Türkische Zentralbank überrascht die Märkte

Tags: Meinung Analyse Solvecon Invest GmbH Folker Hellmeyer Bank of England Leitzinsen Türkei Forex-Report vom 14.09.2018 Christian Buntrock

von Christian Buntrock

Die Türkische Zentralbank hat in einem für die Mehrheit der Analysten überraschenden Schritt die Leitzinsen deutlich von 17,75% auf 24,0% erhöht. Dieser Schritt erfolgte nachdem direkt vor der Zentralbanksitzung Präsident Erdogan sich wiederholt für Zinssenkungen ausgesprochen hatte. Daher an dieser Stelle erst einmal Respekt für diese wichtige und mutige Entscheidung! 

Es bleibt abzuwarten, ob die Regierung die Schritte der Zentralbank akzeptiert oder gemäß der eigenen Vorstellungen in die Geldsteuerung eingreift. Der Markt wird erst dann wieder Vertrauen fassen, wenn die Unabhängigkeit der Zentralbank grade nach dieser Entscheidung nicht in Frage gestellt wird. 

Der von der Zentralbank gesetzte Impuls setzt dem Wertverfall der türkischen Lira entgegen. So erhöhte sie erstmals seit Ende 2016 den Leitzins über das Inflationsniveau. Damit ist die reale Rendite, also die Rendite abzüglich der Inflation, auch bei kurzfristiger Anlage positiv. Folglich wird die Lira für international operierende Anleger wieder interessant. 

Sollte sich die Lira auf dem aktuellen Niveau stabilisieren, wird die Wachstumsgeschwindigkeit der Inflation zurückgehen. Bei entsprechender Flankierung mit strukturellen wie auch fiskalischen Maßnahmen, könnte aufgrund der zeitlichen Verzögerung der Effekte der Hochpunkt der Krise in der ersten Hälfte 2019 durchschritten werden. Diese Maßnahmen stehen aber noch aus. Es bleibt abzuwarten, in wie weit die Regierung Themen wie Rechtssicherheit und Meinungsfreiheit in den nächsten Monaten behandelt.

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Grafik 1: Vergleich Leitzinsen und Inflationsrate in der Türkei.
Quelle: Bloomberg, eigene Darstellung. 


Diese Themen sind für ausländische Investitionen von hoher Bedeutung. Ohne ausländische Direktinvestitionen wird sich die Türkei aber nicht auf den alten Wachstumspfad begeben können. 

Die Bank of England verbreitet unterdessen weiter den notwendigen Optimismus in einer schwiegen Situation. Sie beließ ihren Leitzins bei 0,75% und antizipiert ein stärkeres Wachstum für das dritte Quartal. Zugleich warnte der britische Zentralbankchef Carney vor den Auswirkungen eines "no-deal-Brexit". Diese können für das UK mit der Finanzkrise 2008 verglichen werden. 

Damit stärkt Carney Theresia May gegenüber ihrer eigenen Partei den Rücken. Auch wenn wir den Konjunkturoptimismus der BoE nicht teilen, schließen wir uns der Warnung Carneys an. Es bleibt abzuwarten, ob sich Theresia May auf ihrer Position halten kann oder die internen Widersacher am Ende erfolgreich sind. 

Positiv sehen wir die jüngsten kartellrechtlichen Untersuchungen der Industriestrukturen in den USA. Die Monopol- /Oligopolbildung einiger US-Unternehmen wie Google, Facebook, Apple, Amazon bedarf einer gesellschaftlichen Untersuchung und Diskussion, ob diese Größenbildung gesellschaftlich nutzenstiftend ist. Typischerweise für Teile der Republikaner sind die Motive zu der Untersuchung nicht unbedingt ehrenwert, auch wenn sie in der Sache recht haben könnten.  

Die Republikaner stören sich z.B. an der medialen Macht von Facebook, die grade gegen sie gerichtet ist. Auch Amazon ist aufgrund der berechtigten Kritik ihres Gründers Jeff Bezos an US-Präsident Trump in die Schusslinie geraten. Die Bewertung der Machtposition dieser Unternehmen sollte aber nicht davon abhängen, ob sie grade politisch auf der richtigen Seite stehen, sondern ob ihre Machtfülle zu groß geworden ist. Eine Diskussion, die auch in Europa angestoßen werden sollte.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten der Unterstützungszone bei 1.1270 - 1.1300 neutralisiert den positiven Bias des Euros. 

Viel Erfolg!

© Christian Buntrock

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