Löcher in der Matrix - Klimagerechte Einheitsmeinung?

Tags: Klimagerechte Einheitsmeinung? Ralph Malisch Löcher in der Matrix Smart Investor

von Ralph Malisch

Spätestens seit der EU-Wahl vom 26.5. wissen wir, dass kein Thema die Menschen so bewegt, wie das Klima – zumindest in Westdeutschland. In keinem anderen (Teil-)Staat der Europäischen Union ließen sich auch nur annähernd so viele Wählerstimmen mit der Sorge um die Entwicklung des Klimas sammeln. In keinem anderen (Teil-)Staat der Union gehen Kinder und Jugendliche so nachhaltig während der Schulzeit auf die Straße wie hier.

Nach dem radikalen deutschen Atomausstieg aufgrund des in Folge eines Tsunami havarierten Kernkraftwerks im japanischen Fukushima soll hierzulande nun mit vergleichbarem Eifer der Kohleausstieg erfolgen. Allerdings mochte die Welt der deutschen „Vorreiterrolle“ schon beim Atomausstieg nicht recht folgen: So plant alleine Japan derzeit neun neue Kernreaktoren, in China, Russland, den USA und Indien sind es sogar jeweils deutlich mehr. Ganz so ein Auslaufmodell, wie man uns weismachen will, scheint die Kernenergie also nicht zu sein – zumindest im Hinblick auf den CO2-Ausstoß.

Und prompt sind wir wieder mitten in der Klimadebatte, die eigentlich nie wirklich stattgefunden hat. Inzwischen wird so getan, als sei Panik – „Ich will, dass ihr in Panik geratet“ (Greta Thunberg) – die einzig vernünftige Reaktion auf das Thema; so als ob Panik je in irgendeiner Sache ein guter Ratgeber gewesen wäre?! Im Gegenteil, Panik wird in der Regel von denjenigen erzeugt, die – aus welchen Gründen auch immer – nicht wollen, dass man einen kühlen Kopf behält. Auch der Satz des Youtube-Shootingstars Rezo „Es gibt nur eine legitime Meinung“ ist in diesem Zusammenhang äußerst entlarvend. Der Münchner Enthüllungsjournalist Gerhard Wisnewski fühlt sich da sogar an die Zeiten von Maos Kulturrevolution erinnert, in der die Jugend von der politischen Führung massiv aufgehetzt und gegen das verbliebene Bürgertum instrumentalisiert wurde. 

Dabei ist der (menschengemachte?) Klimawandel vor allem ein Thema für die Wissenschaft. Und dort geht es nun einmal nicht um Meinungen oder Mehrheiten, sondern um Daten, Kausalitäten, Theorien und Experimente. Insofern ist es grundsätzlich verfehlt, wenn in der Wissenschaft Meinungen und Mehrheiten bemüht werden, weil daraus eben ganz grundsätzlich keine Aussage über deren Wahrheitsgehalt abgeleitet werden kann. Auch Galileo Galilei stand mit seinen Erkenntnissen vergleichsweise einsam in seiner Zeit, um einen der berühmteren Fälle zu nennen. Interessanterweise stand er nicht deshalb alleine, weil er auf dem Holzweg war, sondern weil seine Erkenntnisse Machtfragen berührten. Keine Parallelen beabsichtigt.

Wenn man sich in der Sache etwas wünschen dürfte, dann wäre dies vielleicht etwas weniger Hysterie und Hüpfen und ein etwas unaufgeregterer Austausch von Argumenten durch diejenigen, die in der Sache wirklich etwas zu sagen haben. Insofern ist die Initiative des ehemaligen FocusMoney-Redakteurs Oliver Janich #OLIWILLREDEN, mit der er eine solche, an der Sache orientierte Debatte einfordert, zu begrüßen. Man darf gespannt sein, wer letztlich seinen Hut in die Arena der Argumente werfen wird und wer kneift.

© Ralph Malisch – Homepage vom Smart Investor

Photo by Markus Spiske

Hinweis: Meinungen oder Empfehlungen geben die Einschätzung des jeweiligen Verfassers oder Interviewpartners wieder und stellen nicht notwendigerweise die Meinung der „Metallwoche“ oder deren Betreiber dar. Der vertretene Standpunkt spiegelt nicht die Meinung des Website-Betreibers und stellt keinerlei Aufforderung zum Kauf-/Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Anlagemöglichkeiten dar. Beachten Sie bitte auch unseren Disclaimer!

Kommentare

Sie sind nicht eingeloggt! Sie können Kommentare nur sehen, wenn Sie eingeloggt sind und ein aktuelles Abonnement besitzen. Log-In