Trendsetter und Mitläufer: "It's the NASDAQ, Stupid!"

Tags: Trendsetter und Mitläufer SIW 17/2019 SMART INVESTOR WEEKLY (SIW) Smart Investor Christoph Karl Ralf Flierl Ralph Malisch

vom Smart Investor

Wenn es so etwas wie den wichtigsten Aktienmarkt mit den größten und erfolgreichsten Unternehmen der Welt gibt, dann ist es die NASDAQ. Noch immer verkörpert kein Land die Freiheit zum wirtschaftlichen Erfolg so sehr wie die USA. Ebendort ist allerdings auch die Freiheit zu scheitern ein wesentlicher Bestandteil dieses Spiels, weshalb lange nicht jedes NASDAQ-Unternehmen automatisch ein Erfolgsmodell ist. Andererseits zeigt das gehäufte Auftreten von Innovatoren von Weltformat, dass bei den Rahmenbedingungen für eine amerikanische Unternehmens- und Unternehmerkultur – allen Unkenrufen zum Trotze – offenbar doch einiges ziemlich richtig gemacht wurde und wird. Amerikaner würden wohl erstaunt mit dem Kopf schütteln, wenn sie erführen, dass sich die hiesige Politik ernsthaft für etwas so Ersetzbares wie eine strauchelnde Drogeriemarktkette oder ein überlebtes Versandhaus stark gemacht hat – mit erwartbarem Ergebnis. Es ist offenbar doch die von Josef A. Schumpeter so formulierte „schöpferische Zerstörung“, die Innovationskräfte freisetzt, nicht aber das kleinmütige Festhalten an längst Überkommenem. Entsprechend ist die NASDAQ heute der globale Trendsetter unter den internationalen Börsen, während es der DAX mit Ach und Krach schafft, sich als Mitläufer zu „profilieren“. Der Einwand, dass das innovative deutsche Gegenstück zur NASDAQ doch eigentlich der TecDAX sei, führt zwar in die richtige Richtung, aber leider auch nicht weiter. Denn während der NASDAQ-100 auf Allzeithoch notiert, steht der TecDAX bei gerade einmal knapp 30% seines Höchstkurses aus „Neuer Markt“-Zeiten. Warum, so denken sich wohl auch internationale Investoren, sollte man die Kopie kaufen, wenn man das Original haben kann.

 

Globaler Risk On/Risk Off-Schalter

Aktuell unternimmt der NASDAQ-100 (vgl. Abb.) sogar den bislang ziemlich erfolgreichen Versuch, sich von seinen 2018er Hochs nach oben zu lösen. Das hätte zum Jahreswechsel 2018/19 wohl kaum jemand für möglich gehalten, dass der US-Technologieindex binnen weniger Monate erneut mit Allzeithochs wird punkten können. Der V-Formation des Charts widmen wir uns übrigens auch im neuen Smart Investor 5/2019, der zum Wochenende erscheint. Positiv ist im Moment, dass vielen der Schreck des Jahres 2018 noch so sehr in den Knochen steckte, dass sie schlicht den Wiedereinstieg verpasst haben. Aber auch die Gegenargumente verdienen Beachtung, insbesondere die anhaltend hohe Bewertung aller US-Marktsegmente. Vorausgesetzt, dass die Schwergewichte nicht durch mögliche negative Quartalsergebnisse ins Trudeln geraten, sollte der Mangel an Euphorie dem Markt noch einige Unterstützung geben. Im Moment scheinen bei den Börsianern nämlich noch der Ärger über die bereits verpasste Performance und die Angst, auch künftige Performance zu verpassen, zu überwiegen. Dieser psychologische Druck führte regelmäßig dazu, dass das Geld von der Seitenlinie noch kurz vor Schluss doch noch in den Markt gesaugt wurde. Eigentlich sind solche Panikkäufe letztlich sogar die Ursache für den anschließenden Nachfrageabfall. Das aktuelle Niveau im Bereich der 2018er Hochs könnte daher in beide Richtungen als Beschleuniger wirken – falls es nachhaltig überwunden wird nach oben, falls es sich als falscher Ausbruch erweist entsprechend nach unten. Die Trendsetter-Rolle der NASDAQ darf also nicht als ewig aufwärts gerichtete Einbahnstraße missverstanden werden. Sie ist eher so etwas wie ein globaler Risk On/Risk Off-Schalter. Läuft es an der US-Technologiebörse rund, kann überall Geld verdient werden – phasenweise auch durchaus anderenorts deutlich mehr. Geraten aber die NASDAQ-Aktien ins Trudeln, ist auch an den globalen Aktienmärkten erst einmal kein Blumentopf zu gewinnen.

 

„Projekt Größenwahn“

Nicht jede Unternehmensstrategie muss man auf den ersten Blick verstehen. Aber die Logik hinter mancher Entscheidung erschließt sich nicht einmal auf den zweiten und dritten Blick. Etwa bei der Übernahme des US-Skandalunternehmens Monsanto durch den deutschen Pharmariesen Bayer. Ein Blick auf den Aktienkurs zeigt, dass die Börse den Megadeal von Anfang an als überwältigend negativ für Bayer einstufte. Bislang machte das Investment den Aktionären der Leverkusener keinerlei Freude. Und so kamen früh Fragen auf, was das Management um Vorstandschef Werner Baumann wohl geritten haben mag, als es das Traditionsunternehmen auf diesen abenteuerlichen Kurs lenkte. Eine Frage, die auch wir uns von Anfang an gestellt hatten, ohne darauf bis heute eine einigermaßen zufriedenstellende Antwort zu finden. Nun beschäftigt das Thema auch Aktionäre und zunehmend sogar die Großaktionäre. Für die Bayer-Hauptversammlung am kommenden Freitag droht ein Aktionärsaufstand und für Baumann und seine Mitstreiter dürfte die Veranstaltung kaum vergnügungssteuerpflichtig werden.

 

Prinzipale und Agenten

Der Fall Bayer verdeutlicht dabei den grundsätzlichen Konflikt zwischen Eigentümer(n) (Prinzipal) und Managern (Agent). In rein Manager-geführten Unternehmen ist es daher gut möglich, dass die Zielvorstellungen von Unternehmensleitung und Eigentümern weit auseinanderfallen – wenn auch nicht immer so weit wie bei Bayer. Die Motive können im Einzelfall vielfältig sein. Vom Ehrgeizling, der sich auf Kosten seines Unternehmens ein Denkmal errichten wollte, über den Sachwalter, der vor allem den eigenen Hals nicht vollbekam, bis zu denen, bei denen das Wort „Agent“ ganz wörtlich zu nehmen ist. Denn Wirtschaftsspionage oder die Instrumentalisierung und Kaperung von Unternehmen zu unternehmensfremden Zwecken, sind offenbar gar nicht so selten, wie man denken mag. Dazu und über die Verstrickungen von Managern in Einflussnetzwerke finden Sie einen ausführlichen Beitrag im neuen Smart Investor 5/2019. In der Titelgeschichte geht es jedoch um jene Unternehmen, in denen so vieles besser läuft als anderswo, oft bereits über Generationen: Familienunternehmen. Hier gelingt es häufig noch, über den Tag hinaus zu handeln und damit echte Nachhaltigkeit fern aller ESG-Kataloge zu leben. Auch ist der Gleichklang zwischen Aktionärs- und Leitungsinteressen meist deutlich höher als bei Publikumsgesellschaften, bei denen die Verwalter stark, aber die Aktionäre schwach sind. Natürlich geht es auch in Familien nicht immer ohne Zwist, aber es macht schon einen Unterschied, ob man grundsätzlich am gleichen Strang zieht, oder ob der Interessenkonflikt bereits in der Struktur angelegt ist. Im neuen Smart Investor 5/2019 stellen wir Ihnen einige spannende Erfolgsgeschichten vor, deren letztes Kapitel noch lange nicht geschrieben ist. Und als besonderes Glanzstück stand uns mit Erich Sixt eine kreative und mutige Unternehmerpersönlichkeit par excellence Rede und Antwort.

 

Fazit

In guten wie in schlechten Tagen, an der NASDAQ führt für Aktienanleger kein Weg vorbei. Ansonsten gilt: Freuen Sie sich auf den neuen Smart Investor 5/2019.

© Ralph Malisch

https://www.smartinvestor.de

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