar kann sich der Goldpreis bislang klar über dem am 16.August erzielten Tiefpunkt von 1.160 USD halten, wirklich überzeugend ist diese Erholung aber nicht. Vielmehr drängt sich zunehmend der Eindruck auf, dass es sich hier nur um eine Zwischenkonsolidierung auf dem weiteren Weg gen Süden handelt.

Diesen Eindruck bestätigt Silber bereits seit Tagen aufgrund der neuen Tiefs. Obwohl die technische Lage schon seit Wochen extrem überverkauft ist und die  Terminmarkt-Daten eine antizyklische Traumkonstellation liefern, sind noch immer keine nachhaltigen Trendwendesignale auszumachen.

Das zähe und mühsame Kursgeschehen könnte daher wie so oft in der Vergangenheit mit einem weiteren Kursrutsch aufgelöst werden. Dabei sind für Silber zunächst der Tiefpunkt vom Dezember 2015 im Bereich um 13,65 USD als Zielmarke zu nennen. Ein nachhaltiger Anstieg über 14,30 USD eröffnet jedoch die Chance für eine Erholung bis mindestens 15,00 USD.

Gold hingegen könnte einen Doppelboden oder auch ein höheres Tief ausbilden. Unterhalb von 1.185 USD steigt die Wahrscheinlichkeit allerdings an, dass die nächste Zielmarke im Bereich um 1.120 – 1,130 USD angelaufen werden wird. Auf der Oberseite benötigen die Bullen einen Anstieg über 1.210 USD, um die Fortsetzung der Erholung im Richtung 1.240 USD bzw. 1.265 USD zu bestätigen.

Insgesamt ein sehr vielversprechendes antizyklisches Setup. Noch sitzen die Bären aber relativ fest im Sattel.

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© Florian Grummes

Quelle: pro aurum Silberedition vom 11.09.2018

 

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