Ruhe vor dem nächsten Stürmchen?

Tags: Folker Hellmeyer Forex-Report vom 22.02.2019 Meinung Analyse Wirtschaft Eurozone USA Trump Solvecon Invest GmbH

von Folker Hellmeyer

Österreichs Kanzler besuchte US-Präsident Trump. Er sagte nach seinem Besuch im Weißen Haus, dass das Verhältnis zwischen US-Präsident Trump und Kanzlerin Angela Merkel/Deutschland von Trump als sehr kritisch beschrieben wurde. Durch die starken deutschen Exporte sei Deutschland besonders im US-Fokus.

Voraussichtlich wird Präsident Trump jetzt Lösungen im Handelskonflikt mit China erreichen, um dann im bilateralen Verkehr Deutschland als ökonomisches Herzstück der Eurozone/EU anzugreifen. Anders lassen sich die Verlautbarungen aus dem Weißen Haus in den letzten Wochen und Monaten nicht interpretieren.

Donald Trump bezeichnete Deutschland offen im Juli 2018 als Feind. In der Tat ist die Eurozone mit dem Kernstück Deutschland eine Herausforderung für die USA unter Machtgesichtspunkten.

Stellen Sie sich einmal vor, dass die Eurozone mit circa 60% aller "Hidden Champions" (=innovativer Kapitalstock = Zukunftsfähigkeit) bei nur 4,6% der Weltbevölkerung, bei sanierten Haushalten (im Gegensatz zu den USA) und einer erfrischend aktiven Handelsbilanz (im Gegensatz zu den USA) politisch gemeinsame Sache machen würde?

Stellen Sie sich vor, dass wir die Herausforderung aus den USA annehmen würden und den - "Hardware/Software/Internet-Airbus" (Tom Enders brachte das bereits vor Jahren ins Spiel) auf die Beine stellten und damit die Lehren aus den Snowden Veröffentlichungen ziehen würden, um unsere Sicherheit und Souveränität ernsthaft zu verteidigen? Der Airbus war am Anfang teuer, aber am Ende eines der erfolgreichsten Projekte Europas. Dank an Franz Josef Strauß! So wäre es auch hier!

Die USA waren erfolgreich, östliche Länder der EU an ihre Seite zu ziehen und gegen Europa zu mobilisieren und damit die Politik des "divide et impera" fortzusetzen. Die östlichen Länder der EU sollten sich fragen, wie belastbar dieser US-Schulterschluss ist, denn die USA kennen laut Kissinger & Co. keine Freunde, sondern nur Partner für ihre Zwecke. Die Hand, die diese Länder aufgebaut hat und weiter subventioniert, sitzt nicht in Washington, sondern ist in Kontinentaleuropa (Brexit vorweggenommen) angesiedelt.

Manche sägen an den Ästen, auf denen sie es sich nicht nur intellektuell bequem gemacht haben. Viel Spaß! Handeln hat irgendwann auch einmal Konsequenzen, selbst in der EU , denn die ist nur vermeintlich ein Selbstbedienungsladen! Die Herren Farage, Johnson und Rees-Mogg erfahren gerade diese Lernkurve!

 

Was erwartet uns in dieser Auseinandersetzung mit den USA?

Die bisherigen US-Konflikte im Handelssektor haben der US-Wirtschaft nicht genutzt. Die konjunkturelle Abschwächung ist an mannigfaltigen Datensätzen im Bereich der Produktion fassbar (zuletzt Markit, siehe unten). Im Gegenteil warnen alle US-Wirtschaftsverbände vor einer Fortsetzung, da das die Geschäfts- und Investitionsbedingungen in den USA untergraben würde. In den USA ansässige Unternehmen haben mit Produktionsstätten-Verlagerungen gedroht und in ersten zarten Ansätzen umgesetzt. Die emotionalen Ausbrüche des US-Präsidenten ob dieser Maßnahmen setzen wir als bekannt voraus. 

Anders ausgedrückt würde eine aggressive Gangart ohne Kompromiss in der Auseinandersetzung mit der EU genau das Gegenteil bewirken, dass die Trump-Administration erreichen will. Die Terms of Trade für den Standort USA würden sich dynamisch verschlechtern. Ergo muss ein Kompromiss aus US-Sicht ultimativ erreicht werden (Analogie zu China).

Ohnehin sollten sich europäische Produzenten fragen, wie attraktiv der Standort der USA ist. Die Strukturdaten sind schlicht weg und ergreifend prekär. Die selbsttragenden Kräfte der US-Ökonomie sind unausgeprägt. Es bedarf öffentlicher Haushaltsdefizite in der Größenordnung von 5% des BIP, um 2,5% BIP-Wachstum auszuweisen (Prognosen IWF 2019) bei weiter sportlicher Verschuldung der privaten Haushalte und der Unternehmen. Sieht so ein widerstandsfähiger Absatzmarkt mit nachhaltiger Zukunftsperspektive aus? Muss man bezüglich dieser Fakten nicht Investitionspläne neu definieren?

Sollte diese strukturelle Schwäche der US-Wirtschaft (Aristoteles!) nicht unter Umständen argumentativ seitens der EU-Verhandlungsdelegation und der in Europa ansässigen Unternehmen genutzt werden, um der US-Arroganz Grenzen zu setzen?

Sollte die EU-Delegation smart sein und sich guter Berater bedienen, könnte aus dem absehbaren Stürmchen aus Washington ein recht laues Lüftchen mutieren! Es ist wegen des US-Angriffs Zeit, den europäischen Rücken gerade zu machen. Wenn nicht jetzt, wann dann?

 

Datenpotpourri der letzten 24 Stunden:

Eurozone:

Der Markit PMI für den Sektor des Verarbeitenden Gewerbes sank per Februar von 50,5 auf 49,2 Punkte (Prognose 50,3). Der Markit PMI für den Dienstleistungssektor legte per Februar von 51,2 aufn 52,3 Punkte zu (Prognose 51,4). In der Folge stieg der Composite Index per Februar von 51,0 auf 51,4 Zähler (Prognose 51,1). 

USA:

Der Auftragseingang für langlebige Wirtschaftsgüter stieg per Dezember im Monatsvergleich um 1,2% (Prognose 1,5%). Der Vormonatswert wurde von 0,7% auf 1,0% revidiert. Der Philadelphia Fed Business Index sank per Februar von 17,0 auf -4,1 Punkte (Prognose 14,0) und markierte den tiefsten Stand seit Frühjahr 2016. Der Markit PMI für den Sektor des Verarbeitenden Gewerbes sank per Februar von 54,9 auf 53,7 Punkte (Prognose 54,7). Der Markit PMI für den Dienstleistungssektor legte per Februar von 54,2 auf 56,2 Punkte zu (Prognose 54,3). 

In der Folge stieg der Composite Index per Februar von 54,4 auf 55,8 Zähler. Der Absatz zuvor genutzter Wohnimmobilien sank per Januar in der annualisierten Darstellung von 5,00 Mio. auf 4,94 Mio. Objekte und markierte den tiefsten Wert seit Ende 2015.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten der Unterstützungszone bei 1.1200 - 30 neutralisiert diese Bewertung.

Viel Erfolg!

© Folker Hellmeyer 
Chefanalyst der Solvecon Invest GmbH

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