Zwei zu Eins: Eine Tour durch die Börsenwelt anhand unserer Derivat-Positionen

Tags: Euro DAX Tesla Ralph Malisch Ralf Flierl Smart Investor Weekly

vom Smart Investor

Im heutigen Smart Investor Weekly betrachten wir die Welt einmal durch die Brille der drei in unserem Musterdepot aktuell enthaltenen bzw. bis vorgestern enthaltenen Derivatpositionen: Einem Put auf den DAX, einem Put auf den Euro und einem Put auf Tesla. Mehr zu den einzelnen Instrumenten lesen Sie im Bereich Musterdepot.

Beginnen wir mit dem Euro, genauer gesagt, dem Austauschverhältnis zwischen dem US-Dollar und dem Euro, das nicht nur zentral für das Gedeihen der deutschen Wirtschaft ist, sondern auch auf vielfältigste Art und Weise beeinflusst wird. Die möglichen Einflussfaktoren haben wir in der Titelgeschichte des aktuellen Smart Investor 6/2018 (Headline: „€rash“ = Euro & Crash) ausgiebig diskutiert. Während manches vorerst nur im Hintergrund abläuft, wie die grundsätzliche Fehlkonstruktion der Gemeinschaftswährung oder eine erneute Verschärfung geopolitischer Konflikte mit Russland oder dem Iran, sind die Risiken aus einem möglichen Handelskrieg oder aufgrund der inzwischen vollkommen gegensätzlichen Politikentwürfe in einzelnen Eurostaaten bereits in das Bewusstsein der Marktteilnehmer vorgedrungen. Dazu kommt nun die eklatante Schwäche der deutschen Regierung, die sich nun allabendlich selbst in den regierungstreuen staatlichen Medien bestaunen lässt. Die Marktteilnehmer sind sich absolut darüber im Klaren, dass ohne die Berliner Europhilie und den scheinbar unendlichen Kredit aus Frankfurt via Target-2-Salden der Vorhang beim Euro längst gefallen wäre – zumindest im aktuellen Konsolidierungskreis.

 

Überwältigender Abwärtstrend

Unsere erste Abbildung zeigt den Euro im Vergleich zum US-Dollar – und da geht es ziemlich genau seit der Finanzkrise des Jahres 2008 abwärts. In dieser langfristigen Betrachtung kann man das schon auch als ein Indiz für die untaugliche Art und Weise ansehen, wie man in der EU versucht, Krisen in den Griff zu bekommen. In der letzten Phase dieses Stückes sind die USA bereits wieder zu einer Normalisierung des Zinsniveaus und einer Verkürzung ihrer Notenbankbilanz übergegangen, während die EZB unter Draghi bis auf weiteres am Nullzinsniveau festhalten muss und sich hinsichtlich der Anleihekaufprogramms lediglich zur Ankündigung einer Beendigung hat durchringen können. Der Euro und der Euro-Raum sind nicht nur vom Grundsatz her falsch konstruiert, sondern werden zudem seit Jahren auf geradezu abenteuerliche Weise gemanagt, damit sie den Teilnehmern nicht völlig um die Ohren fliegen. Rein technisch könnte eine gewisse Verschnaufpause für den Euro bei der Unterstützung von 1,15 US-Dollar (blaue Linie) eintreten, günstigstenfalls. Von solchen Niveaus sollte man sich aber nicht allzu viel, also vor allem keine dauerhafte Trendwende erwarten, dazu ist die Abwärtsdynamik im Euro zu groß.

 

Am seidenen Faden

Unsere zweite Absicherung im Musterdepot betrifft den deutschen Blue-Chip-Index DAX. Zwar besagt eine alte Regel, dass ein starker Dollar, also das Spiegelbild eines schwachen Euro, prinzipiell positiv für den heimischen Aktienmarkt ist. Dass der DAX aber trotz dieses Rückenwinds aus dem Währungsbereich so sehr am seidenen Faden hängt, wie es unsere zweite Abbildung zeigt, ist bereits eine negative Aussage. Denn die Dollar-Regel gilt wohl so nur in normalen Zeiten, von denen wir uns aktuell ziemlich weit entfernt haben. Dabei ist der DAX gleich aus mehreren Richtungen massiv unter Druck. So zeigt sich das Missmanagement der Eurozone beispielsweise besonders deutlich in den deutschen Bankaktien. Die einst stolzen Geldhäuser sind zu Hoffnungswerten verkommen – allerdings ohne Hoffnung. Der Anteil der Marktkapitalisierung von Deutsche Bank und Commerzbank am DAX liegt heute zusammen bei deutlich unter 5%. Viel entscheidender ist daher die Kursentwicklung der Schwergewichte, von SAP, Siemens, BASF, Bayer oder Daimler. Diese exportstarken Herzstücke der deutschen Wirtschaft leiden überproportional unter den aktuellen Verspannungen und Konflikten im Welthandel. Bei den Autoherstellern kommt noch erschwerend hinzu, dass gegen diese ein regelrechter Krieg geführt wird – mit willkürlichen Grenzwerten, interessegeleiteten Messverfahren und einem dubiosen Abmahnverein, der die Großen der Branche vor sich hertreibt. Für den DAX ist die Unterstützung bei 12.600 Punkten derzeit die wohl entscheidende psychologische Marke. Dieses Mal hat sie noch gehalten, angesichts einer möglichen weiteren Zuspitzung von Handelskonflikt und Regierungskrise muss das allerdings nicht so bleiben.

 

„Mexican Standoff“

Unser einzig spekulatives Derivat betraf den US-Elektroautobauer Tesla. Das Unternehmen wird mit Elon Musk von einem der schillerndsten Vorstände überhaupt geführt. Ein Visionär an der Spitze muss nicht grundsätzlich schlecht sein, zumindest dann nicht, wenn sich das betreffende Unternehmen auch in der Realität auf einem guten Weg befindet. Da dürfen bei Tesla durchaus Zweifel angebracht sein, denn bislang haben die Kalifornier noch in keinem Quartal Geld verdient. Die regelmäßigen Hiobsbotschaften aus der Produktion oder hinsichtlich auftauchender Qualitätsprobleme überspielt Musk mit mehr oder weniger originellen Tweets. Im Gegensatz zu Trump wartet man bei Musk auf die Erfüllung seiner immer neuen Ankündigungen allerdings oft vergebens. Stattdessen hat er eine regelrechte Obsession im Kampf mit die „Shorties“ in seiner Aktie entwickelt, wohl auch ein Ego-Thema. Und genau da dürfte der Hase im Pfeffer liegen. Tesla ist ein so offensichtlich überbewertetes und schlecht geführtes Unternehmen, dass dies Leerverkäufer in Scharen anzog. Hier handelte es sich also nicht um eine Aktie, die aus heiterem Himmel mit schlechten Nachrichten aufwartet und plötzlich abverkauft wird. Vielmehr standen sich im Rahmen einer Art „Mexican Standoff“ die Bullen und Bären mit gezogener Knarre gegenüber. In dem Maße, wie die Short-Position in der Aktie anschwoll, waren die Baissespekulanten also in der Gefahr zum Opfer eines Short-Squeezes zu werden, bei dem sie, wie Musk sich so blumig ausdrückte, tatsächlich „gegrillt“ werden. Die Kurse ziehen dann nämlich so steil und so rasch an, dass selbst die überzeugtesten „Shorties“ kaufen müssen, damit ihre Leerverkäufe ihnen keinen weiteren Schaden zufügen, was den Kursanstieg weiter beschleunigt. Ist diese Stampede zu einem Ende gekommen, wird sich der Kurs oft wieder an den eigentlichen Rahmendaten orientieren und die Abwärtsbewegung wieder aufnehmen. Für die Shorties bleibt die wenig tröstliche Einsicht, dass sie irgendwie Recht hatten – was an der Börse ziemlich bedeutungslos ist –, aber dennoch haufenweise Geld verloren haben, was wiederum ziemlich bedeutsam ist. In unserem dritten Chart sehen wir den Short Squeeze bei Tesla in USD. Entsprechend der Maximum-Pain-Theorie wurde sogar noch der wichtige Widerstand bei 360 USD nach oben durchbrochen, bevor der Kurs gestern erst einmal wieder nach unten drehte.

Fazit

Beim Euro und beim DAX überwiegen unserer Meinung nach weiter die Gefahrenmomente. Tesla legte in den letzten Wochen zwar einen eindrucksvollen Short Squeeze hin, an der Verfassung des Unternehmens hat sich allerdings nichts Entscheidendes verbessert.

© Ralph Malisch, Ralf Flierl – Homepage vom Smart Investor

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