Weltweite Goldnachfrage legte in 2018 um 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Fed verabschiedet sich behutsam von der Zinserhöhungspolitik

Tags: Thorsten Polleit Degussa Goldhandel World Gold Council Goldmarktentwicklung 2018 FED Zinsentscheidung Kurzkommentar Goldpreis

von Prof. Dr. Thorsten Polleit

Am 31. Januar 2018 hat das World Gold Council die Daten zur Goldmarktentwicklung 2018 veröffentlicht:

·      Die weltweite Goldnachfrage betrug 4.345,1 Tonnen gegenüber 4.159,9 Tonnen im Vorjahr – ein Plus von 4 Prozent J/J.

·      Die Gold-Schmucknachfrage blieb gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert bei 2.200,0 Tonnen (Indien: -1% J/J, China: +3% J/J).

·      Die Goldnachfrage für Investitionszwecke ging in 2018 um 7 Prozent J/J auf 1.159,1 Tonnen zurück. Das erklärt sich wie folgt: Die Barren- und Münznachfrage zog um 4 Prozent J/J auf 1.090,2 Tonnen an (Indien: -4% J/J, China: -1% J/J), doch die Nachfrage der Gold-ETFs fiel um 67 Prozent J/J (der Inflow betrug nur noch 68,9 Tonnen).

·      Die Zentralbanken (insbesondere aus Russland, der Türkei und Kasachstan) kauften 651,5 Tonnen, ein Anstieg von 74 Prozent J/J – das war die höchste Jahresnachfrage seit Anfang der 1970er Jahre.

·      Die Goldnachfrage für Technologiezwecke stieg um 1 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 334,6 Tonnen – der höchste Wert seit 2014.

·      Das gesamte Goldangebot stieg auf 4.490,2 Tonnen, ein Anstieg um 1 Prozent gegenüber dem Vorjahr, und ist zu erklären durch einen leichten Anstieg des Recycle-Goldes (+1% J/J) und der Minenproduktion (+1% J/J), die damit einen bisherigen Höchststand von 3.346,9 Tonnen erreichte. 

Die Nachfrageentwicklung des letzten Jahres birgt zwar keine verlässliche Indikation für die künftige Goldmarktentwicklung. Allerdings deuten sie auf eine bereits erfolgte Stabilisierung wichtiger Nachfragekomponenten

Aus aktueller Sicht sind vor allem die geänderten Zinsmarktaussichten sehr positiv für die Goldnachfrage zu bewerten.

Sowohl die US-Zentralbank als auch die Europäische Zentralbank haben signalisiert, dass ihre Zinserhöhungsbemühungen auslaufen; und die chinesische Zentralbank scheint mittlerweile sogar mit einer geldpolitischen Lockerung zu liebäugeln.

Wenn die Zinsen weiterhin sehr niedrig bleiben, dann wird das Halten von Gold natürlich wieder attraktiv(er): Die Opportunitätskosten der Goldhaltung nehmen ab.

Zudem nehmen die Ungleichgewichte, für die die Geldpolitiken mit ihrer Niedrigzinspolitik unweigerlich sorgen, weiter zu, und angesichts der damit verbundenen Risiken ist für umsichtige Investoren das Halten von Gold für Versicherungszwecke ebenfalls weiterhin vorteilhaft.

KURZKOMMENTAR:

Fed verabschiedet sich behutsam von der Zinserhöhungspolitik

Auf seiner Sitzung am 30. Januar 2019 hat Offenmarktausschuss (FOMC) der US-Zentralbank (Fed) den Leitzins unverändert gelassen. Der Leitzins befindet sich damit weiterhin in einer Bandbreite von 2,25 – 2,50 Prozent. Der Zinsentscheid kam nicht überraschend.

Erinnern wir uns: Wenige Tage nach der FOMC-Sitzung am 19. Dezember 2019, auf der die Fed den Zins um 0,25 Prozentpunkte erhöht hatte, war der Fed-Chef, Jerome H. Powell, bemüht, den Märkten zu versichern, die Notenbank werde fortan „geduldig“ sein und die Zins- schraube nicht zu stark anziehen; sie werde die Interessen der Finanzmärkte im Auge behalten.

Am 30. Januar 2019 wiederholte die Fed genau das: Dass sie „geduldig“ sei bei der Veränderung ihres Leitzinses. Zwar lässt sie sich mit dieser Formulierung noch ein kleines Fenster für weitere Zinserhöhungen offen, doch de facto ist sie in eine „Zinserhöhungspause“ eingetreten, und eine Fortsetzung der Zinsstraffung ist damit sehr unwahrscheinlich geworden.

Unsere Interpretation: Die Fed verabschiedet sich behutsam von ihrer Zinserhöhungspolitik – in der Erkenntnis, dass die US-Konjunktur, die Kreditmärkte und vor allem auch die Vermögenspreise Schaden nehmen, sollten die Zinsen noch weiter angezogen werden. Die Rückkehr zu „normalen“ Zinshöhen rückt damit in weite Ferne.

Zumal der Fed-Chef auf der Pressekonferenz auf eine Journalistenfrage erklärte, der Leitzins sei nun mehr oder weniger auf seinem „natürlichen Niveau“ angelangt – und das ist als eine ausdrückliche Absage an höhere Leitzinsen zu deuten. Auch der Hinweis des Fed-Chefs, man werde bei Bedarf sogar die Fed-Bilanzschrumpfung überdenken, spricht die gleiche Sprache.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass mit dem Ende des Zinserhöhungszyklus nicht nur Aktienkurse und Häuserpreise wieder „Rückenwind“ erhalten – die Vermögenspreisinflation also weitergeht –, sondern dass insbesondere auch der Goldpreis (in USD/oz) anziehen wird. Denn die Fortführung einer expansiven Geldpolitik der Fed birgt erhebliche Probleme.

Zwar stützt sie Konjunkturen und Finanzmärkte, aber sie sorgt auch für wachsende Ungleichgewichte. Die Volkswirtschaften werden immer abhängiger von niedrigen Zinsen und einem Anschwellen der Kredit- und Geldmengen. Im Kern kommt die Fed-Geldpolitik einer chronischen Inflationspolitik gleich, die bislang im Wesentlichen auf die Vermögensmärkte beschränkt ist.

Gold bietet eine Möglichkeit, mit der langfristig orientierte Investoren sich gegen die Folgen dieser Geldpolitik absichern können.

© Thorsten Polleit

Chefvolkswirt Degussa Goldhandel GmbH

Hinweis: Meinungen oder Empfehlungen geben die Einschätzung des jeweiligen Verfassers oder Interviewpartners wieder und stellen nicht notwendigerweise die Meinung der „Metallwoche“ oder deren Betreiber dar. Der vertretene Standpunkt spiegelt nicht die Meinung des Website-Betreibers und stellt keinerlei Aufforderung zum Kauf-/Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Anlagemöglichkeiten dar. Beachten Sie bitte auch unseren Disclaimer!

Kommentare

Sie sind nicht eingeloggt! Sie können Kommentare nur sehen, wenn Sie eingeloggt sind und ein aktuelles Abonnement besitzen. Log-In