Ted Butler: Die Ausbildung am Arbeitsplatz (On The Job Training)

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Die Bekanntgabe eines Schuldbekenntnisses eines langjährigen ehemaligen Händlers von JPMorgan für das "Spoofing" von COMEX-Edelmetall-Futures durch das Justizministerium (DOJ) am Dienstag, war das zweite derartige Schuldbekenntnis seit Oktober. Beide Händler kooperieren bei der laufenden Untersuchung des DOJ.

https://www.justice.gov/opa/pr/precious-metals-trader-pleads-guilty-conspiracy-and-spoofing-charges

Es hat zwar viel zu lange gedauert, bis das Justizministerium und die CFTC endlich gegen Spoofing vorgegangen sind, aber ich denke, besser spät als nie. Es besteht zudem kaum ein Zweifel daran, dass die Aufsichtsbehörden gegen die illegale Praxis vorgegangen sind, bei der es um die Platzierung und sofortige Löschung von Großaufträgen geht, die ausschließlich dazu bestimmt sind, die Preise kurzfristig zu manipulieren.

Es gibt jedoch einen weiteren Aspekt in der Bekanntgabe vom Dienstag, der JPMorgan in Bezug auf alle Unternehmen, bei denen es zu Spoofing gekommen ist, ausschließlich betrifft. Nur bei JPMorgan hat das Justizministerium behauptet, dass die beiden Händler, die sich schuldig bekannt haben, die Praxis von erfahreneren Händlern bei der Bank gelernt und mit dem vollen Wissen und der Zustimmung ihrer unmittelbaren Vorgesetzten manipuliert haben. Das sind die Worte des Justizministeriums, nicht meine. Dies bringt neue Bedeutungen in den Begriff - "on the job training".

Die beiden Händler, die sich schuldig bekannten, arbeiteten seit mehr als einem Jahrzehnt bei JPMorgan und waren zu Beginn ihrer Karriere bei JPMorgan jeweils 23 Jahre alt. Ich erinnere mich, wie es war, in so jungen Jahren einen Job bei einem renommierten Finanzunternehmen zu bekommen, als ich vor fast 50 Jahren bei Merrill Lynch anfing. Wie die beiden früheren JPM-Händler hatte ich das Glück, die Gelegenheit zu haben, in einem solchen Beruf zu arbeiten, und alles zu tun, um Erfolg zu haben. Wenn mir jemand gesagt hätte, ich solle springen - ich hätte gefragt, wie hoch? Ich hätte nichts Illegales getan, aber im Alter von etwa zwanzig Jahren bin ich mir nicht sicher, ob ich überhaupt genau gewußt hätte, was illegal ist. Wie viel wissen wir im Alter von 23 Jahren wirklich?

Ich denke das gleiche gilt für die beiden jungen ehemaligen JPMorgan-Händler, die sich schuldig bekannt haben. Es ist nicht so, dass irgendjemand am College "Spoofing" lehrt. Das ist eine Praxis, die man im Beruf gelernt hat. In diesem Fall taten junge und unerfahrene Händler, die darauf bedacht waren, zu gefallen und Erfolg zu haben, genau das, was sie von erfahreneren Händlern und Aufsichtspersonen angewiesen wurden und gelernt hatten. Beide haben dies getan, sind durch die Handelshierarchy aufgestiegen und haben die Position des Vice President und Executive Director erreicht.

Ich entschuldige nicht eine Minute lang das rechtswidrige Verhalten der beiden Händler, die sich schuldig bekannt haben, aber hätten sie die Reise auch angetreten, die mit strafrechtlichen Schuldbekenntnissen endete, wenn sie nicht von ihrem Arbeitgeber ausgebildet und trainiert worden wären? Als solches müssen die Schuldbekenntnisse in die richtige Perspektive gerückt werden. Das Justizministerium kann weiterhin Schuldbekenntnisse einzelner Händler von JPMorgan einholen oder die Ursache der kriminellen Aktivitäten ermitteln und Druck auf die Bank ausüben, um ihre Manipulationsmethoden zu beenden.

© Ted Butler 

23. August 2019

www.butlerresearch.com

(Diese Abhandlung wurde vom Silberanalysten Theodore Butler, einem unabhängigen Berater, verfasst. Investment Rarities teilt seine Ansichten nicht notwendigerweise, diese können sich als richtig oder falsch herausstellen.) Exklusiv und ohne Gewähr übersetzt für Metallwoche.de. Das Original wurde am 23.08.2019 auf der Website www.silverseek.com veröffentlicht.

 

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