Hannes Zipfel: Ausblick 2019 - Gold zeigt vier Asse

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Die Ausgangslage für 2019 ist brisant. Die Weltwirtschaft befindet sich nach einer der längsten und vor allem künstlichsten Wachstumsphasen der modernen Wirtschaftsgeschichte (Nullzins-Ära) nun an einem zyklischen Wendepunkt. In einigen Regionen der Welt (z.B.: Türkei, Argentinien, Italien, China etc.) ist dieser bereits überschritten. Auch die größte Volkswirtschaft der Welt, die USA, zeigt überraschend früh nach dem Inkrafttreten der Trumpschen Steuersenkungen und Deregulierungen deutliche Anzeichen einer Abkühlung. Konnten im zweiten Quartal diesen Jahres noch annualisiert 4,2% Wachstum erreicht werden, werden es nach 3,5% im dritten Quartal nur noch 2,5% im Schlussquartal 2018 sein. Die Trump-Administration prognostizierte für die Folgejahre der Steuersenkungen einen regelrechten Wachstumsboom. Durchschnittlich erwartete man 3,5% Wachstum pro Jahr mit in der Spitze über 6% Wachstum im ersten Jahr der Fiskal- und Deregulierungsreformen (mit danach abnehmender Tendenz).

Der Ausblick für das kommende Jahr schwankt nun jedoch zwischen moderater Wachstumsabschwächung Richtung 3% bis hin zu einer Stagflation (Nullwachstum bei andauerndem Teuerungsdruck). Der IWF, die Weltbank, die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ - die Bank der Zentralbanken) sowie diverse Think-Tanks und sogar Notenbanklegenden wie Alan Greenspan warnen mittlerweile vor einer globalen Wachstumsabkühlung mit gravierenden Folgen für die Finanzmärkte. Auch deutsche Wirtschaftsforschungsinstitute revidieren ihre Wachstumsprognosen nun im Quartalstakt nach unten.

Am deutlichsten formulierte die BIZ in ihrer jüngsten Lagebeurteilung die Herausforderungen, mit denen die Weltwirtschaft im kommenden Jahr konfrontiert sein wird:

  1. Überreifer Konjunkturzyklus
  2. Starker Anstieg der Verschuldung in den letzten zehn Jahren (weit über das Niveau der letzten Finanzkrise hinaus)
  3. Restriktive Geldpolitik
  4. Schwellenländerwährungskrisen
  5. Zunehmender Protektionismus (Handelskriege)
  6. Verschärfung der geopolitischen Lage (kein wirklich neues Phänomen).

Sucht man hingegen nach positiven Impulsen, wie sie im Jahr 2018 besonders die US-Wirtschaft gepusht haben (aber schlussendlich verpufft sind), findet man nichts ansatzweise in dieser Dimension. Es sei denn, und hier wird es speziell für den Kapitalmarktausblick sehr interessant, es findet eine sowohl qualitative als auch quantitative Wende in der Geldpolitik statt (Zinsen wieder runter und Geldmenge wieder rauf) mit im Anschluss von den Notenbanken finanzierten Fiskalstimuli (Steuersenkungen, Konjunkturprogramme). 

Dieser bedeutende Umschwung in der Geldpolitik ist die Voraussetzung für die Vermeidung einer neuerlichen Weltwirtschaftskrise á la 2008 ff.. Diese Wende bedeutet aber für die Finanzmärkte noch viel mehr Schmerz, da hierfür erst die realwirtschaftlichen Daten in den Rezessionsmodus übergehen müssen (auch die Unternehmenszahlen). Dies gilt besonders für die USA. Dies hat der Fed-Chef Jerome Powel auf der letzten Pressekonferenz im Anschluss an das FOMC- Meeting (Entscheidungsgremium des Federal Open Market Committee)  klar gemacht. Bevor also die verantwortlichen Notenbanker bereit sind, ihren "Normalisierungskurs" bezüglich der Zinsen und der aufgeblähten Notenbankbilanz wieder umzukehren, muss sich die Lage an den Finanzmärkten und in der Wirtschaft nochmals spürbar verschlechtern. Das ist quasi eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Fakt ist, dass die historisch einmalig hohen Schulden weder jemals getilgt werden können, noch tragbar sind, sobald nennenswerte Zinsen auf diese entrichtet werden müssen. 

Mit Beginn des kommenden Jahres fällt die Welt zudem noch tiefer in ein Liquiditätsloch, da seit Oktober diesen Jahres die Geldpolitik weltweit in Summe restriktiv ist. Der Gläubiger der letzten Instanz (die Notenbanken) ziehen sich aus dem Kreditmarkt zurück. Ein Alternativgläubiger ist auf diesem Planeten nicht in Sicht. Diese neue Realität wird für die Märkte das Hauptproblem in 2019, da in den Jahren zuvor v.a. die US-Notenbank und die EZB diverse Schuldpapiere massenhaft aufkaufte (die FED auch Hypothekenschulden). Ab Januar stellt nun auch die EZB die Käufer neuer Anleihen ein (auch Unternehmensanleihen). Das wird ein Schock, nicht nur für Italien. Die neuerliche Ingangsetzung europäischer Rettungsmechanismus ist damit in 2019 vorprogrammiert.

Abgeleitet aus dieser Ausgangslage hier mein Kernszenario für 2019:

Weitere Abschwächung der Weltwirtschaft

  1. Verschärfung der Kreditkonditionen in nahezu allen bedeutenden Währungsräumen
  2. Liquiditätsinduzierte Baisse an den Aktienmärkten
  3. Rückkopplung der Vermögensverluste bei Aktien, Immobilien und Anleihen unterdurchschnittlicher Bonität auf die Konsumausgaben, die Investitionen, die   Aktienrückkaufvolumina (die in 2018 sinnlos verpufften) und schließlich, mit typischer zeitlicher Verzögerung, auf den Arbeitsmarkt.
  4. Erste Panikreaktionen an den Börsen in Folge negativer Gewinnerwartungsrevisionen der Unternehmen ab Mitte Januar (Höhepunkt der "Blackout Period" um den 10. Januar).
  5. Weiterer Schock in Folge des sich Niederschlagens der Finanzmarktturbulenzen in den realen Konjunkturdaten
  6. Einleitung der geldpolitischen Wende in den USA, Europa und China (erste Notzinssenkung der Fed wahrscheinlich schon im Mai 2019).

Eine Anlageklasse, die während des künstlich verlängerten "Aufschwungs" der Schuldenwirtschaft ein Schattendasein führte, wird im kommenden Jahr reüssieren: die  monetären Edelmetalle Gold und Silber und deren Produzenten.

Wie formulierte es der Ökonom Prof. Thorsten Polleit in seiner jüngsten Kapitalmarkteinschätzung so treffend: "Gold ist eine Portfolioabsicherung mit Renditepotenzial". Noch arbeiten Gold, Silber und die Minen an der Vollendung einer Bodenbildung. Der Goldpreis konnte seinen charttechnisch wichtigen gleitenden 200-Tagedurchschnitt schon überwinden. Die Ausgangslage für Gold für das Jahr 2019 ist geradezu idealtypisch: Krisensymptome und eine absehbare Wende hin zu erneut extrem laxer Geldpolitik.

Die Vier Asse des Goldes:

1. Ass: Die Bewertung

Ausgehend von der Angebots-/ Nachfrage-Balance, der sehr konstruktiven Terminmarktstruktur (COT), den Produktionskosten sowie der extrem geringen Gewichtung des Edelmetalls in den großen Vermögensverwaltungsportfolios ist das gelbe Edelmetall gegenüber Aktien, Immobilien und Anleihen klar unterrepräsentiert und unterbewertet.

2. Bewährter Krisenschutz

Bereits in der letzten Finanz- und Schuldenkrise konnte Gold sein Potenzial als Krisenschutz-Investment voll ausspielen (die Dimension der Schuldenkrise ist heute noch deutlich größer)

3. Counterparty Risk

Gold beinhaltet kein Gegenparteirisiko (wie bei Anleihen aller Art) und ist anders als Aktien bei Krisen unabhängig von Unternehmensgewinnentwicklungen und bietet gegenüber Immobilien eine exzellente Liquidität und Fungibilität.

4. Rendite

Als Leuchtturminvestment mit im Vergleich zu anderen Märkten relativ kleiner Kapitalisierung bietet der Goldmarkt selbst in Phasen von liquiditätsbedingten Aktien-Baissen eine echte Renditealternative und ist quasi in einem Meer roter Zahlen ein positives Leuchtturminvestment. Quasi ein Must-have. Ein Investment, das Investoren und Spekulanten anzieht, die Renditen zwangsläufig erwirtschaften müssen und auf jeden dazu geeigneten Trend draufspringen (die Lektion der Goldpreisentwicklung von 2008 bis 2011  haben die meisten Geldanlageprofis sicher nicht vergessen).

Für die Minengesellschaften und ihre Gewinnentwicklung ist eine Entwicklung entscheidend: die Preisentwicklung des geförderten Rohstoffs Gold (und Silber). Für die kommenden Jahre werden die monetären Edelmetalle und deren Förderer die Renditestars der Finanzmärkte sein. Ja, damit spreche ich mein Buch. Aber dieses Buch (Minenportfolio) basiert ja gerade auf meinen Schlussfolgerungen - nicht umgekehrt.

© Hannes Zipfel

 

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