SIW 35/2019: Gipfeln...wo andere Urlaub machen

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Treffen unter „Freunden“

Man kann dem französischen Staatspräsidenten vieles vorwerfen, aber sicher nicht, dass er kein Händchen bei der Auswahl schöner Tagungsorte hätte. Als Ausrichter des hochsommerlichen G7-Gipfels wählte er das elegante Seebad Biarritz und schuf damit die Rahmenbedingungen für eine entspannte Arbeitsatmosphäre. Das war auch dringend nötig, denn die „Großen Sieben“ sind sich in vielen aktuellen Fragen so uneinig wie schon lange nicht mehr... (Bildquelle: Presskit)

Gegründet wurde dieser informelle Zusammenschluss der „größten Industrienationen des Westens“ bereits im Jahr 1975. Man sprach damals, nach Ölkrise und mitten im Kalten Krieg, in vielen Fragen mit einer Stimme und hatte ähnliche Themen/Probleme. Zwar lag Japan, zumindest nach europäischem Geographieverständnis, auch schon damals eher im Osten, aber es war die aufstrebende Wirtschaftsmacht dieser Tage und ein wichtiger Bündnispartner der USA, was alleine schon die Mitgliedschaft sicherte. Der exklusive Club war von Anfang auf Konsens ausgelegt. Ginge es alleine um die größten Wirtschaftsnationen, wären heute China und Indien Mitglieder, Italien und Kanada aber außen vor. Auch Russland, das nach dem Ende des „Kalten Krieges“ phasenweise in die zur G8 erweiterte Gruppe eingebunden war, würde es auf Basis der 2018er BIP-Zahlen gerade mal in eine „G11“ schaffen, wenn da nicht die Krim wäre. Vom Grundsatz her war und ist das G7-Treffen also eines mit Freunden bzw. mit solchen, die in die gemeinsame Architektur eingebunden werden sollen.

 

Politische Kontinentaldrift

Vor dem Hintergrund der beschleunigten „politischen Kontinentaldrift“ zwischen den USA (Trump), Großbritannien (Johnson), Frankreich (Macron) und Deutschland (Merkel), um nur die prominentesten Vertreter zu nennen, mutierten die G7-Treffen von der gemeinsamen Bühne zur Plattform für recht unterschiedliche Selbstinszenierungen. Insofern war das vielleicht erstaunlichste Ergebnis des G7-Treffens vom Wochenende, dass es nicht zum großen Eklat kam. Dies nicht einmal, obwohl Macron kurzerhand den iranischen Außenminister nach Frankreich einlud, der weder ein Vertreter westlicher Werte noch auch nur annähernd „G7“ ist. Vermutlich fühlte sich Donald Trump auch durch diese bizarre Personalie ermutigt, seinerseits erneut Russland als Teilnehmer ins Spiel zu bringen, freilich nicht ohne Seitenhieb auf seinen Amtsvorgänger Obama, der Russland demnach nur deshalb aus der G8 gedrängt haben soll, weil Putin ihn bei der Krim „ausgetrickst“ habe. Zu einer gemeinsamen Iran-Initiative kam es jedenfalls nicht. Macrons Handstreichdiplomatie mag zwar regelmäßig gegenüber Deutschland von Erfolg gekrönt sein, nicht aber im Verhältnis zu den USA. Der größte Skandal des Gipfels kam, darf man dem deutschen Blätterwald Glauben schenken, allerdings direkt aus der Küche: Feinschmecker Marcon ließ bedrohten Thunfisch kredenzen.

 

Smart Investor 9/2019

Dagegen ging es in unserer Redaktion über das Wochenende geradezu vorbildlich, aber vergleichsweise frugal zu: Mit Hilfe einiger, nicht vom Aussterben bedrohter Butterbrezen und literweise veganem Kaffee brachten wir den Smart Investor 9/2019 auf den Weg, der am kommenden Wochenende in den Briefkästen unserer Abonnenten landen wird. Diesmal widmeten wir uns vor allem zwei großen Themenbereichen: In der Titelgeschichte geht es um „Börsenweisheiten“, also um jene kleinen Daumenregeln, sie vom Kanonendonner bis zu den „zittrigen Händen“ für scheinbar jede erdenkliche Börsensituation einen guten Rat geben können. Was wirklich an den althergebrachten Spruchweisheiten dran ist, haben wir bei 15 der bekanntesten Regeln genauer untersucht. Bei Geschichten über die Börse fällt früher oder später der Name André Kostolany. Der Todestag des Börsenaltmeisters jährt sich im September zum 20sten Mal. Grund genug, uns zusammen mit seinem langjährigen Geschäftspartner und Weggefährten Gottfried Heller an einen Mann zu erinnern, der auch uns ganz persönlich – noch zu Studentenzeiten – mit dem Börsenvirus infiziert hat. Legendär waren seine Gastvorlesungen an der Ludwig-Maximilians-Universität München, die er mit den Worten „Liebe Kinder, denn Sie alle könnten meine Kinder sein …“ begann.

 

Erneuerbare Renditen

Im zweiten Schwerpunktthema widmen wir uns den Erneuerbaren Energien. Obwohl noch nicht abschließend beurteilt werden kann, ob die deutsche Energiewende als Erfolgsgeschichte oder Totgeburt enden wird, lässt sich in diesem Bereich gutes Geld verdienen. Gerade wenn man den massiven staatlichen Lenkungsanreizen eher skeptisch gegenübersteht, wie das fast alle Austrians tun, sollte man dennoch nicht blind für die gebotenen Renditechancen sein. Wir stellen nicht nur Top-Ökoaktien vor, sondern bringen mit YieldCos aus dem Stromversorgerbereich auch noch eine vergleichsweise risikoarme Alternative ins Spiel.

 

„Hasenfußrennen“

Neben diesen beiden Schwerpunkten finden Sie natürlich auch diesmal wieder eine Fülle von Themen im neuen Smart Investor 9/2019. Beispielsweise präsentieren wir Ihnen sechs echte US-Dauerläuferaktien, die schon so manchen Konjunktureinbruch bzw. Börsensturm überstanden haben. Und damit ist auch schon der Hinweis auf unsere Marktmeinung gegeben. Für den anstehenden Herbst erwarten wir wenig Gutes, zumal der Herbst ja traditionell zu den schwierigsten Börsenphasen gehört. Diesmal könnte ein ungeregelter Brexit für zusätzliche Verwerfungen sorgen. Gewiss, das Thema wird seit der Amtsübernahme durch Boris Johnson als britischem Premier zwar in den Medien durchdekliniert, aber doch eher in der Variante eines Salon-Brexits – ein theoretisches Gedankenspiel, dessen Realitätsbezug noch nicht ganz in den Köpfen der Marktteilnehmer angekommen ist. Aktuell läuft zwischen der EU und Großbritannien ein Hasenfußrennen, wie es aus dem legendären James-Dean-Film „Rebel Without a Cause“ („… denn sie wissen nicht was sie tun“) bekannt ist: In dieser berühmten Filmszene rasten zwei Autos auf einen Abgrund zu und wer zuerst ausstieg galt als Verlierer. Im konkreten Fall endete das Rennen bekanntlich damit, dass der „Gewinner“ tot war. Je näher also der 31. Oktober als No-Deal-Brexit-Termin rückt, desto wahrscheinlicher wird es, dass die Marktteilnehmer ihr ungläubiges „Er wird doch nicht wirklich?!“ einzupreisen versuchen.

 

Zu den Märkten

Einer der Hauptgewinner dieser Entwicklung ist Gold, das in Euro zuletzt sogar auf ein Allzeithoch gestiegen ist (vgl. Abb.) – wie zuvor bereits im japanischen Yen, kanadischen Dollar oder eben dem britischen Pfund. Lediglich im US-Dollar ist es noch(!) nicht so weit. Näheres dazu, wie auch zur Gold/Aktien-Relation im Smart Investor 9/2019. Erstaunlich ist die Entwicklung allemal. Denn Gold, das als das ultimative Geld- und Krisenmetall gilt, wird in den meisten Währungsräumen heute höher wertgeschätzt als im Kalten Krieg oder beim Afghanistan-Einmarsch der Sowjets zum Jahreswechsel 1979/80. Mehr muss man zum Zustand unseres Geldsystems eigentlich nicht wissen, egal was Ihnen Herr Draghi oder demnächst Frau Lagarde erzählen werden.

Einen besseren Indikator für das   T o t a l v e r s a g e n   von Draghi & Co. bei deren angeblichem Bemühen um „Geldwertstabilität“ gibt es wohl nicht. Wenn Sie wissen wollen, wie in diesem Umfeld der Silberpreis einzuschätzen ist und wo der sich aktuell, inflationsbereinigt und im historischen Zusammenhang befindet, dann werden Sie auf Seite 49 des neuen Smart Investor ein echtes Aha-Erlebnis haben. Versprochen.

Veranstaltungshinweis

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Fazit

Das Warten hat ein Ende, zum Wochenende erscheint der neue Smart Investor. ðŸ˜‰

P.S. in eigener Sache: Wie Sie den entsprechenden ad-hoc-Mitteilungen und Pressemeldungen entnehmen konnten, wurden 90% der Anteile an der Smart Investor Media GmbH von der wallstreet-online AG übernommen. Wir beglückwünschen wallstreet-online zu ihrer neuen hübschen Tochter und freuen uns auf die Zusammenarbeit.

© Ralph Malisch, Ralf Flierl

https://www.smartinvestor.de

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