SIW 33/2019: Volatilitätsproduzenten - Wie Regierungen die Grundlagen des Wohlstands zerstören

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Hü oder Hott?

Der Handelsstreit zwischen den USA und China, mit dem wir uns in der letzten Ausgabe ausgiebig beschäftigten geht in die nächste Runde. Bei einem solchen Konflikt handelt es sich um keine „natürliche“ Entwicklung, sondern um etwas, dessen Fortgang von den Entscheidungen sehr weniger Menschen abhängig ist. Insbesondere US-Präsident Trump steht dabei immer unter besonderer Beobachtung, hat er doch... schon mehr als einmal bewiesen, dass er im Rahmen seiner Tätigkeit zu erstaunlich starken und häufigen Kehrtwenden fähig ist. Im besten Fall mag dahinter Verhandlungstaktik stecken, im schlimmsten Fall ist es tatsächlich jene Sprunghaftigkeit, die ihm häufig von seinen Gegnern nachgesagt wird. Auch die Märkte haben derzeit ihre liebe Not, den Zickzack-Kurs richtig zu deuten. So ging es gestern an der Wallstreet erst einmal wieder deutlich nach oben, nach dem Trump angekündigt hatte, die erst jüngst mit einem Paukenschlag zum 1. September angekündigten Zusatzzölle, zumindest teilweise, verschieben zu wollen. Neues Datum soll nun der 15. Dezember werden, wodurch zum Start des Weihnachtsgeschäfts beliebte Elektronikgeräte noch ohne einen weiteren Aufschlag belastet wären. Dieses Jahr lohnt es sich also für US-Konsumenten, die Geschenke nicht erst auf den letzten Drücker zu besorgen – zumindest nach aktuellem Stand, der sich schon wieder geändert haben kann, wenn dieser Newsletter in Ihrem Postfach liegt.

 

Krux der Politik

Diese starken Unsicherheiten zeigen die Krux, die mit einer immer dominanter werdenden Politik verbunden ist. Wir wollen hier gar nicht in das allseits beliebte Trump-Bashing einsteigen, weil wir – wie wohl das Gros der Kommentatoren – die Hintergründe der einzelnen Schachzüge beider Seiten im Handelskonflikt nicht kennen; nicht kennen können. Die Medien sind in diesem Spiel nichts weiter als Zaungäste, die sich von dem ernähren müssen, was an Krümeln vom Verhandlungstisch fällt bzw. was ihnen von der einen oder anderen Seite bewusst vor die Füße geworfen wird. Das Problem ist ohnehin grundsätzlicher: Der Staat, so heißt es, sei ein unproduktiver Sektor. Das freilich stimmt so nicht ganz, denn er produziert Volatilität – und das reichlich! Diese Volatilitätssteigerung findet sich eigentlich immer, wenn Entscheidungen nur noch von einigen wenigen großen Spielern getroffen werden, etwa bei Kapitalsammelstellen, die ein Heer von Kleinanlegern ersetzt haben. Aber dort, wo hoheitlich und mit „unendlich“ tiefen Taschen gehandelt wird – also bei Regierungen und Notenbanken –, ist der Einfluss noch um ein Vielfaches wirkmächtiger.

 

Kummer gewohnt

Börsianer sind es allerdings einigermaßen gewohnt, mit Volatilität bzw. Schwänen in verschiedenen Grauschattierungen umzugehen. Im Zweifel holen sie sich eine blutige Nase, verkaufen mit Verlust oder werden aus dem Markt gefegt. Manche profitieren sogar davon. Bei Unternehmen, die lange Produktionswege haben, ist die durch politische Maßnahmen erzeugte Unsicherheit dagegen pures Gift. Wie soll man kalkulieren, wenn sich die Lage im Tages- und Wochen-Rhythmus ändert? Die naheliegende, rationale und tragfähige Strategie ist, sich erst einmal zurückzuhalten. Das gilt im Übrigen auch für leidige Steuererhöhungs- und Regulierungsdiskussionen. All das erschwert Unternehmern ihren Job und kostet letztlich Arbeitsplätze. Wenn die Politik in der Wirtschaft überhaupt eine Aufgabe hat, was durchaus bezweifelt werden kann, dann besteht diese zuvorderst in der Schaffung jener stabilen Rahmenbedingungen, die den Wirtschaftssubjekten das Wirtschaften überhaupt erst ermöglichen. Mehr nicht.

 

 

Zu den Märkten

Erneut scheint sich die Lage im DAX mit dem heutigen Abwärtsschub nach unten aufzulösen. Die Inversion der Zinskurve, Rezessionsängste und haufenweise schlechte Nachrichten aus den USA und Großbritannien zeigten Wirkung. Das gestrige Aufatmen war damit nur von kurzer Dauer. Wir haben an dieser Stelle einmal jenen „Schicksalstag“ des DAX rot markiert, der durchaus als DER wichtige Bruch des bis dahin vorherrschenden Aufwärtstrends gelten kann. Mit dem Unterschreiten der massiven Unterstützungszone (gelbes Rechteck) wurde diese Indikation dann eindrucksvoll bestätigt. Danach kam es erneut zu einer Zäsur, allerdings im Wesentlichen unterhalb der wichtigen Marke von 11.800 Punkten. Diese Schiebezone dürfte heute mit einem neuen Verlaufstief brechen, auch wenn zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe die Schlusskurse noch nicht vorlagen. Zudem verläuft der Index nun auch wieder deutlich unterhalb der 200-Tage-Linie (grün). Wie sehr sich die Situation im DAX im Laufe der letzten beiden Monate verändert hat, ist zudem schlicht an den Farben der Kerzenkörper zu erkennen. Seit Ende Juli dominieren große schwarze, also abwärts gerichtete Kerzen. Auch dies ist trotz allem Hin und Her im Handelskonflikt ein deutlich negatives Signal.

 

Mechanik statt Glaskugel

Wer sich dem täglichen Auf und Ab etwas entziehen möchte, ohne der Börse dauerhaft den Rücken zu kehren, dem sei noch einmal die Titelgeschichte unserer aktuellen August-Ausgabe empfohlen: „Handelssysteme – robust und emotionslos“. Die beiden Adjektive zeigen, worum es beim mechanischen Anlegen vor allem geht: Die Strategie muss sich in unterschiedlichsten Zusammenhängen und Börsenphasen bewährt haben (robust), was wiederum die Chance erhöht, dass der Anleger dieser auch ohne allzu große Wechselbäder folgen kann (emotionslos). Für unsere Abonnenten haben wir auf S. 15 ein ganz besonderes Angebot der bankenunabhängigen Plattform RoboVisor: Sie können dort zwei bewährten Strategien der GFA Vermögensverwaltung GmbH für jeweils ein Jahr kostenlos und in Echtzeit folgen. Sie sind noch kein Abonnent? Dann fordern Sie doch einfach unser kostenloses Probe-Abo an (/abonnement-shop/) oder wenden Sie sich an unsere Frau Wolpert (abonnement@smartinvestor.de).

 

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Fazit

Die Börse hasst Unsicherheiten und reagiert entsprechend verschnupft.

© Ralph Malisch, Ralf Flierl

https://www.smartinvestor.de

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